Mädchenkram - Supernatural

Billings, Herbst

Verdammter Herbst. Es regnet schon wieder, als ich den Demon vor der Uni parke.
Vielleicht ein Fehler, denn das andere Auto auf dem Parkplatz kenne ich. Die Kids sind auch da. Eigentlich will ich einfach sitzenbleiben und später mit Ben sprechen, aber Jo hat mich schon gesehen. Sie kommt ans Auto. Sieht nicht glücklich aus.
Aber manchmal, manchmal bin ich doch froh, dass ich das kleine Vieh mitgenommen habe. Miffy springt auf dem Beifahrersitz wie ein Gummiball auf und nieder und lenkt das Gespräch erfolgreich von „Wo warst du? Warum bist du nicht vorbeigekommen? Wir hatten dich doch eingeladen!“ ab.
Sie bekommt große Augen. „Ist das deiner?“
„Nur kurzfristig.“
Also steige ich aus. Aiden ist natürlich auch da und fängt schon wieder zu reden an. Ich höre gar nicht richtig zu. Die beiden sind wohl wegen eines Mordes hier. Mord und Daniel Boones Speer? Sicher kein Zufall.
Ben steht vor dem Eingang, eine Zigarette in der Hand.
„Hey“, sagt er.
„Hey“, sage ich. Wenigstens einer in der Familie, der einem nicht ständig das Ohr abkaut.
„Ich suche einen Speer“, sage ich. „Indianisch. Angeblich wurde der in eure Abteilung gebracht.“
„Ich schaue, was ich machen kann“, sagt er und wir gehen erstmal zusammen zur Mensa.
Auf dem Weg beschwert sich ein Wachmann über den Hund. Pisser. Aiden improvisiert eine Leine, bevor ich dem Kerl deutlich mache, wohin er sich seine Minderwertigkeitskomplexe stecken kann.
Seltsam. Miffy kann Aiden nicht leiden. Miffy mag jeden, verdammt noch mal.

Überraschung in der Mensa. Ich bin nicht der einzige, der den Speer will. Stinger ist auch da. Stinger und magische Waffen, das ist so, als würde man einen dreijährigen mit einem Feuerzeug in der Tanke spielen lassen.
Aiden legt sich ein bisschen mit Stinger an. Verständlich, aber Junge, es gibt echt wichtigere Ziele.
Ich bekomme zum ersten Mal den Gedanken, dass ich den Speer vielleicht Speer sein lassen sollte. Wenn Stinger hier ist, dann sind andere sicher nicht weit. Lohnt sich nicht, sich mit anderen Jägern wegen einer Waffe anzulegen.
Wir fassen einen vorläufigen Plan: Den Speer zu stehlen und mit einem schlecht gefälschten Ersatz zu tauschen.

Ich kümmere mich um den Ersatz, während Ben mit seinem Prof im Lagerraum arbeitet.
Als ich aus dem Laden komme, sehe ich, dass, verdammte Scheiße, Stinger wirklich nicht der einzige ist, der sich hier rumtreibt.
Sofia ist da.
Das ist eigentlich gar nicht ihr Stil, sich in Hinterwäldler-Gebieten herumzutreiben. Sie ist ein Stadtmädchen. Attraktiv. Intelligent. Kultiviert.
Ich bin’s nicht.
Jemand wie sie und jemand wie ich, das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Also habe ich das einzig Vernünftige getan und bin raus.
Seitdem ist unser Verhältnis etwas gespannt. Besser, ich lasse mich nicht sehen.
Aber fast bin ich beim Auto, da beschließt der verdammte Hund, der netten Dame einen Besuch abzustatten.
So wie Miffy um sie rumspringt, kann Sofia sie gar nicht übersehen. Sie sucht Besitzer, entdeckt mich und ihr Gesicht wird eiskalt.
Ich zünde mir erstmal eine Kippe an. Dann pfeife ich Miffy zu mir. Sie ist bass erstaunt. Ich sollte den Hund behalten, nur um Leute zu verwirren.
Also gehe ich doch mal rüber.
„Was machst du hier?“ sagt sie.
„Jemanden besuchen. Und du?“ Gott, sieht sie gut aus. Aber müde, als hätte sie ewig nicht geschlafen.
„Auch.“
Damit hat sich unser Gesprächsstoff wohl erschöpft.
„Binde dich nicht an den“, sagt sie noch zu Miffy, „der hat kein Herz.“ Der Hund hüpft wie irre zwischen uns rum.
Hätte schlimmer kommen können. Trotzdem ist der Tag gerade ein gutes Stück beschissener geworden.

