Mädchenkram - Supernatural

Angels and Nightmares

Brief von Nelson an Felicity

Burlington, Vermont

Hallo Liz,

entschuldige meine SMS von neulich, ich war ein wenig aufgebracht. Aber man lernt ja nicht alle Tage einen leibhaftigen Engel kennen, und ich war mir sicher, ihr Hecklers (du oder dein schweigsamer bunter Cousin) hättet vielleicht schon mal davon gehört.

Aber von vorne. Wie du dich erinnerst, habe ich ja in Ruston diese Engländerin kennengelernt, Irene Hooper-Winslow (nein, sie ist keine Adlige, auch wenn das so klingt, aber Upper Class mit Sicherheit). Sie war in Begleitung eines Krankenpflegers, der wohl auch die gleiche Profession hat wie Mrs Hooper-Winslow und deine Familie. Außerem war da noch dieser FBI-Agent, den ich durch Steve kennengelernt hatte, Agent Saitou. Du erinnerst dich? Falls nicht, ist es nicht schlimm, Steve schafft es ja schließlich täglich, sich in Schwierigkeiten zu bringen.

Ruston hat mir von Anfang an einen leichten Schauer über den Rücken laufen lassen, das ist kein Ort für Leute wie mich. Aber es ging hier ja nicht um die sehr weltlichen Gefahren, sondern um das Übernatürliche, das hier am Werk war. Irgendetwas hat dafür gesorgt, dass die verstorbenen Seelen nicht mehr in den Himmel aufgefahren sind. Schnell war klar, dass dafür ein junger Mann namens Harris Wright verantwortlich war, wenn auch eher unfreiwillig. Er hatte diesen Mantel, der dafür sorgte, dass ihn die Engel nicht fanden, und mit einer Kette hatte er dafür gesorgt, dass die Seelen nicht mehr gefunden wurden. Abgesehen davon war er ein Deserteur aus dem Himmel. Ja, Du hast richtig gelesen, er war gestorben und im Himmel und aus dem Himmel geflohen. Wusstest Du, dass so etwas möglich ist? Ich wäre dir wirklich verbunden, wenn du in den Archiven deines Vaters nachgucken könntest, was du zu dem Thema findest. Ich hoffe, du hast noch etwas davon, und deine Mutter hat nicht alles weggeworfen, als sie nach New York gegangen ist.

Irene – Mrs. Hooper-Winslow hat ihm dann angeboten, dass er bei ihr wohnen könnte, sie hätte da eine Möglichkeit, wo er nicht gefunden würde. Anscheinend hat diese Frau einige Asse im Ärmel. Sie ist schon bemerkenswert.

Ich habe übrigens die Möglichkeit genutzt, und Harris nach Daya gefragt. Er sagt, im Himmel ist sie nicht. Dann muss ich weitersuchen, in welcher Zwischenwelt auch immer meine Schwester ist. Vielleicht hast du da auch eine Idee. Manchmal bedauere ich es sehr, dass weder meine Großmutter noch dein Vater noch leben. Ich würde beide gerne einiges fragen.

Harris lebte nun also bei Mrs Hooper-Winslow, während sie und andere – unter anderem auch ich – nach einer Möglichkeit suchten, ihn aus seiner Lage zu befreien. Sie hatte mich eingeladen, sie zu besuchen in Hectorville in Vermont. Es ging wohl darum, was mit Harris passieren sollte, denn auf Dauer konnte er ja nicht bei ihr in ihrem Trailer leben.
Außer mir war da noch ein junger Mann, den ich nicht kannte, auch wenn er mir vage bekannt vorkam. Wahrscheinlich hat er mich aber auch nur an diesen Schauspieler aus “Person of Interest” erinnert, das lief auf dem Flug von Seattle nach Burlington. Spannende Serie, aber sie beflügelt doch etwas die Paranoia. Gut, nach dem, was ich erlebt habe, bin ich mir nicht sicher, ob die Serie nicht doch eher Kindergeburtstag ist. Halt nein, ich bin ihm auf dieser Gala begegnet, da, wo ich eigentlich nur über “Dr. Africa” verhandeln sollte, und dann lief da diese nicht alternde Schauspielerin auf. Erinnere mich bitte daran, dass ich um solche Veranstaltungen einen großen Bogen mache. Habe ich deiner Mutter schon für dieses Wohlfahrtsdinner abgesagt? Das sollte ich dann auch machen.

