Mädchenkram - Supernatural

Coal Miner's Seed

aus Barrys Tagebuch

Coal Miner’s Seed

Wow. Okay, einfach nur: Wow. Ich habe auf eBay ein Buch ersteigert – es war nur eine Seite drin, ein Ausschnitt, aber das war ein Wörterbuch. Walisisch – Indianisch, angeblich. Unbekannte Sprache, die aber Merkmale aus der Caddo- und aus der Sioux-Sprachfamilie enthielt. Gut, eigentlich war es nur ein Lexem, das mir auffiel, aber trotzdem. Hatte ja nicht viel gesehen. Nicht hyperventilieren, Jackson, wahrscheinlich ist das nur Zufall. Aber wenn nicht… egal. Als hätte ich gerade Zeit für ein Paper, und walisisch kann ich auch nicht. Trotzdem.

Das hier ist aber nicht der Text, in dem ich erzähle, wie wertvoll und wichtig dieser Fund ist. Das hier ist das Action-Tagebuch, und ja, es gab Action. Ich hätte vielleicht nicht mit Ethan losziehen sollen. Oder Browns Fluch hat sich nach ein paar ruhigen Jahren wieder aktiviert. Großartig.

Jedenfalls musste Ethan nach dem Baumhausbau zurück nach Vermont, das Wörterbuch war in Oak Hill, Ohio – direkt auf dem Weg. Also sagte ich dem Verkäufer, ich würde es abholen. Die Post verlor ohnehin zu viele Sendungen.
Wir kamen nach einer längeren Fahrt an. Unterwegs hatte ich Ethan eine Weile zugetextet, es dann gemerkt und mich entschuldigt. Er meinte nur, er fände das Thema grundsätzlich ja ganz interessant, auch wenn er nicht viel von dem verstand, was ich sagte. Gut, meinte ich, wenn dich das tatsächlich interessiert… ich kann das auch verständlicher erklären. Tut es schon, meinte er, also fing ich mit „Was ist eigentlich eine Sprachfamilie?“ an. Wäre auch ein nettes Gespräch geworden, aber natürlich hatte meine Stimme irgendwann keine Lust mehr. Immerhin: Ethan redete mehr auf der Fahrt. Deutlich mehr. War schon in Stuttgart so gewesen. Nicht mehr so wortkarg. Lag vermutlich an dem Treffen mit seinen Eltern. Oder an Sam.

(Schon wieder 300 Worte oder eine halbe Seite mit nicht-Action verbraucht. Ich muss mehr auf meinen inneren Lektoren hören. So geht das nicht. Könnte den Absatz über Ethan löschen, oder diesen Rant hier, aber das mache ich nicht. Für Leute, die nur den Action-Teil lesen wollen: Überfliegt den Rest und steigt bei BAM wieder ein.)

Ich holte das Buch ab. Eine relativ schmale Kladde, ziemlich fragil, also steckte ich sie vorsichtig in die Tasche und verzichtete darauf, darin herumzublättern. Okay, ein schneller Blick. Ja, das sah gut aus. Sehr gut. Riss mich dann am Riemen, aber ich habe mit Sicherheit gegrinst wie ein Honigkuchenpferd, als ich damit zum Wagen lief. (Tolles Wort: Honigkuchenpferd.)
Als nächstes fuhren wir zum örtlichen Pub. Draußen schon eine Tafel: Walisische Spezialitäten. Keine Ahnung, was das sein konnte. Irgendwas mit Schaf, vielleicht? Wir gingen rein. Große Überraschung: An einem Ecktisch saßen zwei bekannte Gestalten. Irene Hooper-Winslow und Bart Blackwood. Oh Mann. Was machten die denn hier?