Zurück in der Uni, erzählen mir die Kinder, dass eine ganze Menge Fluchboxen im Lagerraum sind. Der dämliche Prof hat eine aufgemacht und wäre beinahe als Ballerina-Hack geendet. Außerdem liegen noch seltsame Knochen und anderer mystischer Krimskrams dort herum.
Nur der Speer nicht. Den hat wohl die Polizei mitgenommen.
Großartig. Mein Vorschlag, doch den Raum einfach abzufackeln, stößt nicht auf Gegenliebe. Wäre auch sinnlos, denn den verfluchten Kram wird man leider nicht so schnell los.
Außerdem will Aiden gerne den Speer. Na gut. Was man nicht alles für die Kinder tut. Die einen besorgen eine selten Puppe, ich eben einen magischen geistertötenden Speer.
Warum auch nicht.
Ben soll am nächsten Tag mal zum Revier und sich nach dem Mordopfer erkundigen. Um die Konkurrenz auszudünnen, will er auch gleich einen seltsamen Glatzkopf anklagen, der sich beim Lagerraum rumtrieb.
Jo macht ihren Computer-Kram und findet was über Istvan Szabo heraus, dem das ganze Zeug gehört hat. Ein ungarischer Graf, der okkulte Sachen gesammelt hat und auch gerne mal ein Artefakt unter der Nase eines Jägers weggeschnappt hat.
Klingt nach einem echten Sympathieträger.
Er ist bei einem seltsamen Unfall gestorben, sein Schloss ist abgebrannt.
Wir hören noch Polizeifunk, denn wenn sich jeder Idiot an die Standardprozedur hält, wurden die Bullen schon von falschen FBI-Agenten überschwemmt. Tatsächlich, zwei davon sind aufgetaucht, einer wurde festgenommen, der andere ist entkommen.
Ich tippe auch Stinger im Knast.
Nebenbei wollte auch noch jemand in die Asservatenkammer einbrechen.

Ich lasse die Kinder spielen und gehe mich ein bisschen umsehen. Der Glatzkopf hatte vermutlich die gleiche Idee. Man schaut sich ein bisschen aus der Ferne an. Der Mann ist mir sofort umsympathisch, aber ich komme erst nach einer Weile auf den Grund. Er hält sich wie ein Soldat. Ich hasse Soldaten. Diese ganze militärische Ausbildung produziert nur Irre.
Bestimmt so eine paramilitärische Organisation.

Statt mich weiter mit ihm abzugeben, knüpfe ich mir ein Mädchen vor, dass vor der Tür des Profs herumflattert.
„Sind sie eine Angehörige?“
„Von wem?“ fragt sie mit unschuldigen Augen.
„Dem Mordopfer.“
„Nein, ich muss mit Professor Uzor sprechen.“
„Warum?“
„Also, das ist privat! Und wer sind sie überhaupt? Auch ein Professor?“
„Ja. Professor Fisher. Kunstgeschichte.“
„Oh.“ So eine bescheuerte Lüge, aber sie glaubt es mir.
„Hör mal, Kindchen, hier laufen ganz schön viele unangenehme Gestalten rum. Seid lieber vorsichtig und sag mir, was du mit dem Speer willst.“
Sie druckst herum, aber dann erzählt sie, dass ihre Familie aus dem Appalachen stammt und dort eine Chemiefabrik auf einen Indianerfriedhof gepflanzt wurde. Jetzt bedrohen die Geister ihren Ort.
Klingt nach Blödsinn, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie lügt. Sind auch schon seltsamere Sachen passiert.
Ich melde mich bei Sunny, die doch bitte jemanden dahin schicken soll. Vielleicht lässt sich das Problem ja ohne Speer lösen.

Als ob die alle noch nicht reichen, sehe ich auf dem Rückweg auch noch A.C. Manchmal habe ich das Gefühl, Gott ist ein Arschloch.

