Mädchenkram - Supernatural

Deal with the devil

... denn nichts ist, wie es scheint

Anxious and barely breathing
Watching my life turn
Inside out, inside out
Nervous, my hands were shaking
Everything was slowly fading
Away, but I’ll be okay
(Our last night: Scared of change)

Im Nachhinein konnte Niels nicht sagen, warum er überhaupt hierhin gefahren war. Sicher, es war Montana, der Ort, wo er eigentlich hinwollte, und der Aushang hatte vielversprechend geklungen. Aber wenn er gewusst hätte, was ihn erwartet, hätte er einen großen Bogen um das Casino gemacht.

Du willst mit dem Teufel pokern? Dann komm ins Charging Horse Casino in Lame Deer, Montana. Hier kannst du mit dem Teufel pokern, und man sagt, wenn du gewinnst, erfüllt er dir einen Wunsch. Aber wenn du verlierst…

Eigentlich ein dummer Spruch, fand Niels, aber irgend etwas hatte seine Neugier geweckt, und da er noch ein paar Tage Zeit hatte, beschloß er, dem Casino einen Besuch abzustatten. Es galt, die Menschheit vor weiteren Dummheiten zu bewahren wie Joe sie gemacht hatte.

Es waren nur drei Tage, Heckler.
Aber drei Tage, die ich nie vergessen werde.

Das Charging Horse in Lame Deer, Montana war eines der typischen Indianer-Casinos, die Niels aus Hochglanzprospekten an den Raststätten kannte. Es befand sich zwar noch im Aufbau, aber es versprach sichere Gewinne und Unterhaltung, und Getränke zu moderaten Preisen. Neu war in diesem Fall das Versprechen, dass man mit dem Teufel pokern konnte.

Niels parkte Felicitys Kombi auf dem Besucherparkplatz und ging zur Tür. Obwohl es nicht gerade kalt war, hatte er beschlossen, einen Longsleeve zu tragen. Er wusste nicht, ob es in den Casinos einen Dresscode bezüglich Tätowierungen gab, aber er hatte auch nicht vor, es herauszufinden. Die Piercings liess er, wo sie waren, wenn es irgendwen störte, dann hatte er halt Pech gehabt. Außerdem musste er ja niemandem seine Zunge zeigen.

Die Luger gab er am Eingang ab, nach seinem Erlebnis mit Agent Saitou wollte er sich nicht noch einmal die Blöße geben und eine unlizensierte Waffe ziehen. Er hatte eine rechte und eine linke Faust, und ihm war beigebracht worden, auch damit zu kämpfen. Neben ihm stand ein Typ mit Cowboyhut und einer hellen Jacke, das ganze Outfit schien zu schreien “Ich bin ein wirklich echter Cowboy, und nachher schaue ich mir eine Folge “Unsere kleine Farm” an.”

Er erhielt jedoch keine Gelegenheit, sich weiter mit dem Freizeit-Cowboy zu beschäftigen, denn hinter ihm schrie auf einmal eine Frau auf. Ein Riemen ihrer Handtasche war gerissen, und nun kullerte der Inhalt der Tasche munter über den Teppichboden.

Der Cowboy half ihr, ihre Sachen wieder aufzuheben, was sie mit einem wohlwollenden Lächeln in seine Richtung quittierte. Niels, der ihr den Lippenstift zurückgab, betrachtete sie weitaus misstrauischer, aber das war er gewohnt. Außerhalb von Siedlungen mit mehr als 10.000 Einwohnern war er einfach ein Alien. Unsicher zog er den rechten Ärmel noch weiter herunter, weil er Angst hatte, dass der Sleeve doch zu sehen war.

Das geht ja schon ganz wunderbar los. Warum bist du nochmal hergekommen, Heckler?

Nachdenklich ging Niels ins Innere des Casinos. Das Gebäude schien sich noch im Umbau zu befinden, das gesamte Spiel-Areal war eine große Halle, in der sich eine Bar, die Slotmachines und der Zugang zu einem abgetrennten Bereich befanden. Vor diesem Bereich hing ein großes Plakat mit dem Gesicht eines jungen Mannes und der Aufschrift “High Stakes Poker gegen den Pokerteufel Nick Morrissey”. Niels wusste nicht genau, was High Stakes Poker war, er konnte leidlich Schafkopf spielen, aber er war sich sicher, dass es etwas war, wozu ein tätowierter und gepiercter Kunststudent unter Umständen keinen Zugang hatte.

Glücksspiel, Aaron, ist des Teufels und öffnet Dämonen Tür und Tor. Lass die Finger davon, oder ich werde sie dir eigenhändig brechen.

Er bemerkte auch einen großen breitschultrigen Indianer, der dunkle Kleidung trug und sich immer wieder umsah, vermutlich der Sicherheitschef. Niemand, mit dem er sich auch nur ansatzweise anlegen wollte. Er sah sich weiter um im Raum, außer ihm und dem Freizeit-Cowboy, der jetzt an einer Slot-Machine saß, fielen ihm noch ein Mädchen mit dunklen Rastazöpfen auf und ein dunkelhaariger Mann Mitte 30.