Wir gingen rüber, sagten Hi. Bildete ich mir das nur ein oder war Irenes Begrüßung diesmal tatsächlich einen Hauch weniger frostig als in Seattle? Keine Ahnung. War ja auch egal. (Nein, war es nicht. Ich war gern mit Irene befreundet gewesen, bis mir meine Triebe in die Quere kamen.) Was bringt euch denn hierher? fragte Irene. Ich erzählte von dem Buch, etwas ausführlicher, als es unbedingt nötig gewesen wäre. Sie und Bart waren nur hier, weil sie Informationen austauschen wollten. Hätte mich ja auch gewundert, wenn die sich nicht gekannt hätten.
Keine Fälle? Keine verschwundenen Personen, kein Familienfluch? Sah erst mal nicht so aus. Einfach nur ein zufälliges Treffen, ein walisisches Essen, und dann gingen wir alle unserer Wege? Nein. Natürlich nicht. Wäre ja zu einfach.

Die Kellnerin – Gwendolyn – wirkte nervös. Fast schon zappelig. Schaute uns immer wieder von der Seite an, als wollte sie etwas erzählen. Schließlich fragte ich sie, ob alles in Ordnung wäre. Sie schüttelte halb den Kopf. Sind Sie von der Polizei? fragte sie. Oder vom FBI? Ich erklärte, ich wäre Privatdetektiv. Das schien ihr zu reichen. Erzählte uns von ein paar mysteriösen Todesfällen beim Bergwerk – drei in den letzten vier Wochen, und niemand wusste, was los war. Die Polizei interessierte es scheinbar auch nicht sehr.

Zwei Männer, Ennis und David, waren vom Förderturm gestürzt. Selbstmord, war die offizielle These, aber Ennis war Gwendolyns Cousin gewesen, und verlobt, und glücklich – der hatte sich bestimmt nicht umgebracht. Die Frau, Linda, die in der Verwaltung gearbeitet hatte, war vor ein Auto gelaufen. Das klang zwar nicht unbedingt nach massiven übernatürlich Umtrieben, aber man konnte ja nie wissen. Immerhin waren Ethan, Irene und Bart hier. Und ich. Drei Jäger und ein… Privatdetektiv. Schriftsteller. Was auch immer.

Also beschlossen wir, uns das mal anzuschauen. Erstes Ziel war, wie so oft, der örtliche Sheriff. Unterwegs fiel mir auf, dass der Ort ganz schön heruntergekommen war. Nicht völlig verfallen, aber ungepflegt. Schlaglöcher in den Straßen, eine abgesperrte Kirche. Die Leute, die wir sahen, wirkten müde und abweisend. Nicht direkt feindselig, aber unfreundlich. Die mochten keine Fremden hier.
So auch auf der Polizeiwache. Zwei gelangweilte Männer, eine Frau, die desinteressiert ihre Fingernägel feilte. Der Sheriff, Colwyn Morgan, hätte aus dem Wikipedia-Artikel über ländliche Ordnungshüter stammen können: Weiß, übergewichtig, mit einem Schnauzbart. Immerhin war er etwas munterer als der Rest. Hatte nichts gegen Privatdetektive und gab bereitwillig Auskunft: Leider wusste er nicht viel mehr als Gwendolyn. Das Kohlebergwerk war die Lebensader der Stadt und lief eigentlich ziemlich gut. Viele Unfälle gab es da aber nicht.

Fein. Bevor wir zum Bergwerk fuhren, brauchten wir erst mal eine Unterkunft. Es war schon Abend, und ich wollte eigentlich nicht im Auto schlafen.
Oak Hill hatte nur ein einziges Hotel, das Horse & Arms. Sah altmodisch aus, war es auch, von einem ältlichen Ehepaar betrieben, den Vaughns. Die Wirtin war gleich ganz begeistert von Irenes Akzent – sie war ja vor Jahren schon mal in London gewesen, und überhaupt waren ihre Vorfahren alle Waliser. (Genau, weil sich Engländer und Waliser ja heiß und innig lieben.) Irene lächelte freundlich und ließ sie von der älteren Frau zu einer Tasse Tee einladen, während Mr. Vaughn uns unsere Zimmer zeigte. Die waren adäquat, aber nicht gerade modern. Immerhin gab es Betten… ich hätte mich nach der langen Fahrt gern hingelegt, aber das ging ja schlecht. Es waren ja Leute gestorben, und das war jetzt mein Problem. Wo kam diese Lone-Ranger-Mentalität eigentlich wieder her?