Die Nacht bleibe ich in Bens Zimmer. Sein Mitbewohner kommt sowieso so gut wie nie vorbei. Dafür hat Miffy was von seinem Hasch gefressen und schläft tief und fest.
Am nächsten Morgen treffen wir uns im Motel der Kinder. Sie haben Marcus DeVries getroffen, einen totalen Hardliner und Religionsspinner. Hat zwar einige gute Sachen hingekriegt, opfert aber mal gerne andere, um das Monster zu erwischen.
Miffy rastet total aus, als sie Aiden sieht. Knurrt, bellt, stellt sich vor mich und bedroht ihn.
Dumm und mutig. Eigentlich sind sich die beiden doch so ähnlich.
„Was hast du mit meinem Hund gemacht?“ frage ich Aiden.
„Was weiß ich, was die Töle hat!“
„Beleidige nicht meinen Hund.“
Er druckst noch ein bisschen herum, dann rückt er raus: Er hat vom Bärengeist geträumt und danach haben seine Narben geblutet.
Der Bär will auch den Speer.
Will eigentlich irgendwer nicht den Speer?
Jo ist ein bisschen angepisst, dass Aiden ihr nicht die Wahrheit gesagt hat. Der Junge kann einen aber auch zur Verzweiflung treiben. Hat ihr auch nicht gesagt, dass ich auf seinen Wunsch hin von ihnen ferngeblieben bin.
Er hat ja Recht, aber Jo anlügen ist nicht. Muss ihn mir mal zur Brust nehmen.
Zur Beruhigung toben sich Ben und Jo im Internet aus. Das Mädchen von gestern Abend kann nicht ganz die Wahrheit erzählt haben. Eine Irene Andrews finden wir nicht, ein Newtown mit einer Chemiefabrik auch nicht, aber Stadtteil namens Newtown. Komische Todesfälle gab es auch nicht.
Da ist man einmal, einmal nett und schon bekommt man die Rechnung. Das mache ich nicht wieder.
Zur Sicherheit rufe ich Sunny an und sage, sie soll Barry Jackson sagen, er soll vorsichtig sein.
Aiden schaut sich außerdem nach einem Schamanen um, der vielleicht die Geister befrieden könnte.

Wir ziehen also unseren Plan durch: Zur Polizeiwache. Ben trifft draußen eine andere Professorin aus der Uni – Sanchez oder so. Sie will die Mumie retten. „Arme Atlicatl!“. Sind die alle bescheuert? Hoffentlich färbt das nicht auf Ben ab.
Er geht also mit ihr rein.
Und dann taucht schon wieder Sofia auf. Sie sieht völlig fertig aus.
Verdammt noch mal.
Ich gehe rüber zu ihr.
„Wie geht es deinem Vater?“
„Schlecht. Er liegt in im Koma. Diese… diese Geister von Männern aus dem Bürgerkrieg, die die ihr mal beseitigt habt, sind wiedergekommen.“ Sie wischt sich die Augen. „Das Feld, auf dem sie verbrannt sind, wurde für eine Mall einbetoniert. Es kann nicht mehr gesalzen werden.“
Ein Teil von mir will sie in den Arm nehmen. Aber das geht natürlich nicht.
Sie fährt mich an: „Du schuldest meinem Vater verdammt viel. Du bist verpflichtet, ihm zu helfen.“
Scheiße, denkt sie etwa, ich würde das nicht machen?
„Klar helfe ich ihm.“ Ruhig bleiben. „Okay. Ich brauche aber den Speer hinterher für jemanden, der mir…“ Ich kann mich gerade noch so beherrschen. „Den ich kenne. Wir erledigen die Geister und hinterher nehme ich ihn mit. Also unternimm erstmal nichts.“
„Warum sollte ich dir vertrauen? Auf dich kann man sich nicht verlassen.“
Autsch. Ich weiß langsam nicht mehr, was ich zu ihr sagen soll. „Hör zu, ich will genauso wenig wie du, dass Enzo etwas passiert. Wir haben einen Plan. Ich kümmere mich drum.“
„Einen Tag. Enzo hat nicht mehr viel Zeit und wenn ich noch nach New York zurück will… Du hast einen Tag. Und wenn du das nicht hinkriegst, gehörst du mir.“
Sofia ist schlank und sieht aus wie eine Bankerin. Aber sie kann verdammt furchteinflößend sein. Vielleicht, weil ich weiß, dass sie sich selten von ihren Zielen sehen lässt.

Dann gibt es Geschrei von Drinnen. Ein hysterischer Polizist rast an uns vorbei.
Scheiße. Ben.
Wir kommen gerade an, als er die Mumie von Hals der Professorin reißt. Die Polizisten leeren ein Magazin in die Mumie, die jetzt wieder erstarrt ist. Professor Sanchez bekommt beinahe einen Herzinfarkt.
Diese Akademiker. Die würden noch „Ach, ist ja interessant“ sagen, wenn man sie vor einem hungrigen Werwolf an einen Baum bindet.
Der Glatzkopf hat sich mit uns reingeschlichen und steuert auf den Speer zu. Ben zeigt auf ihn: „Das ist der Mann, der uns verfolgt hat!“ Die Polizei hält den Mann erstmal fest und scheucht uns raus.
Wie es aussieht, hat der Speer die Mumie erweckt. Vielleicht ist es gar nicht Boones Speer?