Plötzlich klirrte etwas, und eine weibliche Stimme rief: “Oh nein, das tut mir so leid!” Neben einer Slot-Machine breitete sich eine Pfütze aus, und der Typ, der bis jetzt an dem Gerät gesessen hatte, beschwerte sich lautstark darüber, dass man etwas nach ihm geworfen hatte. Niels stutzte. Das Mädchen an der Bar sah ehrlich besorgt aus, und warum hätte sie etwas nach dem Mann an der Slot-Machine werfen sollen? Der Sicherheitsmann schritt ein und redete beruhigend auf den Typen ein, der sich offensichtlich mit der Erklärung, dass alles ein Versehen gewesen war, zufrieden gab.

Niels schlenderte zur Bar – er hatte sowieso Durst, und vielleicht konnte er mit der jungen Frau reden. Er wusste zwar nicht, ob er gut darin war, mit Frauen zu flirten, aber vielleicht konnte er trotzdem etwas erfahren. Felicity behauptete immer, er habe ein gewinnendes Lächeln, aber da sie das gleiche Lächeln hatte, wäre sie auch dumm, etwas anderes zu behaupten.

“Hi,” sagte er und versuchte es mit dem Lächeln. “Hi. Was möchten Sie trinken?” fragte sein Gegenüber dienstbeflissen. Niels überlegte. Amerikanischer Alkohol war ihm immer noch nicht geheuer, was man hier Bier nannte, beleidigte seine Gene, und Bourbon weckte gerade unschöne Erinnerungen. Er bestellte trotzdem ein Glas, er wollte ja mit der Barkeeperin ins Gespräch kommen. “Alles ok?” fragte er dann, aber entweder hatte er das mit dem Lächeln doch nicht so gut hinbekommen, oder die junge Frau war von seinem Akzent abgeschreckt worden.

Aus den Augenwinkeln beobachtete Niels, wie sich ein Mitarbeiter des Reinigungspersonals daran machte, die Scherben aufzusammeln, dann über seinen Eimer stolperte und sich mit der Hand so abstützte, dass er in eine Scherbe griff. Als der Mann aufstand, um seine Wunde zu versorgen, fiel er über seinen Besen. Irgendwie wirkte die ganze Szene wie aus einem Slapstick-Film, aber Niels war nicht zum Lachen. Ihn irritierte der dunkelhaarige Mann, den er vorhin schon gesehen hatte. Wie ein Detektiv suchte er die Maschine ab, vielleicht suchte er nach einem versteckten Mechanismus oder ähnlichem.

Der Freizeitcowboy unterhielt sich währenddessen leise mit einer Mitarbeiterin des Casinos, sein Blick ging immer wieder in Richtung Bar, doch Niels konnte nicht verstehen, um was es in dem Gespräch ging.

Niels wandte sich wieder der Bar zu und bemerkte, dass das Mädchen mit den Rastazöpfen jetzt in seiner Nähe stand. Sie sah sich aufmerksam um, hinter ihrer großen schwarzen Brille schien es heftig zu arbeiten, und sie wirkte sehr konzentriert, während sie ein sehr rosafarbenes Getränk durch einen Strohhalm trank. Wie er schien sie die Leute zu beobachten, und als er ihrem Blick folgte, merkte er, dass hier überall kleinere Unfälle passierten: Der Putzmann war über seinen Eimer gestolpert, die Frau mit der Handtasche, irgendwo hörte er ein “Oh, wie ungeschickt von mir,” als eine Frau stolperte und gegen einen anderen Mann stieß, der seinen Drink verschüttete. An einer der Slot-Machines saß ein älterer dicker Mann, der sich massiv darüber aufregte, dass er wieder nur wenig Geld gewonnen hatte, und während Niels darüber nachdachte, fiel ihm auf, dass die unerträglichen Fieps-Geräusche, die hier in Montana die gleichen zu sein schienen wie in einer Münchner Eckkneipe, sehr rar gesät waren.

“…aber die Ältesten sagen, dass die Geister nicht gegen den Anbau waren,” hörte er nun die Bedienung zu dem Cowboy sagen. Niels hörte auf. War das hier heiliger Boden gewesen? Er spürte, wie die kurzen Worte seine Jägerinstinkte anspringen liessen, seine Nackenhaare stellten sich auf. Er nahm sein Glas und wollte sich unauffällig dazustellen, doch anscheinend hatte er lange nicht mehr schleichen müssen, die Kellnerin erschrak und zuckte kurz zusammen.

Das mit der Subtilität hat auch schon mal besser geklappt, Heckler. Du bist aus der Übung.

Doch bevor Niels irgendetwas sagen konnte, kam auch das Mädchen mit den Rasta-Zöpfen dazu. “Hier passieren schon einige komische Dinge,” meinte sie, während sie mit einem schlürfenden Geräusch einen tiefen Schluck aus ihrem rosa Drink nahm. Niels nickte. “Ist mir auch aufgefallen,” meinte er. Das Mädchen wirkte durchaus sympathisch, und er freute sich über jemanden in seinem Alter in diesem merkwürdigen Casino. “Vielleicht liegt hier was in der Luft,” meinte das Mädchen jetzt und lächelte. “Das kann schon sein,” mischte sich der dunkelhaarige Mann ein und gesellte sich zu den beiden jungen Leuten. Niels musterte ihn eingehend. Wie er bereits geschätzt hatte, war der Mann um die 30, seine Kleidung war unauffällig bis langweilig. Was Niels jedoch auffiel, war der Ausdruck in seinen Augen und ein harter Zug um den Mund.