Von Mrs. Vaughn erfuhr Irene die Namen der Bergwerksbesitzer: Alun Baines und Jeremiah Cadwallader. Die Toten waren vage mit ihnen verwandt gewesen, aber eigentlich waren die meisten Leute in Oak Hill miteinander verwandt. Idyllisch.
Auf die Frage, warum die Einheimischen Fremden gegenüber so reserviert waren, erklärte uns Mr. Vaughn, nein, das wäre nicht so, Oak Hill wäre ein gastfreundlicher walisischer Ort. Gut, vielleicht machte sich jemand Sorgen, dass wir vom FBI wären, oder von einer Umweltbehörde, die das Bergwerk schließen wollte. Nein, das war noch nicht vorgekommen, aber man hörte ja so viel. Ja, im Moment gab es eine kleine Durststrecke, aber das werde man schon meistern.
Ethan fand die Paranoia des Hotelbesitzers verdächtig, aber mir kam das nicht so seltsam vor. Viel merkwürdiger fand ich ein gut gehendes, rentables Kohlebergwerk in Privatbesitz. Kohle war schon seit Jahren auf dem absteigenden Ast (zum Glück).

Nachdem wir unser Gepäck verstaut hatten, macht wir uns auf den Weg zum Bergwerk. Die Sonne stand schon ziemlich tief, als wir ankamen, also trennten wir uns: Irene und Ethan wollten sich das Gelände außerhalb des Werks anschauen, Bart und ich mit den Leuten hier über die Unfälle sprechen.
Wir hatten Glück: Mr. Cadwallader war noch da und bereit, mit uns zu reden. Von der jungen Angestellten aus der Verwaltung erfuhren wir vorher, dass Linda sehr korrekt war – unwahrscheinlich, dass sie aus Unachtsamkeit vor ein Auto gelaufen wäre.
Jeremiah Cadwallader war ebenfalls beunruhigt wegen der Toten – sie hielten sich doch hier immer an alle Sicherheitsbestimmungen, und dann so etwas. Das war nicht gut für das Bergwerk. Bart stellte ein paar Fragen nach dem Zugang zum Förderturm, Cadwallader bot an, ihn uns zu zeigen.
Um in den Turm zu kommen, musste man durch eine verschlossene Drahttür. Das Schloss war nicht sonderlich kompliziert, aber ich fand keine Spuren davon, dass sich hier jemand unerlaubt Zutritt verschafft hatte. Bin allerdings auch nicht Sherlock Holmes (nicht mal Magnum, P.I. Mein Lehrgang über Schlösser war schon eine Weile her. Könnte ich mal wieder auffrischen. Wenn ich mal Zeit habe. Klar, Jackson. Wolltest du nicht gerade eben noch Walisisch lernen?)

Schloss hin, Schloss her, David hatte Zugang zum Turm, Ennis hätte sich einen Schlüssel besorgen können und Linda hatte da nichts verloren. Cadwallader erlaubte uns, auf den Turm zu klettern, aber es gab keine Treppe, nur ein paar Drahtstreben. Puh. Selbst wenn ich völlig fit gewesen wäre, hätte ich das nicht unbedingt riskiert – man brauchte schon zwei Hände, um da hochzuklettern, und der Haken hält mein Gewicht zwar kurz. Gibt immer das Risiko, dass er anfängt, abzurutschen. Wollte ich nicht riskieren. Bart war ja auch dabei, der konnte das besser. (Hurra, ich hatte Leute zum Herumschicken. Kam mir komisch vor, war aber praktisch.)

Bart und Cadwallader klettern hoch und schauten sich um. Während sie oben waren, bekam ich eine SMS von Irene, ich sollte doch mal schauen, ob ich irgendwo einen Bericht mit aktuellen Ertragszahlen des Bergwerks finden konnte. Da ich jetzt eigentlich nicht das Büro der Geschäftsführung durchwühlen wollte, schrieb ich zurück, wir könnten uns ja mal die Quartalsberichte anschauen. Vielleicht standen die ja auf der Website des Unternehmens.

