Mädchenkram - Supernatural

Die Geschichte vom Höllenloch

aus Barrys Tagebuch

Die Geschichte vom Höllentor

Vor kurzem kam ein Paket an. Von Bartolomäus Blackwood. Drin war ein alter Coup Stick, wie ihn meine Vorfahren benutzt haben.
Es lag ein Brief dabei. Und ein Bild, ein sehr altes Bild. Muss vor dem Bürgerkrieg gemacht worden sein. Zwei Weiße, ein Schwarzer, ein Asiate und ein Indianer. Ein Dakota, der Kleidung nach. Das Bild war zu körnig, um Details zu erkennen, aber in dem Brief behauptete Bart, die fünf Männer wären die Vorfahren von ihm, Ethan, Gideon, Jonathan Saitou und mir gewesen. Der Coup Stick hatte meinem Urahn gehört. Einem Mdewakantonwan namens Mat’ho.

…wow. Okay. Ich schaute mir den Stab genauer an. Ja, konnte sein. Der Name war wahrscheinlich verkürzt, aber wenn das Foto in den 1850ern gemacht wurde, dann war das vermutlich Mat’ho Iȟaha, der Lachende Bär. Urgroßvater meines Urgroßvaters, wenn ich das richtig in Erinnerung hatte. Mein eigener Großvater hatte mir ein paar Geschichten von ihm erzählt, als ich jünger war. Musste ein witziger Bursche gewesen sein, jedenfalls gab es vier verschiedene Erzählungen, wie er zu seinem Namen gekommen war – eine unwahrscheinlicher als die andere.

In der Nacht, nachdem das Paket angekommen war, hatte ich einen sehr seltsamen Traum. Oder eine Vision. Konnte mich am nächsten Morgen jedenfalls sehr gut daran erinnern.

Es fing damit an, dass ich aufwachte (oder dachte, ich wäre aufgewacht). Ich ging zielstrebig durchs Haus, direkt in die Küche. Dort stand ein Mann, ein Indianer in altertümlicher Kleidung: Wildlederhosen, weiche Schuhe. Kein Hemd. Die langen Haare zu zwei Zöpfen geflochten und mit Federn und Holzperlen geschmückt. Es war das normalste der Welt, dass er so gekleidet war: Er sah nicht aus, als hätte er sich extra so zurechtgemacht, sondern so, als wäre das seine Alltagskleidung.

Als ich hereinkam, beäugte der Indianer gerade General Bob interessiert, der auf der Arbeitsplatte saß und ihn ebenfalls beobachtete. Der alte Kater hatte dort nichts verloren, aber das war mir im Moment egal.

„Hey“, sagte ich. (Eigentlich sagte ich „Hau“, aber das ist dank diverser Filme und Bücher so sehr zum Klischee geworden, dass ich es lieber übersetze… Aber ich sprach meinen Besucher nicht auf Englisch an. Nur zur Erklärung.)
Er sah auf. Musterte mich von oben bis unten. „Hey. Du bist bestimmt mein Nachfahr“, entgegnete er und grinste. „Mein Name ist Lachender Bär, aber das hast du sicher sofort erkannt.“
„Ist nicht unerwartet“, sagte ich und versuchte, General Bob von der Arbeitsfläche zu scheuchen. Der Kater sprang hoheitsvoll auf das Regal mit der Kaffeemaschine und ignorierte mich ansonsten.
„Du hast bestimmt auch einen Namen“, erklärte mein Besucher und sah mich auffordernd an.
„Ja“, sagte ich. „Sie nennen mich Geht-immer-einen-Schritt-zu-weit. Oder“, ich hielt mich gerade so davon ab, das Gesicht zu verziehen, „Verrückter Bär.“
Er lachte. „Das ist ein schöner Name, Nachfahr. Gefällt mir. – Du hast hoffentlich viele Pferde.“
Ich überlegte kurz, ob ich die Pferdestärken des Highlanders mit erwähnen sollte. Entschied mich dagegen. Ich war nicht ganz sicher, wie ich mit der Situation umgehen sollte. Wie ich mit ihm sprechen sollte.
„Zwei“, erklärte ich also.
„Zwei“, wiederholte er enttäuscht. Schaute auf meinen Armstumpf. Betrachtete mich mitleidig. „Deine Familie versorgt dich sicher gut.“
„Die Zeiten haben sich geändert“, erwiderte ich. „Ich kann mich um mich selbst kümmern. Und um meine Familie.“
„Oh“, machte er. Klang erfreut, aber nicht ganz überzeugt. „Nun, ich hatte natürlich mehr Pferde. Ich war Akicita, und egal, was die Leute sagen, ich war verdammt gut darin.“
„Habe nie etwas anderes gehört“, sagte ich. „Bin Geschichtenerzähler. Gerate immer wieder in Kämpfe. Gewinne meistens. Nicht immer, aber ich lebe noch.“
„Geschichtenerzähler?“ Erst ein skeptischer Blick (vermutlich wegen meiner Stimme), dann hellte sich seine Mine auf. „Sehr gut. Vermutlich bin ich deswegen hier, damit ich dir meine Geschichte erzählen kann, und du kannst sie deinen Kindern erzählen. Oder deinen Neffen und Nichten. Oder deinem Tier hier.“ Er deutete auf General Bob, der sich mittlerweile neben ihm niedergelassen hatte und mit einer Pfote faul nach einer Feder schlug.
„Ich habe Kinder“, sagte ich und nahm den Kater auf den Arm, bevor er Lachender Bärs Schmuckfedern anknabbern konnte. Er wehrte sich einen Moment, wurde dann aber ruhig und fing an, zu schnurren. Ungewöhnlich, aber das hier war ja auch ein Traum. „Vier Stück.“
Der Krieger grinste anerkennend. „Nicht schlecht. Und das alles mit Geschichtenerzählen.“ Ohne weitere Umstände setzte er sich auf die Arbeitsplatte. „Ich würde mir deine Geschichten wirklich gern anhören – vor allem, wie du zu deinem Namen gekommen bist – aber ich bin hier, um selbst zu erzählen.“
Ich verbrachte noch ein bisschen Zeit damit, General Bob auf den Boden zu setzen (er sprang sofort wieder auf die Arbeitsplatte und setzte sich wie selbstverständlich auf Lachender Bärs Schoß – sonst war der alte Kater nicht so umgänglich) und uns einen Kaffee zu machen.