Jedenfalls, dieser Mr Gale war wohl ein Handwerker, den Mrs Hopper-Winslow engagiert hatte, damit er den Schrein auf ihrem Grundstück ausbaute. Meiner Meinung nach war das auch dringend notwendig, denn der Schrein war sehr klein und sehr wenig.. ehrwürdig. Aber man sah, dass sie sich Mühe gegeben hatte. Während wir noch auf diesem roten Lehmboden standen, auf dem einmal das Haus gestanden hatte, das Irene geerbt hatte, bekam sie einen Anruf von einem gewissen Cal.

Der hatte eine ganze Busladung von Leuten im Schlepptau, die angeblich alle aus dem Himmel geflohen waren. Und außerdem einen waschechten Engel, eine gewisse Mara. Und diese Leute suchten Harris und wollten nun alle nach Hectorville kommen. Ich glaube, in diesem Moment habe ich schon angefangen zu denken, ich sei im falschen Film. Engel? Engel sind die kleinen lockigen Burschen auf dem Porzellan, das meine Mutter so gerne mag. Aber Engel fahren nicht mit Minibussen durch die Gegend und sehen aus wie abgekämpfte Sozialarbeiterinnen. Engel bringen auch nicht wie Reiseleiterinnen mehre eigentlich Verstorbene mit, und vor allen Dingen bringen sie keine Höllenhunde hinter sich her. Sag mir jetzt nicht, dein Vater hat dir noch nie von sowas erzählt, das würde ich dir nicht glauben. Wobei, es waren ja nicht nur Höllenhund, sondern auch Cu Sìth. Professor Dr. Monaghan wäre begeistert gewesen, erinnerst du dich noch an ihre Vorlesung “Folklore der Britischen Inseln”? Ich glaube, Monny ist eigentlich auch Jägerin, und es hat nur keiner von uns mitbekommen.

Es passierte alles so schnell. Erst kam da wie gesagt, diese Reisegruppe an, angeführt von dieser sehr blassen, sehr hübschen Frau, die furchtbar krank aussah. Sie hat etwas mit Harris besprochen und dann den Mantel angefasst. Das hat sie anscheinend aber völlig umgeworfen, und Cal brachte sie ihn den Trailer. Ich habe bis heute nicht durchschaut, welche Rolle Cal in diesem ganzen Drama spielte, aber ich gebe zu, ich möchte es auch gar nciht herausfinden. Der Mann ist mir durch und durch unsympathisch, und ich glaube, er hat es ernst gemeint, als er mir auf der Fahrt nach Arkansas Prügel angedroht hat. Gut, ich bin nichtg wehrlos, aber ich glaube, einer wie der kämpft mit harten Bandagen, und nicht nach den Regeln der Ginga. Und ich hasse es, mich wie ein Schulhofjunge zu schlagen.

Nun, Mara lag nun bewusstlos in dem Trailer, und wir hörten schon in der Ferne die Hunde heulen. Außerdem erhielt Cal noch eine Warnung von einer Frau, die jetzt ein Falke war, aber früher einmal eine Bekannte von ihm gewesen war. Liz, ich habe mich gefühlt wie damals, als ich herausfand, dass der Weihnachtsmann nicht existiert.

Da stehe ich mit meinen besten Budapestern mitten im roten Schlamm, höre von Engeln und gestaltwandelnden Frauen, während eine englische Lady einen Zimmermann damit beauftragt, einen Schrein für eine Shinto-Göttin zu bauen, die am besten noch das ganze Areal schützen soll. Ich meine, ich bin mit dem Glauben der Yoruba aufgewachsen und christlich erzogen, aber das hier überstieg sogar meinen persönlichen Synkretismus.

Das sagte ich auch Mara, als ich in den Bauwagen ging, um mir irgendetwas zu suchen, dass die ganze SItuation erträglicher machte. Johnny Walker ist ein ausgezeichneter Helfer in so einer Not. Aber stell dir vor, ich habe mit einem Engel geredet. Einem ENGEL! Ich habe ihr sogar die Hand geschüttelt. Das fühlte sich irgendwie erhaben und albern zugleich an, schließlich war es die Hand eines Menschen – aber doch die eines Engels.