Als er mit Cadwalleder vom Turm zurückkam, nahm mich Bart kurz zur Seite. Er hatte oben auf einer der Zwischenplattform einen Knopf gefunden: Klein, schwarz, glänzend. Nicht von einem Arbeitsoverall, nicht mal von einem Anzug. Strickjacke vielleicht, oder eine Bluse.
Wir zeigten den Knopf Cadwallader, aber der konnte auch nicht sagen, wem der gehören könnte. Einem Arbeiter vermutlich eher nicht.

Später trafen wir Irene und Ethan wieder beim B&B. Die beiden hatten am Zaun um das Gelände ein langes, rotbraunes Haar gefunden. Sah menschlich aus. Vielleicht waren die Vorfälle ja ganz normale Morde – Irene hatte das schon ganz am Anfang gemutmaßt. Trotzdem. Irgendwas stimmte hier nicht.
Die Quartalszahlen des Bergwerks waren gut, verblüffend gut, wenn man die allgemeine Konjunktur für Kohle betrachtete. Nur in den letzten vier Wochen waren die Absatzzahlen zurückgegangen.

Schließlich gingen wir schlafen. Wurde eine kurze Nacht, weil wir am nächsten Morgen unbedingt die Frühschicht anschauen mussten, ob da jemand lange rotbraune Haare hatten. Das hätte ich nun ganz gern delegiert, weil ich wirklich unsagbar erschöpft war, aber das ging ja nicht. Ich war der Typ mit der Lizenz. (Außerdem, ganz ehrlich, wollte ich mir vor Irene keine Blöße geben. Blöd, was? Und Ethan sollte weiterhin denken, dass der Sonnentanz ja eigentlich ganz einfach gewesen wäre. Tja, und Bart. Reichte, dass ich nicht auf den Turm gekommen war.)

Morgens fiel uns niemand mit der richtigen Haarfarbe und -länge auf. Nur Alun Baines und ein junger Mann, der ihm relativ ähnlich sah. Kamen gemeinsam aufs Gelände. Vielleicht sein Sohn? Es war allerdings noch viel zu früh, um jetzt schon dort aufzutauchen, also gingen wir in den Pub, um ein walisisches Frühstück zu uns zu nehmen. Mit frittiertem Brot. Schmeckte erstaunlich gut.
Während wir aßen, fragte ich Irene nach walisischen Bergbaugeistern. Die kam doch aus Westengland und kannte sich mit übernatürlichem Kram aus. Allerdings offenbar nicht mit Bergwerken, denn sie zückte ihr Handy und rief Charles an. (Ich glaube, das ist ihr Butler; andererseits scheucht sie jeden so herum.) Der konnte nicht großartig weiterhelfen – er kannte die Knocker, die im Bergwerk auf Stützbalken klopften, um Bergleute zu warnen oder Stollen zum Einsturz zu bringen. Gut, von denen hatte ich auch schon gehört.
Kurz bevor wir wieder zum Bergwerk aufbrachen, rief Charles noch mal an. Über walisische Monster hatte er nichts gefunden, aber er hatte ein paar Fakten über das Bergwerk in Oak Hill aufgetan: Das war schon immer im Familienbesitz der Cadwalladers und der Baines‘ gewesen. Der älteste Sohn von J. Hopthorne Baines, einem der beiden Gründer, war im Alter von 21 Jahren ermordet worden, und seither starben die männlichen Baines ganz gern mal in diesem Alter. Erinnerte mich an Columbus in North Dakota. Und an die Thompsons in Maine. Bart musste offenbar auch daran denken, so grimmig, wie er dreinschaute.
Charles verlor noch ein paar missbilligende Worte über Irenes Essgewohnheiten, als sie von dem frittierten Brot erzählte. Definitiv ein Butler. Oder ihr Onkel. Mein Hirn malte mir das Bild eines steifen, sarkastischen Briten um die Sechzig mit Monokel und Meerschaumpfeife, aber ich glaube, mein Hirn war da nicht ganz auf der Höhe. Vermutlich war Charles in Wirklichkeit ein cooler Typ.