Die Gruppe bewegte sich jetzt zurück an die Bar, weil Natalie ihren Drink ausgetrunken hatte. Niels betrachtete nachdenklich das immer noch fast volle Glas in seiner Hand. Irgendwie war ihm die Lust auf Bourbon wieder vergangen, und so kippte er den Inhalt einfach in eine große Zimmerpalme, die im Raum stand. Er glaubte, ein leises “Banause” zu hören, aber das war ihm egal. Er würde nie ein großer Freund des Alkohols werden – Bier gehörte für ihn zu den Lebensmitteln – schließlich vernebelte einem das Zeug die Sinne, und die brauchte er.

Angst, wieder die Kontrolle zu verlieren, Heckler? Dein Herz wieder an jemanden zu hängen und wieder enttäuscht zu werden?

“Ich heiße übrigens Natalie,” sagte das Mädchen mit den Rastazöpfen jetzt lächelnd und holte Niels so aus seinen Gedanken. “Bartolomäus Blackwood,” antwortete der dunkelhaarige Mann, und Niels schloß sich an: “Niels Heckler.” Bei der Nennung seines Nachnamens horchte Mr Blackwood auf, und Niels stellte sich bereits auf die übliche Frage: “Heckler? Wie die deutsche Waffenfirma?” ein. Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen fragte Blackwood ihn: “Heckler? Wie die Hecklers aus dem bayrischen Wald?” Niels war erstaunt. Bisher hatte ihn noch niemand auf seine Verwandtschaft angesprochen. Er spürte, wie die bloße Erwähnung seiner Familie seine Anspannung erhöhte.

Du bist ein Heckler, Aaron. Mein Fleisch und Blut. Du bist ein Jäger, ein Geweihter Gottes, du gehörst dem Herrn. Nichts wird das jemals ändern, auch nicht dein widernatürliches Verhalten.

“Ja, da gehöre ich dazu,” antwortete Niels. “Leider,” setzte er dann dazu, weil er keine Lust hatte, seine Verwandschaft mit Gustav auszubreiten.

In diesem Moment öffnete sich die Tür des Casinos, und ein Mann und eine Frau kamen herein. Jede einzelne ihrer Gesten sagte Niels, dass die beiden auf Ärger aus waren. Der Mann war jung, etwa um die 30, und trug nur ein graues Shirt und Jeans. Er sah sich herausfordernd im Raum um, und Niels fiel auf, dass Blackwood versuchte, sich hinter ihm zu verstecken, als er den Mann gesehen hatte.
Die Frau war etwas jünger, sie trug ein Holzfällerhemd wie eine Jacke zu einer verschlissenen kurzen Jeans, ihre dunkelblonden Haare waren lose am Hinterkopf zu einer Art Dutt zusammengefasst.
Beide machten jedoch nicht Halt an der Bar, wie Blackwood es zu befürchten schien, sondern gingen zielstrebig auf den Pokerbereich zu. Dort stand auch der Freizeit-Cowboy und unterhielt sich mit einem der Mitarbeiter. Als der junge Mann und seine Freundin eintreten wollten, hielt sie jedoch der Sicherheitschef zurück und bedeutete ihnen, dass sie sich erst angemessen kleiden sollten, bevor sie in den abgeschlossenen Bereich durften. Mit einem Seitenblick auf den Cowboy machten sie ihrem Unmut Luft. Der Sicherheitschef zog etwas aus seiner Brusttasche und bedeutete den beiden dann, sich in Richtung Bar zu begeben. Offensichtlich sollten sie Freigetränke bekommen, um sie ein wenig zu beruhigen und ihre Aufmerksamkeit anderen Dingen zuzuwenden.

“Kennen Sie die zwei?” wollte Niels von Blackwood wissen. Der nickte. “Die.. Dame ist Bobbi Dee Hickman, von den Hickmans – kennen Sie vielleicht.” Niels schüttelte den Kopf. Von den Hickmans hatte er noch nie gehört, er konnte sich auch nicht daran erinnern, dass Felicity sie mal erwähnt hatte.

“Und ihr Begleiter nennt sich Stinger. Eher so der… unsubtile Typ. Hantiert gerne mit Sprengstoff und so,” fuhr Blackwood fort. Natalie sah auf. “Ist er ein Terrorist oder so etwas?” Sie war mit ihrem Smartphone beschäftigt gewesen und schien etwas zu suchen, doch jetzt war sie wieder bereit, ins Gespräch einzusteigen.

“Und du kommst also aus Deutschland?” wollte sie jetzt von Niels wissen, der froh war, dass das Gespräch von Jägerfamilien wieder in Gefilde wanderte, über die er gerne sprechen wollte. “Ich bin zum Studium hier,” antwortete er. Natalie sah ihn neugierig an. “Wie ist es denn so in Deutschland?” fragte sie, während sie wieder ein sehr rosanes Getränk durch einen Strohhalm trank. “Was möchtest du wissen?” Niels war sich bewusst, dass er Blackwood nun ein wenig aus dem Gespräch ausschloß, aber er wollte nicht über seine Familie reden. Das war sein wunder Punkt, und im Moment war er nicht bereit, einen Fremden darüber ins Bild zu setzen, wie hinterwäldlerisch Gustav und seine älteren Söhne waren.