„Pass auf“, fing mein Vorfahr an. „Die ganze Sache begann, als eine weiße Frau unserem Heiligen Mann eine Pfeife stahl. Keine gewöhnliche Pfeife, sondern eine besondere, die den Geistern geweiht war. Ich war selbst nicht dabei, aber der Heilige Mann erzählte mir, dass sich ihre Augen schwarz färbten und sie das Leder seines Tipis einfach mit bloßen Händen zerrissen hatte. Sie war von einem bösen Geist besessen, meinte er. Wollte ich nicht gehen, um die Pfeife zurückzuholen? Ich hatte mich gerade wieder mal mit unserem Heyoka gestritten, weil der so ein humorloser Knochen war, also war ich ganz froh, eine Weile wegzukommen.
Ich folgte der schwarzäugigen Frau. Sie war sehr schnell unterwegs, und sie musste nicht schlafen. Gut, ich wäre ihr natürlich Tag und Nacht gefolgt, aber das konnte ich Mond nicht zumuten. Mein Lieblingspferd“, er lächelte und fing an, General Bob zu streicheln. „Irgendwann würde sie schon anhalten. Ich war drei, vier Tage unterwegs, als ich den Reiter sah. Er trug die Kleidung der Weißen und hatte ein hübsches Pferd, also überlegte ich, ob ich ihn überfallen sollte – es war wirklich ein gutes Pferd – aber als ich näherkam, sah ich, dass er kein Weißer war. Aber auch kein Dakota oder Cheyenne oder Ojibwa. Das machte mich neugierig, also ritt ich offen auf ihn zu. Im Näherkommen sah ich, dass er zwei lange Messer trug, eins so“, er zeigte mit den Händen eine kurze Klinge, „und eins so.“ Eine längere Klinge. „Ich begrüßte ihn also und wir kamen ins Reden. Er sprach zwar kein Dakota, aber Englisch – das hatte ich schon länger gelernt. Also konnten wir uns verständigen. Sein Name war Kiyoshi Yamaoka, er kam von weither und war ein Krieger. Ein Ältester aus seinem Stamm war ebenfalls von einer hellhaarigen Weißen mit schwarzen Augen umgebracht worden, also taten wir uns zusammen. Er schien ein ganz brauchbarer Bursche zu sein – wir sprachen kurz über Ehre und Tod und waren uns da weitgehend einig.“
Hm. Nach allem, was ich über die japanische Kultur wusste, hatten die beiden sich wohl nicht allzu eingehend unterhalten. Aber das musste ich ihm jetzt nicht erklären.
„Also ritten wir gemeinsam weiter. In der Nähe war eine Siedlung der Weißen, eigentlich auf unserem Land, aber der Heilige Mann hatte schon immer gesagt, dass wir da ohnehin nicht hinwollten. Als wir ankamen, sahen wir ein paar bärtige Weiße, die einen anderen Weißen anpöbelten. Das passte einem schwarzen Mann nicht, und er trieb sein Pferd zwischen sie. Dann kam noch ein Weißer, wedelte mit den Armen und versuchte, die Bartmänner zu vertreiben. Die nörgelten zwar noch ein bisschen, gingen dann aber doch ein Stück weiter. Der weiße Friedensstifter trug einen Stern – ich nehme an, du weißt, was das heißt?“
Ich war fast neugierig auf seine Erklärung, aber andererseits wollte ich wissen, wie die Geschichte weiterging. Also nickte ich nur.
„Sehr gut. Der Sternmann wollte gerade mit dem Schwarzen und dem anderen in ein Haus gehen, als er mich und Kiyoshi sah. Er winkte und meinte, wir sollten doch auch mitkommen. Gut, das erschien mir ganz klug. Wenn in dem Ort besessene Frauen herumliefen, wusste er vielleicht, wo wir sie finden konnten. Kiyoshi band sein Pferd an, ich ließ Mond einfach stehen. Die würde schon kommen, wenn ich pfiff. Und es war normalerweise ganz lustig, wenn ein weißer Mann versuchte, sie zu stehlen.“ Er zwinkerte mir zu. Grinste schon wieder. Mein Vorfahr war offenbar ziemlich leicht zu amüsieren.