Wo war ich? Bei der Familie Baines. Ich erinnerte mich an den jungen Mann, der mit Alun Baines gekommen war. Fragte Gwendolyn, ob der Bergwerksbesitzer einen Sohn hatte. Ja, sagte sie. Gareth Baines. Vor fünf Wochen 21 Jahre alt geworden. Er arbeitete im Augenblick in der Minenverwaltung. War der Augenstern seiner Eltern, weil seiner Mutter Schwierigkeiten hatte, Kinder zu bekommen. Irene wollte wissen, ob Mrs. Baines vielleicht lange rotbraune Haare hatte? Gwendolyn nickte.

Das sah nicht sehr erfreulich aus. Ein erstaunlich gut gehendes Bergwerk, Söhne, die mit 21 starben – konnte ein Pakt sein. Vielleicht mordete die Mutter, um ihren einzigen Sohn zu retten?
Bevor wir Baines damit konfrontierten, sahen wir uns erst noch die kleine Ausstellung im Bergwerk an. Sahen ein paar Bilder der Bergwerksgründer, Dokumente, Kennzahlen, Fotos. Ein Stück Kohle in einer Glasvitrine. Ein Stammbaum. Gareth Baines war nicht nur der direkte Nachfahr von J. Hopthorne Baines, sondern auch des anderen Gründers, weil seine Mutter Theresa die Schwester von Jeremiah Cadwallader war.

Unser nächstes Ziel war Alun Baines. Aus seinem Büro drangen bereits erregte Stimmen, als wir uns näherten: Jeremiah Cadwallader und ein anderer Mann, vermutlich Baines. Cadwallader erklärte, es wäre jetzt schon fünf Wochen her, Baines entgegnete erregt, nein, er lasse sich nicht erpressen. Cadwallader sagte ärgerlich, er würde Baines noch eine Woche Zeit geben, dann würde er es selbst machen. Stürmte aus dem Büro und knallte die Tür hinter sich zu. Irene folgte ihm, fragte, worum es gegangen war. Er meinte, nur um irgendwelche Sicherheitsrichtlinien. Irene redete noch eine Weile mit ihm, schlug vor, externe Sicherheitsleute einzustellen. Die Leute hier würden doch sicherlich nichts tun, wenn die Frau des Chefs auf Gelände wollte? Er reagierte verärgert. Was denn seine Schwester damit zu tun hätte? Nichts, meinte Irene, war nur ein Beispiel. Er sagte, die interessiert sich überhaupt nicht für das Bergwerk.

In der Zwischenzeit sprachen wir mit Alun Baines. Zeigten ihm den Knopf. Fragten ihn, ob er einen älteren Bruder hatte, der mit 21 gestorben war. Sagten ihm schließlich auf den Kopf zu, dass sein Sohn in Gefahr war. Dass wir helfen konnten.
Er leugnete natürlich. Nicht lange, allerdings. Ich sagte ihm, dass wir sowas nicht zum ersten Mal sahen. Erzählte von Maine, von den verschwundenen Mädchen in jeder Generation. Ja, gab er zu, sein Vorfahr J. Hopthorne Baines hat einen Pakt mit… mit einem Wesen geschlossen, dass es dem Bergwerk immer gut geht, solange in jeder Generation der erstgeborene Sohn geopfert wird. Aber er wollte seinen Sohn nicht umbringen. Gut für ihn. Wir versprachen, ihm zu helfen.

Er rief seine Frau an und bat sie, zum Bergwerk zu kommen. Wir zeigten ihr Knopf und Haar und wollten wissen, was sie getan hatte. Nichts, sagte sie. Gar nichts. Klang für mich nicht sehr glaubwürdig. Dachte, ihre Verwirrung wäre gespielt. Ethan glaubte ihr, Irene nicht. Sagte zu ihr, Sie haben diese Leute ermordet. Aber Thereas Baines wusste von nichts davon. Als Linda überfahren wurde, hatte sie geschlafen… sie war doch müde, so müde… dann war da diese Delle in ihrem Auto…
Scheinbar war sie besessen gewesen, als sie die Morde beging. Bevor wir ins Archiv gingen, um nach J. Hopthornes Unterlagen zu suchen, wollte Bart noch prüfen, ob der Dämon immer noch in ihr steckte. Sie zögerte. Ich sagte ihm, er sollte das Weihwasser erst über meinen Arm gießen, und mir machte das auch nichts aus. Aber als er mit dem Fläschchen auf sie zuging, wurden ihre Augen schwarz.