Ist es zuviel verlangt, dass du dich benimmst wie ein richtiger Mann? Wie ein richtiger Jäger? Wie ein guter Katholik? Wie mein Sohn?

“Ich war noch in Europa,” meinte Natalie, und in ihren Worten schwang echte Bewunderung und Neugier mit. Ihre offene Art und ihr Interesse gefielen Niels. “Das ist schon cool da, du solltest mal München ansehen,” erklärte er ihr mit einem Lächeln, um seine Unsicherheit zu überspielen. Mit einem Seitenblick auf ihr rosafarbenes Getränk setzte er hinzu: “Und da trinkst du bestimmt auch gerne Bier.” Sie stellte das Glas auf die Theke, um ihr Telefon wieder aus der Tasche zu holen, als sich das Glas plötzlich wie von Geisterhand erhob und der Inhalt über dem Mädchen ausgeleert wurde. Niels machte einen Schritt zurück, damit nicht der Eindruck entstand, er sei Schuld an der Sache, doch niemand schien ihn zu verdächtigen, im Gegenteil, Blackwood reichte ihr ein Taschentuch, was Niels dann auch tat, als er sich wieder an seine Manieren erinnerte.

“Wer war das?” wollte Natalie wissen, nachdem sie sich von dem ersten Schreck erholt hatte, aber niemand hatte etwas gesehen. Kopfschüttelnd ging sie in Richtung Toiletten davon, und aus dem Augenwinkel nahm Niels noch wahr, dass Bobbi Dee Hickmann ihr folgte.

Er wandte sich an Blackwood, der etwas näher gekommen war. “Mr Blackwood, hier stimmt doch was nicht.” Der Ältere nickte. “Und der Verrückte da” – er nickte in Richtung Stinger – “macht es nicht besser.” Niels sah in Richtung des Cowboys. “Der Typ da kommt mir aber auch nicht ganz geheuer vor.” Bart nickte. “Ja, scheint ein komischer Kauz zu sein.”

Schließlich kam Natalie zurück von der Toilette. Sie hatte sich wieder zurecht gemacht, wirkte aber immer noch angespannt. Leise fragte sie, ob einer der beiden Männer schonmal die Bekanntschaft der jungen Frau im Karohemd – Bobbi Dee Hickman – gemacht hatten. Niels schüttelte den Kopf, aber Bart nickte. “Persönlich kenne ich sie auch nicht. Aber ich kenne die Familie. Ist wohl recht.. abergläubisch.” Seine Formulierung klang vorsichtig, und Niels verzog das Gesicht. “Das klingt.. toll,” meinte er nur, aber weder Bart noch Natalie gingen auf ihn ein. “Was sind das für Leute? Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die gefährlich,” fragte Natalie weiter. Niels seufzte. “Wie weit bist du mit dem Übersinnlichen vertraut?” wollte er von Natalie wissen. Natalie sah ihn an, sagte aber nichts. “Weisst du, was über die Menschen die mit sich sowas beschäftigen?” fragte er dann weiter.

Aaron, du darfst niemandem verraten, was wir hier tun. Die meisten Menschen werden es nicht verstehen und es uns nicht danken. Wir sind Auserwählte des Herrn, Seine Werkzeuge. Das ist nichts, was jeder arme Wicht auf der Straße begreift.

Natalie lächelte jetzt. “Ich habe neulich einen Geist gesehen. Den eines Schauspielers, auf einer Gala.” Niels zog jetzt die Bibel aus der Hosentasche, die über und über mit Notizen bedeckt war und in der jede Menge Zettel mit Aufzeichnungen vergangener Heckler-Generationen steckte. “Wir.. ich… ich bin so ein Mensch. Da steht das alles drin, und..” Jetzt bemerkte er Bart Blackwoods Blick, der ihm sagen zu wollen schien Jetzt verrate ihr endlich, dass du ein Jäger bist!

Doch Niels war stets eingetrichtert worden, dass er niemandem sagen durfte, was er war. Sein Vater, und auch sein Bruder Joseph hatten ihm das mehr als einmal sehr deutlich gemacht, Spuren davon fanden sich immer noch an seinem Körper. “Aber ich kann doch nicht.. Ich.. ich bin ein Jäger.” Felicity hätte ihm das ruhig mal verraten können, dass es offensichtlich wesentlich normaler war in Amerika als in der Enge des kleinen bayrischen Dorfs, dass sich Jäger an der Theke eines Casinos trafen und offen über ihre Profession sprachen.

“Welcome to America,” meinte Bart Blackwood nur mit einem ironischen Ton in der Stimme, doch der reichte, um Niels wieder in die Hände seines Vaters zu versetzen, der dem neun Jahre alten Jungen einschärfte, dass er nun eine Waffe bekommen würde und niemals erzählen durfte, was er damit tat. “Wir sind Jäger, Aaron, wir verraten niemandem, was wir sind und was wir machen,” entfuhr es ihm, und Natalies verständnisloser Blick verriet ihm, dass er seinen Vater soeben auf Deutsch zitiert hatte.