Vor dem Polizeirevier ist noch eine Menge los.
Der Glatzkopf hatte einen jungen Mann dabei, der jetzt gegenüber dem Revier in Habachtstellung wartet.
Das weckt in mir für einen Augenblick eine Mischung aus Übelkeit und Wut. Ich musste mal in der gleichen Haltung acht Stunden im Regen stehen.
Er sieht mich besorgt an, als ihn anspreche.
„Wissen Sie, wann Mr. Caulder wieder herauskommt, Sir?“
„Wird wohl noch dauern.“
„Wie lange denn, Sir?“ Er schaut rüber zu einem Buch- und Musikladen an der Ecke.
„Eine ganze Weile.“
„Länger als eine halbe Stunde?“ Ein Funken Hoffnung leuchtet in seinen Augen.
„Denke schon.“
Er nickt nervös und geht zum Laden.

Inzwischen sind noch mehr Gäste angekommen. Ein schwarzer Van mit einem Kreuz drauf, aus dem ein Priester und eine Schwarze springen und ins Revier laufen.
Kann nichts schaden, die Mumie zu segnen oder so.
Als sie zurückkommen, taucht auch noch A.C. auf. Die Schwarze stürmt sofort auf ihn zu und streitet sich mit ihm rum. A.C. verdreht nur die Augen.
Nachdem das Papamobil abgezogen ist, will A.C. mit uns reden.
Erstaunlicherweise will er nicht den Speer. Er will eine der Fluchboxen. Wir versprechen erstmal nichts, aber das hat er wohl auch nicht erwartet. Der Priester ist nach seiner Aussage von einer Vatikan-Eingreiftruppe.

Aiden sieht sich die Bilder vom Speer, die Ben gemacht hat. Die Zeichnungen darauf haben nicht die richtige Farbe – rostrot statt weiß.
Blut? Wenn der Speer mit Menschblut entweiht ist, kehrt sich seine Wirkung um: Er erweckt Leichen. Das erklärt Einiges.
Aiden kennt jemanden, der den Speer reinigen könnte.
Nach einer Menge Hickhack am Telefon erklärt sich die alte Frau schließlich bereit, mit ihrer Tochter herzukommen.
Und anscheinend brauchen Aiden und ich dringend eine spirituelle Reinigung und sollten mal in die Schwitzhütte.
Ich rufe noch mal Sofia an. Sie will mir nicht glauben, dass der Speer verfluch ist. Gottverdammt. Warum müssen die Weiber immer so dickköpfig sein? Wenn sie den Speer zu Enzo schleppt, macht sie alles nur noch schlimmer.
Aber sie ist so wütend auf mich, dass sie mir nicht glaubt.
Scheiße. Ich muss Enzo unbedingt helfen und Sofia daran hindern, irgendwelchen Blödsinn zu machen.

Wir fahren zurück zur Uni. Dort steht schon das Papamobil.
Da ich A.C. nicht vertraue, rede ich lieber noch mal mit dem Priester, Vater Ernest Cambrian.
„Die Dinger bringen sie noch mal um“, sagt er fröhlich und zeigt auf meine Kippe.
„Wäre froh, wenn die mich umbringen.“
Vater Cambrien will natürlich auch die Fluchbox, um sie im Vatikan einzulagern. Klingt erstmal in Ordnung.
Und A.C.? Laut Vater Cambrien ein gefallener Engel.
DeVries mögen sie auch nicht. Der hat sich nämlich auch nur zum Stelldichein eingefunden und wird von der Leibwächterin böse angeschaut.
Okay. Noch nie gesehen, was einer von denen abziehen kann, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass uns A.C. alle umbringen könnte, ohne auch nur einen Nagel abzubrechen.
Der gute Vater will mit Professor Uzor sprechen.
DeVries hat auch eine Meinung zu Cambrien. Er rät uns, dem Mann nicht zu vertrauen, da er ein Betrüger sei. Möglicherweise ein echter Priester, vielleicht auch nicht, jedenfalls hätte er schon Jäger über den Tisch gezogen.
Langsam glaube ich, ich bin der einzig ehrliche Jäger hier.
Ha.
Für alle Fälle ruft Ben seinen Professor an und warnt ihn vor dem Priester.