„Drin stellte sich der Sternmann als Sheriff Simon Gale vor.“ So, Ethans Vorfahr war ein Sheriff, der illegal auf Indianerland siedelte. Interessant. „Der andere Weiße war Reverend Uriel Blackwood, eine Art Heiliger Mann, und der Schwarze hieß Isaac Mahama. Vor kurzem war hier in der Gegend der Vorgänger von Simon ermordet worden, und der alte Heilige Mann war ebenfalls verschwunden. Außerdem fehlten noch ein Ehepaar und ein Bärenjäger – gut, der hatte sich vielleicht auch mit dem falschen Bären angelegt, aber das wusste eben niemand. Kiyoshi erzählte von der schwarzäugigen Frau, die seinen Ältesten umgebracht hatte. Er wollte ihm zwar zu Hilfe kommen, aber die Frau machte nur eine Handbewegung und schleuderte ihn durch mehrere Wände durch. Dann brachte sie den Ältesten um und stahl ein heiliges Schwert. Als Kiyoshi erzählte, dass sein Ältester an die Wand genagelt und zerrissen worden war, wurde Simon ganz aufgeregt – genauso war sein Vorgänger gestorben! Nun, meinte Kiyoshi, vielleicht war es dieselbe Kreatur.
Simon blinzelte ihn erstaunt an. Was meinte er mit Kreatur? Das war doch sicher ein Mann mit einem wilden Tier. Einem zahmen wilden Tier. Ich überlegte kurz, ob ich ihm eine spannende Geschichte auftischen sollte, aber das zahme wilde Tier konnte ich vermutlich ohnehin nicht überbieten. Also war ich vernünftig – auch das kam vor, egal, was mein Vater sagte – und erzählte, dass unser Heiliger Mann dachte, die Frau wäre von einem bösen Geist besessen gewesen. Simon blinzelte schon wieder überrascht, aber Uriel verstand das. Der kannte sich mit bösen Geistern aus, und der alte Heilige Mann, der vor ihm hier war, wohl auch.“

Lachender Bär nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Machte ein überraschtes Gesicht. Trank noch mal. „Ich bin mir nicht sicher, ob das widerlich und lecker ist“, erklärte er dann. Versuchte, General Bob auch etwas davon zu geben, aber der fauchte nur und verkrümelte sich zu mir.
„Ich fragte nach hellhaarigen Frauen, die noch nicht so lange in der Stadt waren“, fuhr er dann fort. „Simon überlegte und meinte dann, der Saloon sei vor kurzem fertig geworden, und es wären ungefähr ein halbes Dutzend Mädchen angekommen, die dort arbeiten sollten.“ Er zwinkerte mir zu. „Wir unterhielten uns eine Weile über diese Mädchen, aber ich hatte den Eindruck, das war den beiden Weißen irgendwie unangenehm. Schließlich fingen Simon und Uriel an, Pläne zu schmieden und Bedenken zu hegen, weil diese Schwarzäugigen ja gefährlich waren“, Lachender Bär schnaubte, „Na, es ist ja vieles gefährlich, aber es wird selten besser, wenn man herumsitzt und plant, statt etwas zu tun.“ Er sah mich an, als würde er Widerspruch erwarten.
„Habe meinen Namen nicht bekommen, weil ich zu lang und intensiv plane“, sagte ich mit einem schiefen Lächeln. „Ich gehe den Schritt zu weit in Richtung Gefahr.“

Jetzt lachte er wirklich. Ich ertappte mich, wie ich selbst auch grinste.