Missmutig schob er das Zungenpiercing nach vorne und begann, darauf herumzukauen. Er wollte hier weg, weg von Bart Blackwood, der ihn offenbar für einen hinterwäldlerischen Anfänger hielt, weg aus diesem seltsamen Casino und weg von diesem seltsamen Cowboy, der ihn nervös machte.

Aber bevor er sich aufmachen konnte zum Eingang, um die Luger aus dem Tresor zu holen und weiterzufahren, zogen Natalie und Bart ihn mit in Richtung Pokerbereich. Irgendwie waren beide der Meinung, dass sie nun dort hineinmussten, um weitere Nachforschungen über die seltsamen Vorkommnisse anzustellen. Niels’ Protest, dass er nichts passendes zum Anziehen hatte – und von seinen Piercings würde er sich nicht trennen, das war ihm klar – taten die beiden ab. Bart hatte ungefähr seine Größe und wollte ihm auch einen Anzug leihen.

Anzug tragen. Niels hasste Anzüge. Sein Vater hatte ihn jeden Sonntag in einen Anzug gezwungen und ihn so zum Gespött seiner Klassenkameraden gemacht.

Aber Bart Blackwood war nicht sein Vater. Bart Blackwood war ein Typ, der mit einem riesigen Wohnwagen durch Amerika zog, in dem er eine Bibliothek spazierenfuhr. Trotzdem war es Niels lieber, sich zum Umziehen in den Kombi zu verziehen. Er wollte keine Fragen über seinen Rücken beantworten müssen, und bei seinem Glück heute kam es da sicher zu.

Vielleicht färbt dieses verdammte Casino auf mich ab.

Sie gingen zu dritt wieder ins Casino, und Niels bemerkte, dass die Leute ihn jetzt ganz anders wahrnehmen – trotz der Vans, die er immer noch zum Anzug trug, aber die waren immerhin schwarz. Aber er fühlte sich unwohl, das Hemd drückte am Hals, die Jacke kneifte. Vielleicht war das der Grund, warum er sich plötzlich wie Natalie mit einem rosanen Getränk in der Hand wiederfand.

Ja großartig, Heckler, willst du jetzt auch noch ein wandelndes Schwulenklischee werden?

Immerhin hatte er jetzt Gelegenheit, den Freizeit-Cowboy zu beobachten. Er stellte sich hinter ihn und sah ihm zu, wie er Karten annahm und ausgab und dabei sehr wichtig guckte. Offensichtlich hatte er es nicht besonders subtil angestellt, denn der Mann bemerkte ihn und lud ihn ein, mitzuspielen. Niels spürte, wie er rot wurde. “Nicht mein Ding,” stammelte er schnell und nahm einen Schluck von der rosa Plörre. “Ach, das ist ganz einfach,” erklärte der Cowboy grinsend. Das war wenig hilfreich, aber Niels fing sich wieder, offenbar war in dem rosa Getränk nicht nur viel Rosa, sondern auch viel Alkohol. “Ich gucke zu, wenn ich darf,” sagte er. “Das machen Sie ja schon eine ganze Weile,” bemerkte der Cowboy grinsend, und Niels hatte das Gefühl, dass er jetzt aussehen musste, als würde er glühen. “War nur ein Angebot.”

Nach einer Weile erhob sich der “Pokerteufel”, der so überhaupt nicht teuflisch aussah, wie Niels fand, und ging mit einer sehr blonden jungen Frau an die Bar. Auch der Cowboy hörte jetzt auf zu spielen. “Und, haben Sie was gelernt?” wollte er von Niels wissen. Verdammt, warum sah dieser Kerl ihn so an? Ihm wurde ein wenig anders. Er schüttelte den Kopf. “Können Sie.. können Sie es mir nochmal erklären?” fragte er. Der Cowboy grinste wieder. “Drüben an der Bar?”

Niels sah aus den Augenwinkeln noch, wie Natalie wieder etwas auf ihrem Handy tippte, Bart war an einem der Roulettetische verschwunden. Er folgte dem Mann, der sich nun als “Hank Williams” vorstellte, an die Bar, wo man ihm sofort einen Bourbon in die Hand drückte. Niels wollte ablehnen, aber der bohrende Blick aus den braunen Augen liess keine Widerrede zu. Kaum war das Glas leer, stand ein neues da, und während Hank vom Pokern redete, merkte Niels, dass er sich seltsam leicht fühlte.

Herzlichen Glückwunsch, Heckler, du bist betrunken.

“Und was war das vorhin mit den Jägern?” fragte Hank jetzt. Niels erstarrte und fühlte sich gleich wieder um drei Gläser nüchterner. “Bitte?” Er spürte, wie er sich verkrampfte, als seine Gefühle Achterbahn fuhren. “Oh mein Gott, und ich dachte, Sie füllen mich ab, um mich ins Bett zu kriegen.”

Ok, jetzt hast du dich endgültig zum Trottel gemacht, Heckler.