Jetzt müssen wir uns um den Speer kümmern und zwar schnell.
Wir suchen den Donutshop neben dem Polizeirevier auf. Vielleicht hat ja einer von den Bullen eingesehen, dass auferstandene Mumien nicht zum normalen Programm gehören. Einer der Cops hat einen ordentlichen Schock erlitten. Seine Kollegen halten ihn für verrückt und haben nichts dagegen, dass sich mal jemand anderes mit ihm beschäftigt.
Scheiße ist der hysterisch.
Aber wie alle Menschen, die mal einen Blick auf die finstere Seite der Welt werfen durfte, ist er heilfroh, dass wir ihm glauben. Bald wird er bereuen, dass er doch nicht einfach irre ist.
Er lässt sich darauf ein, für uns die wachhabende Polizistin abzulenken, damit sich Jo solange durch den Luftschacht schieben kann.
Wirkt aber nicht, als könnte der Kerl auch nur eine weitere Minute unter Druck durchstehen.
Ich hasse es, mich auf andere verlassen zu müssen.

Und wer geht gerade ins Polizeirevier? Irene Andrews.
Ich passe sie vorne ab, während der Rest schon mal hinten den Einbruch vorbereitet.
„Du hat gelogen. Es gibt kein Newtown, in dem eine Chemiefabrik gebaut wird und seltsame Tode vorkamen.“
Kulleraugen. „Doch, da lebt meine Familie.“
„Hör auf zu lügen.“
„Ich lüge nicht. Und ich glaube, sie sind gar kein Professor!“
Ganz die Unschuld, aber da ist was in ihren Augen, dass mir sagt: Sie verarscht mich.
Aber ich habe etwas Hemmungen, die Wahrheit aus ihr herauszuprügeln. Wir stehen direkt vor dem Polizeirevier.
Sie geht also rein und ich warte.
Nur um sie ein paar Minuten später wiederzusehen, wie sie vorbeirast und auf ein Haus springt, Jos Jeep direkt hinter ihr.
Ich bin nie wieder nett zu unschuldigen kleinen Weibern.

Wir verfolgen sie mit dem Jeep zum Friedhof.
Friedhof? Fuck.
Wir brettern hinter ihr her und nehmen sie ein Stück auf der Kühlerhaube mit.
„Sie hat spitze Eckzähne, wie ein transsilvanischer Vampir. Aber sollte sie dann nicht in der Sonne verbrennen?“ sagte Aiden.
Wie auch immer, wir müssen sie so lange totmachen, bis sie tot bleibt. Auch ohne Knoblauch und Holzpflöcke.
Also springen wir aus dem Auto, während im Hintergrund schon Dawn of the Dead spielt.
Aiden geht in den Nahkampf und Irene sorgt schön dafür, dass er immer zwischen ihr und uns bleibt.
Scheiße. So kann ich nicht schießen. Ich zögere und im gleichen Augenblick geht Irene auf Jo los. Verdammt noch mal.
Die Vampirin ist ziemlich stark und inzwischen sind auch die ersten Zombies herangewankt.
Großartig.
Ben hat sich auf das Dach des Jeeps zurückgezogen und schießt Zombies runter. Irene wird mehrmals getroffen, aber die Verletzungen heilen wieder.
Jo ist inzwischen schwer verwundet. Ins Auto, Mädchen! Sie ist zu starrköpfig.
Hat sie von ihrer Mutter.
Die Zombies sind langsam, trotzdem ist Zombieausweichen und Schießen auf die Dauer sehr anstrengend.
Und es kommen immer mehr nach.
Irene rammt ihren Indianerspeer in Aiden und er wirft ihr ein Messer in die Brust. Sie grinst bloß und zieht es raus.
„Danke, jetzt habe ich ein Messer.“ Und wirft zurück.
Aiden fängt das Messer auf. Nette Nummer.
Aber sie ist schon ziemlich angeschlagen. Ich lege noch einmal an und schieße.
Sie lächelt und breitet ihre Arme aus.
Und zerfällt zu Ektoplasma.
Ein Vampirgeist? Verdammte Scheiße, ich dachte, ich hätte schon alles gesehen.

Wir greifen den Speer und machen, dass wir da rauskommen.
Wohl ist mir dabei nicht. Die Zombies legen sich nicht wieder hin, nur weil wir den Speer haben.
Während er Jo mit seinem Hemd vorläufig verbindet, sagt Aiden: „Wir müssen so was wie eine Fluchkiste machen. Sandelholz mit Krähenfedern.“
Wir haben zwar keine Zeit zum Heimwerken, aber auch keine Wahl. Vorläufig packen wir den Speer in eine Tasche mit Salz und Eisen.
Um ein bisschen Unterstützung zu bekommen, rufen wir alle Jäger an, die uns einfallen.
Statt Sofia geht ein Mann ran. Ein Bulle. Sie hat natürlich etwas Bescheuertes gemacht und wurde eingebuchtet.
Ich sage: „Und holen Sie schon mal die Knarren raus. Es kommen bald Zombies vom Friedhof.“
Ich höre den Bullen lachen, als ich auflegen. Er kann hinterher nicht behaupten, ich hätte ihn nicht gewarnt.
DeVries bekommt eine Nachricht ins Motel und Jo ruft bei Stinger an.
Der ist auch im Knast, also kann sich Jo mit dem gleichen Bullen unterhalten.
„Und übrigens, da sind Zombies auf dem Friedhof.“