Wir hatten aber nicht lange Zeit zum Plaudern, denn Mara zog es wieder nach draußen. Sofort scharte sich wieder die Gruppe aus dem Minibus um sie, offensichtlich wussten sie ohne sie nicht so wirklich, was sie tun sollten. Mara sah mich noch einmal an und sagte dann etwas zu mir, und ich bin mir sicher, dass sie jetzt Yoruba sprach, ohne nennenswerten Akzent. Liz, ich schwöre dir, diese kleine weiße Frau hat mir fast die Tränen in die Augen getrieben, weil ich auf einmal Heimweh hatte.

Irene hatte derweil ein Opfer an die Shinto-Gottheit gemacht und um Schutz gebeten. Ich wusste nicht, was da genau abging, und Cal und der einsilbige Ethan waren mir da keine große Hilfe, aber ich fühlte mich auf einmal wieder so geborgen wie damals, wenn meine Großmutter ihre Schutzkreise zog, damit ich gut schlafen konnte. Sie hatte mir beigebracht, auf alles zu achten, was heilig ist, und mir war klar, dass hier etwas enorm Heiliges vor sich ging.

Und etwas unglaublich unheiliges.

Anscheinend waren doch Höllenhunde auf das Gelände gekommen, und du weisst ja sicher, dass man diese verdammten Viecher nicht sehen kann. Trotzdem hielt ich plötzlich ein Schwert in der Hand und musste Seite an Seite mit Cal und Irene gegen diese Bestien kämpfen. Wenn du jetzt lachst, Liz, bin ich dir auf ewig böse. Meine Fechtstunden in Eton sind halt doch schon etwas länger her, wie ich bemerken musste, und abgesehen davon, mit Engelsschwertern gegen unsichtbare Höllenhunde zu kämpfen, stand nicht auf dem Szenarioplan. Entsprechend habe ich mich geschlagen, ziemlich schnell hatte mich so ein Drecksvieh am Arm erwischt, und ich gab mein Schwert weiter an Ethan und zog mich selbst in den Bauwagen zurück, zu Mara und ihrer Reisegruppe, bis der Spuk vorbei war.

Leider hatte es Mrs Hooper-Winslow viel schlimmer erwischt als mich, und nach einer kurzen Erstversorgung durch Ethan und Cal fuhr letzterer sie ins Krankenhaus. Ich musste mich jetzt erstmal setzen und eine Runde mit meinem neuen besten Freund Johnny anstoßen, dass ich noch lebte. Liz, war das so ähnlich, wenn du mit deinem Vater Dämonen gejagt hast? Wann hört die Angst auf? Wann denkt man nicht mehr darüber nach, was man da eigentlich tut?

Ich jedenfalls war froh, dass Ethan bei mir war. Er sagte zwar nicht viel, aber er leistete mir erste Hilfe und hörte mir zu. Er wirkte zwar auch sichtlich mitgenommen, aber irgendwie schien er das besser wegzustecken. Ein durch und durch angenehmer Zeitgenosse, ganz anders als dieser Cal. Wobei ich dem hoch anrechne, dass er Mrs Hooper-Winslow ins Krankenhaus gefahren hat.

Als die beiden zurückkamen, musste noch eine Frage geklärt werden: Wohin sollte sich Maras Reisegruppe begeben? Sie selbst musste zurück in den Himmel, aber die Flüchtlinge mussten ja irgendwohin. Nach einigem Hin und Her haben wir uns dann auf den Mount Ida geeinigt, und mir und Cal ist die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, die Leute dorthin zu bringen.

Ich schwöre dir, das war die schlimmste Reise meines Lebens. Nachdem Cal offensichtlich weniger geschockt war über den Anblick von Engeln, dachte ich, er erzählt mir vielleicht etwas, was da abgeht, aber nein. Er hat mir angedroht, mich rauszuwerfen und zu verprügeln. War ich froh, als wir endlich in Mount Ida waren und ich den nächsten Flieger nach Vermont nehmen konnte. Gerne wäre ich noch etwas dageblieben oder hätte weiter mit Ethan geplaudert oder mit Irene, aber leider erreichte mich dann die Nachricht vom Forschungsprojekt, dass ich zurückkommen müsse.

Das war also meine Begegnung mit den Engeln. Ich hoffe, du verstehst mich jetzt besser, und kannst mir helfen, das zu verarbeiten, was ich erlebt habe. Du bist da momentan meine einzige Hoffnung.

Liebe Grüße,
Akintola

PS: Ist Neil eigentlich immer noch mit deinem Kombi unterwegs? Falls du ein Auto brauchst, sag Bescheid.

PPS: Klassisch Rosen. Du wirst hinreißend aussehen.

Comments

Timberwere

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.