„Obwohl du ein Geschichtenerzähler bist und kein Krieger“, sagte er und klopfte mir anerkennend auf die Schulter. „Nicht schlecht. Du kannst von mir aus gern weiter Verrückter Bär heißen.“
„Danke, Großväterchen“, gab ich zurück. „Das ist aber nett von dir.“
Er prustete in seinen Kaffee. „Zu dumm, dass ich dir kein Pferd schenken kann“, sagte er schließlich. „Aber lass mich weiter erzählen… Wo war ich? Ah. Während Simon und Uriel noch überlegten, ging ich zum Saloon. Kiyoshi hatte offenbar auch genug von dem Gerede, er kam mit. Ein bisschen später tauchten dann auch Simon, Uriel und Isaac im Saloon auf.
Simon ging erst mal mit einer älteren Frau namens Veilchen in ein Nebenzimmer, ließ aber die Tür offen. Danach gingen die fünf jüngeren Mädchen auch hinein, aber die Tür blieb offen und es passierte gar nichts.“ Er sah mich fragend an. „Verstehst du das? Das waren hübsche Mädchen!“
„Hast du nicht gesagt, dass eine davon von einem bösen Geist besessen sein könnte?“
„Oh. Stimmt. Guter Punkt.“ Er zuckte die Achseln. „Als sie wieder rauskamen, stand Kiyoshi auf und setzte seinen Hut ab. Von den Mädchen waren drei hellhaarig, und er konnte nicht genau sagen, welche jetzt die richtige war. Aber er dachte, dass diejenige, die seinen Ältesten umgebracht hat, ihn schon erkennen würde. Das klappte auch gut – fast ein bisschen zu gut: Erst bekam Veilchen schwarze Augen. Dann alle fünf Mädchen. Das waren etwas mehr, als wir erwartet hatten, aber Kiyoshi ließ sich davon nicht einschüchtern: Er stürmte auf die Frauen zu. Veilchen machte eine Handbewegung, und er flog durchs Fenster nach draußen. Na schön, was sollte schon passieren – ich nahm meinen Coup Stick und stupste eine damit an. Es war auch gar nicht so schwierig, sie zu treffen, aber dann flog ich auch aus dem Saloon und landete direkt neben Kiyoshi. Er schaute ein bisschen verwundert, weil ich lachte, aber ganz ehrlich, das war schon irgendwie lustig. Ich hatte sie berührt und war nicht verletzt, also hatte ich gewonnen. Na, irgendwie zumindest.“ Er grinste schon wieder. Was für eine Frohnatur.

„Jetzt schau nicht so“, lachte er, beugte sich zu mir hinüber und zog General Bob am Schwanz. Der Kater reagierte darauf erstaunlich gelassen. Ging einfach weg. Wurde wohl altersmilde. „Für eine erste Begegnung mit einem stärkeren Feind war das doch gut gelaufen. Uriel kam aus eigener Kraft aus dem Saloon, Isaac taucht kurz darauf auch auf. Der war scheinbar auf der anderen Seite rausgeworfen worden. Ich hatte gerade meinen Bogen genommen und auf den Saloon angelegt, als Simon ebenfalls durchs Fenster flog.
Ich schoss auf eines der Mädchen – ich erwartete zwar nicht, dass das viel brachte, aber wir hätten ganz schön dumm geschaut, wenn es doch so einfach gewesen wäre. Na, war es nicht: Der Pfeil flog rein, dann flog er wieder raus und erwischte meine Eulenfeder.“ Lachender Bär zeigte mir eine zerzauste Feder an seinem linken Zopf.
„Da hast du Glück gehabt.“ Ich erinnerte mich an Afghanistan. Damals waren die Kugeln auch zurückgekommen, aber sie hatten Leute getötet und nicht nur gestreift.
„Glück?“, erwiderte er. „Ich denke nicht. Unser Heiliger Mann hat mir einen Beutel mitgegeben, der mich vor dem bösen Geist schützen sollte. – Na gut, also zogen wir uns zurück. Es gab ein heiliges Haus in dem Ort, aber jemand hatte es so beschädigt, dass es keinen Schutz mehr bot. Trotzdem besprachen wir uns dort. Wir hatten die Konfrontation alle weitgehend unbeschadet überstanden, aber siegreich waren wir nicht gerade gewesen. Das waren mehr böse Geister, als einer von uns erwartet hatte – die wollten doch etwas erreichen. Das gesegnete Schwert und die geweihte Pfeife hatten sie sicher nicht zufällig gestohlen. Konnte sein, dass es noch mehr Gegenstände gab. Wir wussten nicht genug, also kamen wir überein, dass die beiden Weißen sich mit Leuten unterhalten sollten, die schon sehr lange hier waren, während der Rest von uns sich die Umgebung anschaute.
Gesagt, getan. Simon und Uriel redeten erst mit dem Totengräber und erfuhren, dass der alte Friedhof unheimlich war und dass man dort seltsame Mauern und Löcher im Boden gefunden hatte. Von einer alten Frau hörten sie außerdem, dass zwei der Stadtgründer kurz nacheinander von Wölfen zerrissen worden waren. Außerdem erwähnte sie, dass es nie irgendwelchen Ärger mit den Dakota oder anderen Stämmen gegeben hatte. Vielleicht hätten sich die Weißen mal Gedanken machen sollen, warum das so war.“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung. Hielt wohl nicht viel von den Siedlern.