BAM (Jetzt: Action!)

Theresa Baines war von einem Dämon besessen und versuchte, zu fliehen. Bart stimmte einen Exorzismus an, ich packte sie von hinten und hielt sie fest. Irene griff ihre Beine, Ethan nahm sich einen Golfschläger und keilte sie damit weiter ein. Kein sehr starker Dämon, wir hielten sie mühelos fest, während Bart den Exorzimus beendete. Theresa sackte schlaff zusammen.

…das war es dann erst mal wieder mit der Action. Es kommt aber noch mehr. Muss trotzdem noch ein paar Dinge dazwischen erzählen.
Irene erklärte den beiden Baines, wie man sich gegen Besessenheit schützen konnte. Zeigte ihr Brandmal, meinte aber, eine Tätowierung täte es auch. Zog noch eine Teufelsfalle um die beiden, zur Sicherheit.

Im Archiv fand Bart nach kurzer Suche das Tagebuch von Iouan Hopthorne Baines. Der hatte als braver Geschäftsmann akribisch über alles mögliche Buch geführt, darunter auch über den Pakt. Den hat er geschlossen, damit es dem Bergwerk gut ging – um ihn zu erfüllen, musste in jeder Generation der Erstgeborene geopfert werden, und ein Stück Kohle, das Hopthorne aus Wales mitgebracht hatte, musste im Bergwerk bleiben. Das war vermutlich das Exponat aus dem kleinen Museum.
Sollte der Pakt gebrochen werden, ging es mit dem Unternehmen bergab und der Dämon würde Rache üben. Gut, das mit dem Bergwerk war kein Problem – das war auch Baines egal – aber wir würden den Dämon davon abhalten müssen, Rache zu üben.

Bart schlug vor, zunächst den Pakt zu brechen: Kohle raustragen, und Alun musste dem Pakt dreimal abschwören. Danach den Dämon von der Kohle in ein anderes Gefäß bannen. Was für ein anderes Gefäß? Sollte ja etwas sein, was eine Weile vorhielt. Ethan schlug vor, da es ja eine Art Feuerdämon war, könnten wir ihn im Wasser bannen… in einen See oder so? Ich meinte, vielleicht wäre etwas Symbolisches besser. Ein Stein, der mit Wasser assoziiert ist? Ein Aquamarin, erklärte Bart. Das wäre gut. Den konnten wir dann in einem abgearbeiteten Stollen des Bergwerks verschütten.

Wir machten uns an die Vorbereitungen: Irene fuhr nach Columbus, um einen Stein zu besorgen. Fand einen faustgroßen Aquamarin, der früher in einer Kirche an einem Heiligenbild hing. Perfekt. Ethan fertigte eine Fassung für den Stein an. Ich koordinierte mich mit Bart, um den hebräischen Banntext ins Englische zu übertragen.
Schließlich waren wir bereit: Alun sagte sich von dem Pakt los, wir holten die Kohle und fuhren damit in die verfallene Kirche. Altar war noch da, das Kreuz nicht umgedreht, also sollten wir davon profitieren können. Okay, das Gemäuer war einsturzgefährdet, aber irgendwas ist ja immer.
Bart trug für das Ritual einen reinweißen Anzug, Ethan schleppte eine Plane mit einer Teufelsfalle an, und los ging es.