Zu Niels’ Unmut fing Hank jetzt an zu lachen. “Hey, ich bin doch aus dem gleichen Grund hier, ich dachte halt, dass ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann.”
Niels spürte, wie Wut in ihm aufstieg, dass er sich so hatte überrumpeln lassen. “Ich beobachte dich schon eine ganze Weile. Vorhin hattest du noch andere Klamotten an, aber benommen wie eine Maus auf Ecstasy hast du dich da auch schon. Subtil ist anders.”

Was fiel diesem Typen eigentlich ein? Niels ballte die Hand zur Faust. “Alter!” entfuhr es ihm, “ich mach die Scheiße doch schon seit zwölf Jahren.” Plötzlich hatte er das Gefühl, dass es um seine Ehre ging, er war ein Heckler, vielleicht das schwarze Schaf der Familie, aber ein Heckler, ein Jäger, ein Schütze und ein verdammt guter dazu. Und jetzt saß ihm hier dieser Möchtegern-Cowboy gegenüber und erklärte ihm süffisant der Reihe nach, was er an diesem Abend alles falsch gemacht hatte.

Seine Einlassung schien Hank wenig zu beeindrucken, er zog lediglich eine Augenbraue hoch und machte nur “Aha.” “Auch wenn ich vielleicht die meiste Zeit für meine Brüder den Köder spielen durfte.” Warum sagte er ihm das? Er hatte bereits getötet, nicht viel, seine Brüder waren eben älter und erfahrener, und er war sich sicher, dass jemand wie Hank Williams keine Ahnung hatte, was das für ein Gefühl war, wenn ein Werwolf einen packte, weil der ältere Bruder erst noch die Bibelsprüche zu Ende sprechen musste.

“Das passt schon eher,” erklärte Hank mit einem spöttischen Lächeln, und in diesem Moment sah Niels rot. In einer schnellen Aufwärtsbewegung verpasste er Hank Williams einen Kinnhaken.

Soviel dazu, dass ich nichts kann.

Noch während der Möchtegern-Cowboy sich verwundert das Kinn rieb, weil Niels’ Schlag doch härter gewesen war, als er angenommen hatte, kamen zwei Männer von der Sicherheit und legten Niels ihre Hände auf die Schulter. Das war es dann wohl, er hatte den Bogen ordentlich überspannt. Doch Hank hielt die beiden Männer zurück. Was wollte er denn noch?

“Entschuldigen Sie, meine Herren, das hier war nur eine etwas… ausgeartete verbale Diskussion,” erklärte er. Aha, so nannte man das also hier. Niels sah die beiden Wachleute an, und dann zu Hank. Aber der schien es tatsächlich ernst zu meinen, sein Lächeln wirkte jetzt aufrichtig. Die Wachleute zuckten nur mit den Schultern und liessen Niels wieder los, der sich völlig verdattert wieder auf den Barhocker setzte.

“Sorry, Mann. Ich bin.. emotional wohl etwas angeschlagen. Hab eine schwere Zeit hinter mir. Aber mein Vater hat eben schon darauf geachtet, dass meine Rechte und meine Linke trainiert sind.” Nachdenklich sah er auf seine Hände. Lange, schmale Hände, aber dennoch die Hände eines Mannes. “Da nicht für. Ich hatte heute abend einfach einen guten Lauf und habe das vielleicht etwas zu sehr raushängen lassen. Sorry.” Niels lächelte vorsichtig. “Schon ok.”
“Du betonst deine Familie aber schon sehr,” wechselte Hank nun das Thema. Ach, das hatte er auch noch mitbekommen? Niels hatte den Eindruck, dass nicht er Hank Williams verfolgt hatte, sondern der ihn. “Und nein, ich habe keine derartigen Absichten,” setzte der Cowboy nach, und Niels verstand. Das wäre auch zuviel des Guten gewesen, auch wenn Hank durchaus sein Typ war.
Niels seufzte. “Ich hab meine Familie halt immer dabei,” meinte er, dann drehte er sich auf dem Barhocker um und hob Anzugjacke und Hemd an, so weit, dass er sicher sein konnte, dass nicht wieder Security kam und ihn diesmal wegen Exhibitionismus hinauswarf, aber so, dass Hank das “Abschiedsgeschenk” von Joseph und Gustav an ihn sehen konnte. Die Narben begannen nicht weit über dem Gürtelbund, das wusste er, und so tief war er mit den Tätowierungen noch nicht gekommen. Als er sich wieder umdrehte, lächelte Hank nicht mehr, aber Niels konnte nicht sagen, was in dem Älteren vor sich ging.
“Oh.. verstehe. Also die Sorte Familie, die immer besser weiß, was gut für einen ist?” fragte er. Niels schüttelte den Kopf. “Die Sorte Familie, die denkt, dass Schwulsein eine Krankheit ist.” Die man mit Beten und Schlägen heilen kann. Doch Hank verstand ihn auch ohne den Zusatz. “Streng religiös?” fragte er, und Niels glaubte, einen Hauch Mitgefühl in seiner Stimme zu hören. Er schnaubte. “Erzkatholisch. Mein Alter sagt, es gibt kein Gesetz für ihn außer Gott.” Und dieses Gesetz hatte für seine Kinder genauso gegolten. Er biß sich auf die Lippe, als er merkte, dass gerade wieder eine ganze Menge an die Oberfläche gespült wurde, und er würde sich nicht auch noch die Blöße geben und anfangen zu weinen. “Manchmal habe ich das Gefühl, ich kann gar nicht weit genug vor ihnen weglaufen.” Hank nickte. “So hat jeder sein Päckchen zu tragen. Aber sag mal.. dein Akzent.. bist du aus Deutschland oder was ist das?” wechselte er jetzt das Thema, und Niels war ihm unendlich dankbar dafür. “Deutschland. Bayern. Bei euch würde man sagen, meine Leute sind Hillbillys.” Er grinste schief. “Ich klinge wie ein Hollywood-Nazi, oder?” Hank grinste jetzt wieder. “Verstehe. Na, mit den ganzen Tätowierungen hast du eher Stadtcharakter.” Niels zog sich verschämt den Ärmel des Hemds über die Hände, aber dann bemerkte er, dass der weisse Stoff nicht unbedingt alles versteckte, was seine Arme bedeckte. “Und ja, so ein bißchen Nazi-Akzent schwingt schon mit.”