Jo und Aiden machen sich auf, um die Kiste zu besorgen.
Ben und ich machen derweil Schießübungen auf dem Friedhof. Es sind noch nicht viele Zombies auf die Straße getaumelt, aber es sind genug. Ich knalle einen ab, der gerade den kleinen Hund einer Frau verspeist. Immerhin überlebt sie.
Ich will nicht wissen, was die Polizei bei ihrem Anruf sagt.
DeVries hat die Nachricht bekommen und hilft uns ohne Umschweife, den Friedhof zu sichern.
„Transsilvanischer Vampirgeist“, sage ich.
Er sagt ohne mit der Wimper zu zucken: „Und die Knochen?“
„Klar die Knochen! Da waren verzierte Knochen in der Kammer“, wirft Ben ein.
Hoffen wir, dass es die richtigen Knochen sind.
Nun gut. Dann muss DeVries hier alleine die Stellung halten. Keine Chance, dass ich Ben alleine gehen lassen. Wenn die Vampirin auftaucht, ist er hin.
DeVries packt mich noch am Arm. „Da ist ein Höllentor in Satartia. Wenn ich umkomme, schließt es mit dem Speer.“
„Okay.“

Auf dem Weg zur Uni ruft uns Jo an. Aiden wurde von dem Glatzkopf einkassiert. Er will den Speer. Jetzt will sie den gefälschten Speer gegen ihn tauschen.
Verdammt. Das muss sie alleine schaffen. Caulder ist nur ein Mensch. Zwar nicht weniger gefährlich als ein Monster, aber leichter zu töten.
Also bleibe ich bei Ben.
Ben holt seinen Prof mit dem Versprechen zu sich, dass wir den Speer wiederhätten und in die Kammer tun müssten.
Ich packe mir einfach die Knochen und trage sie in den Gang. Hier sollte nicht viel Brennbares sein. Salz und Feuerzeugbenzin und der Prof rastet aus.
„Aber Sie können doch nicht! Das sind wertvolle Artefakte!“
Ben blockiert ihn und ich lasse das Streichholz fallen.
Knochen brennen nicht besonders gut, egal was das Fernsehen einem erzählt. Und die Knochen brennen besonders schlecht.
Prof Uzor packt einen Feuerlöscher.
„Das können Sie nicht machen! Meine Knochen!“
Ich ziehe meine Knarre und ziele auf ihn.
Er zögert. „Haben Sie etwa vor, mich zu erschießen?“
„Nein, aber…“
Weiter komme ich nicht, denn er sprüht den Schaum auf die Knochen.
Verfickt noch mal. Ich tackele ihn und wir rutschen beide über den Boden.
Derweil schüttet Ben mehr Benzin auf die Knochen und zündet sie wieder an.
„Mr. Baker! Was machen Sie denn… Oh, brennen die Flammen etwas blau? Kommt das vom Löschschaum? Nein, das ist aber ungewöhnlich.“
Uzors Neugierde siegt und er versucht erstmal nicht mehr, den Brand zu verhindern.
Der Geruch nach Blut breitet sich aus.
Ich zünde mir den Flammen endlich mal wieder eine Kippe an und…
Scheiße, Irene schubst mich von hinten ins Feuer.
Wer hätte es gedacht. Rauchen schädigt die Gesundheit.
Ich wälze mich auf dem Boden, während Ben den Geist angreift. Mein Gewehr ist mit Salz geladen, also ballere ich auf den Geist und kann ihn auflösen.
Für den Augenblick.
Wir ziehen einen Salzkreis um das Feuer und postieren uns um die Knochen. Wir müssen den Vampirgeist nur abhalten, bis die Knochen verbrannt sind.