„Ich pfiff Mond herbei. Hinter einem der Häuser klapperte etwas, dann fluchte jemand, und schließlich kam mein Pferd angetrabt.“ Er grinste breit. „Kann sein, dass es sich nur verlaufen hatte. Das war ein eigensinniges Pferd. Wir ritten als erstes einmal quer durch den Ort, und Kiyoshi meinte, die Häuser wären seltsam angeordnet. Nicht alle, aber die fünf ältesten standen in einer Art Kreis. Isaac fand das auch merkwürdig.
Wir verließen den Ort und schauten uns weiter um. Am Fuß des Hügels, auf dem die Häuser standen, fanden wir die Überreste eines riesigen Medizinrads – keine Ahnung, wer das gebaut hatte. Unsere sind normalerweise viel kleiner. Es war zerstört, jemand hatte Steine herausgerissen. Das war schon eine Weile her, vielleicht eine oder zwei Generationen. Schließlich fanden wir eine Spalte, die in den Hügel hineinführte. Ich machte ein kleines Grasfeuer, damit wir etwas sehen konnten, und wir folgten einem gewundenen Gang, bis wir zu einer großen Höhle kamen.
Aus der Höhle gingen fünf Treppen nach oben. Ich habe einen sehr guten Orientierungssinn, ich war mir sicher, dass diese Treppen genau in die fünf Häuser führten, die uns vorher aufgefallen waren.“ Hätte er mir diesen Orientierungssinn nicht vererben können? Ich bemühte mich, ein neutrales Gesicht zu machen.
„In der Mitte der Höhle war ein Loch im Boden. Im Schein des schwachen Graslichts konnten wir den Boden nicht erkennen, nur schwarze Schatten. Isaac warf einen Stein hinein, aber wir hörten keinen Aufprall. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht mit diesem Loch – es war im Durchmesser fast zwei Mannslängen groß, und etwas Böses ging von ihm aus. Das war einerseits natürlich schlecht, aber andererseits wussten wir jetzt, was die bösen Geister hier wollten. Nicht genau, aber es hatte sicher mit dem Loch zu tun.“

Lachender Bär machte eine Pause und hielt mir seine leere Tasse hin. „Ich muss noch mehr davon trinken, um herauszufinden, ob mir das schmeckt oder nicht. Vielleicht ist es besser, wenn ich etwas dazu esse.“ Ich machte uns einen neuen Kaffee und kramte ein Snickers aus dem Kühlschrank (es war immer noch ziemlich heiß in Arkansas, und Tam räumte immer alles Mögliche in den Kühlschrank). Er knabberte erst vorsichtig, dann mit wachsender Begeisterung an dem Schokoriegel.
„Das ist gut“, erklärte er kategorisch. „Ich glaube, davon könnte ich noch mehr essen.“
Nachdem er drei Snickers und einen Müsliriegel vertilgt hatte, nahm er den Faden wieder auf.

„Wir trafen uns wieder mit den beiden Weißen. Gerade, als wir in das frühere heilige Haus gehen wollten, kam ein weißer Mann mit einem seltsamen Hut auf uns zu und sprach uns aufgeregt an. Er machte Bilder von Menschen, sagte er. Mit einem Gerät. Und wir sahen doch interessant aus – durfte er vielleicht ein Bild von uns machen? Ich war ein bisschen misstrauisch, aber ich war auch gespannt, was passieren würde. Also mussten wir uns aufstellen, ernst dreinschauen und eine Weile still stehen. Dann kam ein heller Blitz – mir fällt gerade auf, das hätten wir später gut brauchen können, aber daran hat keiner gedacht – und er meinte, er wäre fertig. Allerdings war das Bild noch nicht da, er musste erst sein Gerät überzeugen, es zu zeichnen. Kann auch sein, dass das ein Scherz war, der Humor der weißen Leute ist ja manchmal etwas unklar.“
„Nein, kein Scherz“, sagte ich. „Warte.“ Ging und holte das Bild von den fünf Männer, das mir Bart geschickt hatte. Er betrachtete es interessiert. War offensichtlich beeindruckt. Ich fragte mich einen Moment, ob ich mein Handy holen und ein Selfie mit ihm machen sollte, aber das kam mir dann doch etwas albern vor.
„Zauberei, oder wie?“, fragte er. Ich fing an, ihm etwas von Lichtbrechung und Chemikalien zu erzählen, aber er winkte ab und zwinkerte mir zu. „Schon gut. Ich merke es, wenn Leute Dinge erfinden.“
Mein Gehirn machte ein paar Vorschläge für plausible Geschichten, wie die Bilder wirklich entstanden, aber vermutlich war Lachender Bär nicht hier, um sich von mir veralbern zu lassen. Stattdessen schenkte ich ihm noch einen Kaffee ein.