Langsam entspannte Niels sich wieder und so liessen sie den Abend ausklingen. Am nächsten Tag stand das große Pokerturnier an, und Bart und Hank wollten beide daran teilnehmen. Niels schrieb Coco noch eine SMS, dass er plante, am nächsten Tag in Billings zu sein, dann ging er schlafen.

Das Pokerturnier zog einige Aufmerksamkeit auf sich, und so war es kein Wunder, dass das Charging Horse am nächsten Abend noch voller war. Neben dem “Pokerteufel” nahmen noch ein redseliger Schwarzer daran teil – Niels fühlte sich spontan den Freund seiner Cousine erinnert -, ein junger Mann, eine überaus nervös wirkende Frau, ein Italiener, sich sehr gelassen gab, und eben Hank und Bart.

Hank bedeutete Niels, die Frau im Auge zu behalten, während er selbst am Pokertisch Platz nahm. Die Frau kam Niels sehr angespannt vor, sie sah ständig zum Ausgang und wirkte fahrig und abwesend. So war es auch kein Wunder, dass sie nach kurzer Zeit aus der Runde flog. Sie wurde wütend und begann, zu zetern, bis das Sicherheitspersonal sie höflich, aber bestimmt vor die Tür komplimentierte.

Mit einem Blick gab Hank Niels zu verstehen, dass er weiter aufmerksam sein sollte, denn anscheinend vertraute er der Dame auch nicht.

Wie sich herausstellte, zu Recht, denn die Frau stand jetzt im Eingangsbereich, wo sie mit ihrer Waffe herumwedelte, die sie soeben aus dem Tresor bekommen hatte. Sie verlangte mit schriller Stimme, dass man sie wieder hineinliess. “Ich will niemandem wehtun! Aber Sie müssen mich wieder hineinlassen! Ich muss mit Nick sprechen! Er muss mir meinen Wunsch erfüllen!” erklärte sie unter Tränen, während sie ihre Waffe abwechselnd auf Niels und die Security richtete..

“Es geht um mein Kind!” schrie sie jetzt, und Niels versuchte es mit einer anderen Taktik. “Beruhigen Sie sich doch,” erklärte er, “wollen Sie nicht lieber über alles reden? Sie machen so doch alles nur noch schlimmer.” Das waren schlaue Sätze, fand er, im Fernsehen klappte sowas doch auch immer. Außerdem sah er mit dem Anzug sicher vertrauenswürdiger aus als sonst.
Doch die Frau wollte nicht reden. Sie rief weiter, dass sie zu Nick müsste, der Pokerteufel müsse ihr einen Wunsch erfüllen. Langsam wurde Niels die Sache zu bunt, denn offensichtlich hatte die Security auch keine Ahnung, wie sie mit der Frau fertig werden sollte. “Das ist nicht der richtige Weg,” erklärte er ihr, doch sie sah ihn nur wütend an und schoß in die Luft.

Alter, Heckler, willst du dich umbringen lassen?

“Sie haben doch keine Ahnung!” schleuderte sie ihm entgegen. Sicher hatte er keine Ahnung, wie es war, wenn man Angst um ein Kind hatte, er war 21 Jahre alt. Aber Angst, die kannte er. Und er wusste, dass es mit Sicherheit kein Ausweg war, sich hier mit einer Waffe hinzustellen und einen Kunststudenten und mehrere Sicherheitsleute zu bedrohen. Er machte einen Schritt auf die Frau zu und packte sie, so dass er die Waffe zu fassen bekam. Sein fachkundiges Auge hatte gesehen, dass die Dame nicht wirklich Ahnung davon hatte, wie sie die Pistole zu bedienen hatte, und so war es ihm ein leichtes, ihr die Waffe zu entringen, auch wenn er bis zuletzt fürchtete, dass sich ein Schuß löste.