Aiden und Jo kommen wieder. Ich bin verdammt erleichtert, dass sie in Ordnung sind. Aber das müssen sie nicht wissen.
Irene materialisiert sich wieder und ist angepisst, dass wir sie von ihren Knochen fernhalten.
Sie fängt an, Sachen nach uns zu schmeißen. Eine Fluchkiste segelt an uns vorbei aus dem Fenster.
Reinwerfen kann man. Aber auch raus schießen.
Das macht sie nicht glücklich und ehe ich reagieren kann, saust eine Axt durch die Luft.
Meine Schulter hält sie auf.
Scheiße. Blut läuft mir den Arm herunter. Ich kann mein Gewehr nicht mehr richtig stützen.
Durchhalten.
Als wäre das nur normaler Samstagnachmittag schlendert A.C. den Gang herunter. Wir sind ihm egal, er will seine Fluchbox.
Die kommt gerade aus der Lagerkammer geflogen. Direkt in Aidens Hände.
„Hilf uns mit dem Geist, dann bekommst du die Box.“
A.C. seufzt und rollt mit den Augen, zieht aber ein Messer durch den Geist, der sich auflöst.
Als sie das nächste Mal auftaucht, fangen ihre Züge an zu brennen und mit einem Schrei löst sie sich auf.
A.C. streckt seine Hand aus. „Meine Box, bitte.“
Aiden sieht die Box an. Dann macht er sie auf.
Idiot.
Aber man sagt ja, das Glück sei mit den Dummen. In der Kiste ist ein Schwert und scheint keinerlei Wirkung auf Aiden zu haben. Er macht die Box wieder zu und gibt sie A.C.
Keine Ahnung, was wir ihm da gegeben haben, aber es wird uns sicher früher oder später in den Arsch beißen.

Weg hier. Draußen laufen noch Zombies herum.
Die leere Fluchbox liegt vor dem Fenster. Scheiße.
Eine kreischende Studentin kommt an uns vorbei, verfolgt von einem anderen Studenten, der eine Schere schwingt.
Wir verfolgen und packen ihn, aber irgendwie bekommt Jo die Schere in die Finger und säbelt einen Teil von Aidens Mähne ab.
Nein, ich will keinen Haarschnitt, bitte.
Aber wir können ihr die Schere entreißen, in die Box werfen und sie zumachen.

Die indianische Fluchbox wird grob von Jo zusammengezimmert. Wir anderen dürfen zwei tote und sehr schmutzige Krähen rupfen.
Ne. Lieber Zombies abknallen.
Als der Deckel zuklappt, werden aus den Zombies endlich wieder Leichen. Unbelebte Leichen.

Ich denke an Enzo und Sofia. Die alte Indianerin ist immer noch nicht da. Als wir anrufen, ist sie noch nicht mal losgefahren. Selbst eine Zombieplage findet sie keinen Grund zur Eile.
Gottverfickte starrköpfige Weiber.
Noch schlimmer, als sie endlich da ist, wirft sie einen Blick auf den Speer und klappt die Kiste wieder zu.
„Oh je. Oh je. Das ist aber ein schwerer Fall. Den muss ich zu Hause reinigen.“
Ich sage: „Wir haben keine Zeit. Wir brauchen den Speer und zwar sofort.“
„Das lässt sich nicht beschleunigen, junger Mann. Das dauert mindestens zwei Wochen.“
„Ich brauche ihn jetzt. Sonst stirbt jemand, der mir wichtig ist.“
„Das tut mir leid, aber schneller geht es nicht.“
Das tut dir leid, du alte… Okay. Okay. Nicht ausrasten.
„Wer denn?“ fragt Aiden, aber ich ignoriere ihn.
„Muss was klären“, sage ich und springe ins Auto.
Als ich an der Uni vorbeikomme, sehe ich A.C., der gerade sein Auto packt.
Scheiße. Ich habe keine Wahl.
„Ich habe ein Problem und sonst kann mir keiner helfen“, sage ich.
„Ist das so?“ sagt er und räumt weiter.
„Wenn du für mich ein paar Geister beseitigen kannst und einen alten Mann aus dem Koma holen, tue ich für dich, was du willst.“
Er dreht sich um und lächelt. „Warum nicht? Ich kann noch Seelen für meine Armee gebrauchen. Du würdest im Himmel kämpfen.“
„Wie lange?“
Er schürzt die Lippen. „Ein Jahr.“
Ich zögere. Ich würde gerne sagen, dass es ist, weil er den Himmel angreifen will und er ein böser gefallener Engel ist, aber ehrlich… ich habe Schiss. Wenn es ums Sterben geht, ist man plötzlich nur noch ein Tier, das überleben will.
„Gut, das willst du nicht. Machen wir es so: Du schuldest mit etwas und wenn du es nicht erfüllst, gehört deine Seele mir.“
„Okay.“
Er macht irgendwas und in mir wird es ganz kalt. Als hätte jemand mit seinen Nägeln über deine Seele gestrichen.