„Nachdem der Weiße mit dem Hut sein Gerät bedient hatte und wieder seiner Wege gegangen war, redeten wir. Dass die bösen Geister etwas mit dem Loch vorhatten, bezweifelte keiner, und dass wir sie aufhalten mussten, war auch allen klar. Vermutlich hing der Plan mit den Häusern zusammen, also ging Simon los, um mit einem der Weißen zu reden, die dort wohnten. Das war der Sohn von einem der Männer, den die Wölfe gefressen hatten. Er war nervös und wollte Simon möglichst schnell loswerden, also ging der Sheriff wieder. Gemeinsam drangen wir danach von unten über die Treppe in sein Haus ein, Kiyoshi packte ihn und hielt ihn über das Loch. Er sollte uns den Plan erzählen, sonst würde er ihn fallen lassen.
Der Weiße war ein Feigling und erzählte uns alles: Sein Vater hatte einen Handel mit den bösen Geistern gemacht, um hier siedeln zu können. Jetzt hatten die bösen Geister ihn um Hilfe gebeten, um ihren Meister aus dem Loch zu holen – der war dort eingesperrt. Unser Gefangener war einer von fünf Männern, die in Roben und Masken bei dem Ritual anwesend sein sollten, um den Geistern in den Mädchen ihre Kraft zu geben. Er grinste dabei schwach, offenbar glaubte er, dass er bei dieser Geschichte mit einem der Mädchen schlafen durfte. Die Kraft wurde gebraucht, um fünf Artefakte aufzuladen, die bei der Befreiung eine Rolle spielen sollten. Morgen Nacht sollte das Ritual stattfinden.
Kiyoshi und ich sahen uns an. Vermutlich waren das Schwert und die Pfeife zwei der Artefakte. Bis morgen Nacht hatten wir noch Zeit, um uns vorzubereiten.
Die Weißen fingen dann an, darüber zu reden, was sie jetzt mit dem Gefangenen machen sollten. Einsperren war aus irgendwelchen Gründen schwierig, also stellte ich dem Feigling ein Bein, nachdem Kiyoshi ihn am Rand des Lochs abgesetzt hatte. Wie erwartet stolperte er und fiel in das Loch.“ Lachender Bär machte eine ungeduldige Handbewegung. „Simon war aufgebracht, erzählte etwas von Mord und seinen Gesetzen. Ich verzichtete darauf, ihm zu sagen, dass er hier auf unserem Land war und seine Gesetze kein Gewicht für mich hatten. Das wäre eine längere Diskussion geworden – weiße Leute reden einfach zu gern. Getan hat er dann natürlich nichts.“ Ethans und mein Vorfahr waren wohl keine guten Freunde gewesen.

„Ich schlug vor, die Mädchen einfach in das Loch zu stoßen, aber Uriel, Simon und Isaac wollten das nicht. Die Mädchen waren ja nur besessen, wir mussten die bösen Geister loswerden, möglichst ohne ihren Wirten zu schaden. Ich wusste nicht, wie das gehen sollte, aber Uriels Vorgänger war ein Spezialist für so etwas gewesen: Ein Exorzist. Also teilten wir uns auf: Simon und Kiyoshi gingen los, um die Einwohner der anderen Häuser auszuschalten oder einzusperren – plötzlich war das nämlich kein Problem mehr – Isaac und Uriel wollten die Besitztümer des alten Heiligen Mannes durchsuchen, ich ging los, um ein paar Kräuter zu finden und die Geister um Unterstützung zu bitten.
Wir waren alle erfolgreich: Simon und Kiyoshi brachten Roben und Masken, Isaac und Uriel hatten einen ganzen Haufen geweihte Dinge gefunden… Messer, Öl, sprechende Zeichen, die ihnen einen Austreibungsspruch verrieten. Ich rieb meine Pfeile mit einer Mischung aus Kräutern und Uriels Öl ein, und Kiyoshi band noch Papiere mit Symbolen um den Schaft. Das sollte ja wohl helfen.
Die Zeit verging, wir kleideten uns in Roben und Masken und gingen in die Häuser. Kurz nachdem wir alle verteilt an den Treppen standen, tauchten die Frauen auf. Sie hatten auch Roben an, die sie aber schnell auszogen. Darunter waren sie nackt, ganz bleich und mit Zeichen bemalt. Jede von ihnen hatte einen Gegenstand dabei: Das lange Messer von Kiyoshis Ältestem, die Pfeife meines Stamms, drei andere Sachen, die ich nicht genau erkennen konnte. Jeweils eine von ihnen kam auf einen von uns zu, während Veilchen zum Loch ging. Sie machte einen Schritt darauf zu, aber sie fiel nicht hinein, sondern schwebte genau darüber – aber das Loch war nicht mehr ganz schwarz, sondern pulsierte im Rhythmus der Worte, die die Besessenen jetzt anstimmten.“ Mit den Händen gestikulierte Lachender Bär den Takt, sprang dann auf und zeigte an, wie er etwas von sich warf.
„Es war Zeit, das Ritual zu unterbrechen! Ich setzte die Maske ab, entledigte mich der Robe und hob meinen Bogen. Der Pfeil flog genau auf Veilchen zu und traf sie an der Schulter! Sie taumelte, fiel und kam am Rand des Lochs auf.
Uriel zündete das heilige Öl an, das sofort hell aufflackerte. Dabei sprach er die Worte, die die bösen Geister austreiben sollten, aber das dauerte eine Weile – wir mussten mit den Dämoninnen kämpfen. Wir hatten Glück, sie kamen nicht auf die Idee, sich alle auf Uriel zu konzentrieren, und sie konnten ihre Kräfte in dem Kreis der Flammen nicht verwenden. Also tänzelten Simon und Isaac um die Mädchen herum, ich berührte meine Gegnerin ein paar Mal mit dem Coup Stick. Kiyoshis Gegnerin hatte das Schwert seines Ältesten dabei – er schaffte es, ihr die Waffe zu entreißen und sie damit zu köpfen.
Gerade in diesem Moment war Uriel fertig mit seinem Spruch, zähe schwarze Wolken krochen den Mädchen aus Mund und Nase oder aus dem blutenden Hals. Kiyoshi trieb die Geister mit dem Schwert vor sich her, und wir anderen griffen ebenfalls nach den Gegenständen, die die Besessenen in den Händen gehalten hatten – ich trug in der linken Hand die heilige Pfeife, in der rechten ein scharfes Messer aus hellem Metall, das Uriel geweiht hatte. Mit diesen Gegenständen gelang es uns, die bösen Geister zum Loch zu zwingen. Das war ja einfach gewesen!“ Er grinste mich breit an, machte eine kurze Pause und sprach dann weiter.