Die Frau beruhigte sich jetzt wieder etwas, sie schluchzte jedoch immer noch hemmungslos, während die Security sie in einen abgesperrten Bereich führte. Der Sicherheitschef bedeutete Niels, ihm ebenfalls zu folgen, vielleicht wollte er seine Aussage aufnehmen.
Die Frau schien inzwischen Vertrauen zu ihm gefasst zu haben, sie verriet Niels, dass ihre Tochter an Leukämie erkrankt war, und nichts mehr ihr helfen konnte. Deswegen hatte sie sich zu dem Pokerturnier angemeldet, weil sie glaubte, dass der “Pokerteufel” ihr einen Wunsch erfüllen konnte.

Niels erschrak. “Sie wollten sich wirklich auf so etwas einlassen?” fragte er. Wusste die Frau denn nicht, wie gefährlich solche Deals waren? Er dachte an Joe und wie er gestorben war, und er musste schlucken.
Sie nickte. “Ja, ich würde alles tun für meine Kleine.” Das mochte ja sein, aber Niels musste verhindern, dass noch mehr Menschen den gleichen Weg wie Joe nahmen. “Versprechen Sie mir, dass Sie so etwas nicht tun. Lassen Sie die Finger von solchen Dingen!” Die Frau sah ihn interessiert an. “Was meinen Sie? Gibt es noch andere Wege…?” Niels sah sie mit offenem Mund an. “Nein! Lassen Sie die Finger davon! Sie lassen sich da auf Dinge ein, die Sie nicht verstehen!” versuchte er ihr die Sache begreiflich zu machen, doch sie lächelte jetzt und stand auf. “Danke Ihnen,” sagte sie und ging in das Büro des Sicherheitschefs.

Fuck, Heckler. Das hast du ja wirklich, wirklich gut hingekriegt.

War sein Englisch so schlecht oder sein Akzent so stark, oder wollte die Frau ihn falsch verstehen? Sie sollte die Hände von Dämonen lassen!
In diesem Moment kam Hank zu ihm herüber, und Niels erzählte ihm, was passiert war. Der Ältere verzog das Gesicht. “Das hast du ihr jetzt nicht wirklich geraten, oder?” “Nein! Fuck, ich hab doch genau gesehen, wo das hinführt! Und ich weiß, wie gefährlich die Dinger sind!” Er dachte an den Indian State Lake Park und sein Gespräch mit dem Dämon.

“Reden ist ja nicht so deine Stärke,” bemerkte Hank kühl, was in Niels wieder die Wut ansteigen liess. Nein, das war nicht seine Stärke, er wusste gerade nicht, ob überhaupt irgendwas seine Stärke war, oder ob er nicht doch ein Totalversager auf der ganzen Linie war, wie sein Vater es ihn oft genug hatte spüren lassen. Aber reden, das hatte er noch nie gekonnt, wie auch, im Hause Heckler pflegte man die Probleme mit Aaron dadurch zu lösen, indem man ihn in den Keller gesperrt oder geschlagen hatte – manchmal auch beides.

“Deswegen komme ich ja zu dir,” entgegnete er dem Pokercowboy, was der mit einem Nicken zur Kenntnis nahm. “Wir unterhalten uns später. Jetzt komm, deine Freundin hat den Geist irgendeines Mafioso aufgetan.” Niels wollte ihm noch etwas entgegen, aber da drückte Hank ihm bereits eine Schrotflinte in die Hand. “Ist mit Steinsalz geladen. Du bist ja schon seit 10 Jahren in dem Metier, oder?”

Niels wusste nicht, ob er den Pokerspieler anschreien, schlagen oder ignorieren sollte. Was bildete dieser Typ sich eigentlich ein? Aber die Sache mit dem Geist interessierte ihn doch mehr, als dass er einfach abgehauen wäre.

Wie sich herausstellte, hatte nicht nur der Pokerteufel das Glück auf seine Seite gezogen, sondern es ging auch noch der Geist eines Mafiosos um, der der Neffe des italienischen Pokerspielers war. Da seine Knochen direkt hier am Casino begraben lagen, war es ein Leichtes, sie zu finden und den Geist damit zur Ruhe zu bringen. Irgendwie schafften Hank und Bart es, die Casino-Leitung davon zu überzeugen, dass sie keine offiziellen Schritte unternahm, denn es war einiges bei dem Pokerturnier drunter und drüber gegangen.

Niels war froh, dass er endlich weiterkonnte. Nie wieder würde er einen Fuß in so ein Etablissement setzen. Er zog sich um und wollte gerade das Lame Deer verlassen, als Hank noch einmal auf ihn zukam.

“Das war gute Arbeit da drin.” Ach, jetzt auf einmal doch? Niels überlegte, ob der Möchtegern-Cowboy scherzte, doch seine Miene blieb ernst. “Hier ist meine Visitenkarte. Meld dich mal, wenn du Hilfe brauchst und Eloquenz gefragt ist.” Niels schnaubte. Natürlich, er hatte es nicht lassen können, ihm noch eine mitzugeben. Aber sicher war es nie verkehrt, noch mehr Kontakte zu haben.
Auch Bart Blackwood gab ihm später seine Emailadresse, genauso wie Natalie. Dann holte Niels seine Waffe aus dem Tresor und machte sich auf den Weg zu Felicitys Kombi. Wenn er sich beeilte, konnte er heute abend endlich mit Coco zum Mexikaner gehen. Und hoffentlich brauchte er dazu nicht die Hilfe von Hank Williams.

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Timberwere

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