Sofia ist im Polizeirevier. Sie und Stinger haben gegen die Zombies geholfen.
Zombietöten hat ihre Laune gehoben.
„Ich musste Stunden mit dem da drin sitzen“, sagt sie und zeigt auf Stinger. „Furchtbar.“
Humor ist das Letzte, was ich gerade vertragen kann.
„Ich habe das mit deinem Vater geregelt.“
„Du hast…? Was hast du gemacht?“
„Ich habe es geregelt.“
„Verdammt noch mal Cal, was hast du gemacht? Einen Handel mit einem Dämon? Du Vollidiot.“
„Kein Dämon.“
Sie beäugt mich. „Ich glaube dir. Aber was meinst du, was Enzo macht, wenn er das erfährt?“
„Lüg ihn an.“
„Meinen Vater kann man nicht anlügen. Cal…“
Ich überlege, was ich sagen kann, aber mein Kopf ist leer. Dabei gibt es so viel zu sagen.
Ehe mir etwas einfällt, ist sie gegangen.

Ich komme zu den anderen zurück. Keiner fragt mich, was ich gemacht habe. Zum Glück.
Wir fahren mit Meggs in ihre Heimatdorf. Dort will sie den Speer reinigen.
So weit kommt es aber gar nicht. Mitten in der Nacht klingelt mein Handy. Es ist Aiden.
„Ich habe von Bär geträumt und muss den Speer zu ihm bringen. Sofort. Ich will Jo da nicht mit reinziehen.“
„Bin gleich da.“
Man hätte es sich ja denken können. Als ich ankomme, hört man das Geschrei bis nach draußen.
„Baby, ich will dich nicht in Gefahr bringen! Du bleibst schön hier!“
„Ich bleibe bestimmt nicht hier! Wir sind beide Jäger!“
„Ich nehme dich nicht mit! Und damit fertig!“
Ich kann ihn ja verstehen, aber Jo anlügen ist scheiße. Er sollte außerdem wissen, dass er mit einer Jägerin zusammen ist. Ysabelle hat mit mal eine Rippe angebrochen, auch wenn das… Na ja.
Was wohl Sofia machen würde, wenn ich ihr so was sage? Mich in einer Falle hängen lassen?
Nah. So was würde ich ihr nicht sagen. Ich wäre einfach so weg.

Am Ende kommen Jo und Ben auch mit.
Scheiße, ich bekomme in Crossroads eine Gänsehaut. Hier ging alles schief. Hier haben Ysabelle und Hialee ihre Seele für mich und den Chief verkauft.
Im Wald rammt Aiden den Speer in die Erde.
„Hier ist er! Hol dir den Speer!“
Bär erscheint. Verdammt, warum haben wir uns damit angelegt. Er brummt zufrieden und zieht mit den Tatzen einen Kreis um den Speer.
Okay, er ist eine Art Gott, aber ich traue dem Tier trotzdem nicht. Nicht, dass wir viel machen könnten.

Jetzt wird es erstmal ruhiger. Ben und Jo verkaufen ihr Haus. Ben scheint richtig heiß drauf zu sein, es loszuwerden.
Ich rufe Enzo und überprüfe, ob A.C. sein Versprechen gehalten hat. Enzo geht es auf jeden Fall gut, aber er will unbedingt wissen, was ich gemacht habe.
Ich sage es ihm nicht.
Er ist nicht zufrieden. „Ich bin ein alter Mann, Cal, verdammt noch mal!“
Ich sage nichts.
„Und Sofia… Sie hat viel von dir geredet. Ich glaube, sie hat noch Gefühle für dich.
Ich sage nichts. Was sollte ich dazu auch sagen? Sofia könnte sich ohne Probleme einen reichen, kultivierten Mann angeln, da braucht sie mich nicht.
Gefühle reichen nicht aus.

Ben hat erstmal frei von der Uni. Er organisiert mit dem Geld vom Hausverkauf eine Europa-Rundreise. Richtig begeistert bin ich nicht. In Europa ist es in vielen Ländern verboten, eine Schusswaffe zu tragen. Fast schon Nudisten.
Aber wer weiß, wie viel Zeit ich noch habe. Und sollte ich die im Vollsuff in irgendeiner schmutzigen Bar verbringen oder mit den Kindern?
Die sind schon in Ordnung, die Kinder.
„Man weiß nie, was alles passieren kann. Da kann man ruhig Zeit zusammen verbringen“, sage ich zu Ben, als er von seiner Unipause erzählt.
Er merkt, dass was nicht stimmt. „Wie meinst du das?“ fragt er.
Aber ich antworte nicht.

Comments

Nocturama

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