„Unsere Erleichterung hielt nicht lange an, denn wir hatten Veilchen vergessen. Die trug den bösen Geist immer noch in sich, und es gelang ihr, trotz ihrer Verletzung das Ritual weiter fort zu führen. Das schwarze Wabern im Loch breitete sich aus, und als die Rauchschwaden der anderen bösen Geister hineinfuhren, schälte sich eine riesige Gestalt aus dem Dunkel! Das Monster sah menschlich aus, hatte aber riesige Hörner, klauenbewehrte Arme und ein Maul mit spitzen Zähnen, mit denen es ein Pferd hätte verschlucken können. Es wurde von Ketten gehalten, deren Glieder dicker waren als der Oberschenkel eines fetten Mannes, aber Veilchen Ritual hatte die Fesseln geschwächt. Eine nach der anderen zerriss das Monster sie.
Uriel fing wieder an, seine heiligen Worte zu rezitieren, aber er brauchte Zeit. Ich lachte – einen so mächtigen Gegner hatte ich noch nie getroffen! Mit einem lauten Schrei sprang ich auf ihn zu, landete auf seiner Schulter und stach ihm das helle Messer in den Hals. Wütend bäumte er sich auf und brüllte wild. Kiyoshi hatte nur darauf gewartet und sprang ihm mit der Schwertklinge voran in das geöffnete Maul! Gemeinsam stachen wir auf das Monster ein, das ziellos um sich schlug. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie es Simon erschlug, der sich vor Isaac gestellt hatte. Uriel wurde von einer Kette getroffen, die durch den Raum peitschte, als der böse Geist sie zerriss, aber er wankte nicht und sprach seine Worte trotzdem weiter.
So sehr das Monster auch tobte, es konnte dem Spruch des Heiligen Mannes nicht widerstehen – langsam schlangen sich die Ketten wieder um seine Glieder und zogen es mit sich nach unten. Kiyoshi und ich verpassten den richtigen Moment, um wieder nach oben zu springen, und es wurde dunkel um uns. Wir sahen nur noch das Glosen der Augen des bösen Geistes. Kiyoshi zerteilte eines davon mit seiner Klinge, ich blies heiligen Rauch aus der geweihten Pfeife, und mit vielen blutenden Wunden zogen wir uns von dem gebundenen Monster zurück. Wir hörten es noch eine Weile toben, aber dann kamen andere Geräusche und andere Gefahren… aber das erzähle ich vielleicht ein anderes Mal.“
Er setzte sich wieder auf die Arbeitsplatte, nahm einen genüsslichen Schluck Kaffee und strahlte mich an. „Du musst zugeben, das war eine gute Geschichte.“

„Beeindruckend“, sagte ich beifällig. Er schaute mich weiter erwartungsvoll an, aber klatschen konnte ich nicht. „Ich werde sie meinen Kindern… all meinen Verwandten erzählen.“ Jetzt sah er zufrieden aus.
„Sehr gut“, meinte er. „Deswegen bin ich hier… und … na, so ganz zu Ende ist die Sache noch nicht.“
„Ich weiß. Uriels Nachfahr hat mir gesagt, wir müssten das Ritual wiederholen.“
„Das ist gut. Am besten, du findest einen Akicita, der das machen kann.“ General Bob saß wieder neben ihm auf der Arbeitsplatte und kaute vorsichtig auf einem der Lederbänder herum, mit denen seine Hose befestigt war.
„Kann ich selber machen“, erklärte ich. Er lächelte mitleidig und schaute zu meinem rechten Arm.
„Aber es gibt doch sicher noch Nachfahren, die Akicita sind“, sagte er. „Du hast selbst gesagt, du bist Geschichtenerzähler.“
„Es gibt noch Nachfahren, die Akicita sind“, stimmte ich zu, „aber es hat einen Grund, dass du zu mir gekommen bist und nicht zu ihnen. Ich kenne die Nachfahren aller Männer, die bei deiner Geschichte dabei waren. Habe Uriels Nachfahren schon bei mehr als einem Ritual geholfen.“
„Das war vermutlich aber nicht so gefährlich.“
Ich dachte an den Feuerdämon. „Kann sein. Gefährlich genug.“

Er war nicht überzeugt, aber er diskutierte nicht weiter. Stattdessen nahm er dem Kater das Lederbändel weg. Der starrte ihn böse an und angelte mit der Pfote hinterher.