BAM
(noch mal)

Mitten im Ritual kam ein Wind auf, erst nur eine kleine Böe, die an den Brettern vor den Fenstern rüttelte, dann ein stärkerer Windstoß, der die abgeschlossene Tür aufsprengte. Direkt vor uns manifestierte sich eine wabernde Gestalt mit lodernden Augen, mehr als menschengroß. Ethan schoss mit seiner Schrotflinte danach, traf aber nicht richtig. Ich stellte mich vor Bart, um ihn abzuschirmen. Der Dämon schlug nach mir, ich wehrte den Schlag ab, aber er war so heiß, dass meine Jacke an der Stelle zu Asche zerfiel. Kein großer Schaden, nur eine Brandblase.
Ich weiß nicht, was Irene dann ritt – sie musste doch das Hitzewabern um den Dämon gesehen haben – aber sie sprang ihn an. Allerdings war der Dämon noch gar nicht vollständig manifestiert, oder er bestand nur aus Feuer, jedenfalls stürzte sie durch seine Gestalt hindurch und fing dabei Feuer. Fiel zu boden und wälzte sich, um die Flammen zu löschen. Immerhin hatte sie in einer Hinsicht Erfolg: Der Dämon wendete seinen Blick von Bart ab und starrte sie an. Grinste er? Vielleicht.
Bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, was ich tat, schlug ich mit dem Haken einmal quer durch den Dämon. Erklärte ihm, dass er viel zu schwach war, um mit uns fertig zu werden. Sein Blick ging von Irene zu mir, ich sah Wut und Hass in seinen brennenden Augen, und der verdammte Haken wurde heißer und immer heißer… Ethan schoss, traf aber nicht… der Dämon holte aus…

Bart beendete das Ritual mit einem lauten Ruf, und der Dämon schrumpfte rapide, raste auf den Aquamarin zu und wurde darin gefangen. Hoffentlich für die nächsten paar Jahrtausende.

Ethan rannte zu mir, schüttete mir Weihwasser über den Arm. Nett von ihm, half auch, aber ich schubste ihn weg, sagte ihm, er sollte sich um Irene kümmern. Macht er dann auch. Ich löste hastig die Riemen, die den Sockel am Arm hielten, riss den glühenden Haken irgendwie weg, natürlich zu spät, der Liner schmolz schon. Ich benutzte die Plane mit der Teufelsfalle, um mir die Polymerreste von der Haut zu schaben. War ungefähr so angenehm, wie es klingt.
Der nächstbeste Mediziner war der Betriebsarzt des Bergwerks, also fuhren wir dahin zurück. Bart verwahrte den Aquamarin, während Irene und ich versorgt wurden. Brandsalbe, die letzten Fetzen des Liners vom Stumpf entfernt, in der nächsten Zeit keine Prothese aufziehen. Hatte ich mir schon gedacht, und der Haken war ohnehin geschmolzen.

Ethan und Bart gingen los, um den Aquamarin im Bergwerk zu verschütten. Oder einzubetonieren. Oder beides. Das habe ich nur am Rand mitbekommen. Weder Irene noch ich hatten große Lust, mitzugehen. Statt dessen saßen wir auf der Veranda des B&B, tranken kalte Getränke und flachsten über Gletscher, Champagnerkühler und Marshmallows. Ziemlich freundschaftlich. Lag vermutlich an den Schmerzmitteln.

Nachdem der Aquamarin bestmöglich versorgt war, fuhr mich Ethan nach Columbus. Unterwegs merkte ich so langsam, wie fertig ich eigentlich war – kaputt vom Sonnentanz, dann noch die Brandwunden am Arm… ich hätte ihn fast gebeten, mich wieder heimzufahren. Habe ich natürlich nicht gemacht. Hatte den Flug ja schon gebucht. Unterwegs nach Little Rock hatte ich eine kurze Panikattacke, die mir einen Besuch beim Flughafendoc bescherte. Der erklärte mir sehr freundlich, ich möge mich bitteschön ausruhen gehen. Keine Sorge, sagte ich, habe ich vor.

Und jetzt bin ich ausgeschlafen und kann endlich das Wörterbuch einscannen, bzw. Artie zeigen, wie das geht. Der ist viel geschickter als ich. Danach schicke ich das Resultat an Professor Williams von der School of Welsh an der University of Cardiff und bitte ihn, jemanden zu suchen, der mir den walisischen Part übersetzt. Und hoffe, dass ich mal ein bisschen Zeit habe, um mich zu erholen.

…meinen Roman sollte ich eigentlich auch mal fertigschreiben. Die Deadline im September rückt immer näher, und Beth, die dumme Nuss, ist immer noch nicht tot.

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Timberwere

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