„Ich habe nie gehört, dass du zurück zu deiner Familie gekommen wärst“, sagte ich schließlich, während Lachender Bär den Kater mit dem Bändel ärgerte.
„Hm? Nein, wir sind nie wieder herausgekommen. Ich glaube, wir sind ein paar Mal dort gestorben, und danach kommt man nicht wieder hinaus. Das ist ansonsten schon schwierig genug.“ Er grinste mich an. „Nur den Traum hier, den habe ich hinbekommen. Vermutlich auch nur, weil das Bannritual am Loch schwächer wird.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Hey, wenn euer Ritual nicht klappt, kann ich vielleicht ganz raus und dir auf die Nerven gehen.“
„Nimm es mir nicht übel, Lachender Bär, aber wir werden unser Bestes tun, damit es funktioniert.“
Er lachte nur. Schüttelte dann den Kopf.
„Du lachst nicht viel“, erklärte er. „Lass mich dir einen Rat geben, Nachfahr: Mach das ab und zu.“

Großartig. Psychotherapie von einem Akicita aus dem 19. Jahrhundert. Als nächstes würde er versuchen, mir die Freuden des Skalpierens näher zu bringen.

„Ist gerade schwierig“, gab ich dann zu. „Zu viele schlechte Erinnerungen.“
Unwillkürlich lachte er auf. Schon wieder. „Aber Lachen ist der beste Weg, um damit fertig zu werden.“ Er runzelte die Stirn. „Das ist ja grässlich. Du willst doch nicht einer dieser Typen werden, die mit steinerner Miene vor sich hin grübeln. Schau dir dieses Tier an!“ Er griff sich General Bob und hob ihn hoch. Das gefiel dem Kater nun weniger, und er fing an, sich zu wehren. „Das ist ein lustiges Tier!“ Er schüttelte ihn kurz, bis General Bob ihn gleichzeitig mit beiden Pfoten kratzte und fest in die Hand biss. Dann ließ Lachender Bär seinen Gefangenen laufen, und der Kater kletterte prompt in das Regal mit den Gewürzen, warf ein paar runter und fauchte meinen Vorfahren an.
„Siehst du“, rief Lachender Bär aus. „Komm schon, das war doch witzig!“

Nein, ich fand das nicht witzig. Vorsichtig klaubte ich den Kater wieder aus dem Regal und kraulte ihn. Brauchte eine Weile, bis er sich beruhigte.

„Ich könnte mit den Messern da jonglieren“, schlug mein Vorfahr vor. „Möglicherweise lachst du dann.“
„Wenn du dich an einem Messer schneidest, darfst du die Sauerei aufwischen“, gab ich trocken zurück. „Dann lächele ich vielleicht.“
Er sah mich misstrauisch an. „Ich bin mir nicht sicher, wie ernst du das jetzt gemeint hast.“
Ich schnaubte amüsiert. „Nicht sehr“, gab ich zu.
„Immerhin hast du gelächelt. Ich werte das als gutes Zeichen.“
Dann sprang er von der Arbeitsplatte. „Ich muss gehen“, sagte er. „Sei vorsichtig, nimm einen Krieger zum Ritual mit und verpatz es nicht.“
„Werde ich nicht“, versprach ich. Dachte an Barts Apokalypsen-Event.
„Vergiss nicht zu lachen, Verrückter Bär.“ Mit diesen Worten ging er durch die Glastür nach draußen. Ja, das war Panzerglas, aber ich glaube, das merkte er gar nicht.

General Bob sprang von meinem Schoß. Sah meinem Vorfahren hinterher, dann wieder zu mir. Maunzte fragend.
… er war schon nicht mehr ganz jung gewesen, als wir ihn vor elf Jahren bekommen hatten. In der letzten Zeit hatte er nur noch geschlafen. Sein rechtes Knie war nicht mehr in Ordnung, und er hörte nicht mehr gut.
„Geh schon“, sagte ich zu ihm. „Pass auf ihn auf. Werde dich vermissen.“
Er strich mir noch einmal um die Beine, dann rannte er los, hinter Lachender Bär her. Wie ein geölter Blitz. So schnell war er seit Jahren nicht mehr gewesen. Verschwand durch die Glastür in der Nacht.

Die Kinder fanden ihn am nächsten Morgen. Wir begruben den Kater im Garten, unter dem Apfelbaum. Leb wohl, General Bob.

Comments

Marganma

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