Mädchenkram - Supernatural

Jacob's Legacy

Revelations

Ein Klicken verriet Niels, dass er auf seinem Zungenpiercing kaute. Er war nervös, und er fühlte sich unwohl. Felicity hatte ihn gezwungen, ein Hemd anzuziehen, sich zu rasieren (er wusste immer noch nicht, was es in seinem Gesicht groß zu rasieren gab) und sich zu kämmen. Er schüttelte immer noch den Kopf, wusste seine Cousine eigentlich, wie schwierig es war, dass er seine Haare jeden Morgen so hinbekam, dass sie eben nicht gekämmt aussahen? Jahrelang hatte er einen braven Mittelscheitel und eine “Frisur” haben müssen, jetzt waren seine Haare seine Sache. Aber Felicity wollte, dass er einen guten Eindruck machte auf ihre Großeltern und ihre Mutter, und so hatte er ihr nachgegeben. Abgesehen davon sollte er sich erkenntlich zeigen für die Tatsache, dass er von ihr eine Schrotflinte und ein Auto bekommen hatte, das war mehr, als er jemals besessen hatte. Dafür konnte er sich auch mal die Haare runterkämmen und ein weißes Oberhemd tragen. Trotzdem war er nervös, wenn er ehrlich war, fürchtete er sich auch ein wenig vor Felicitys Mutter. Wie würde sie auf ihn reagieren, den Sohn des Mannes, der sie nach dem Tod ihres Ehemannes so wüst beschimpft hatte?

Jetzt saß er seit guten zwei Stunden im Wohnzimmer von Felicitys Häuschen in den Außenbezirken von Seattle und wartete darauf, dass die Jamesons kamen. Der Flieger aus New York hatte Verspätung, was dazu führte, dass Felicity kopflos durchs Haus rannte, eine Vase von rechts nach links und wieder nach rechts schob, am Tischtuch zog und sich bestimmt hundertmal die Haare auf und wieder zumachte.

“Darling, du siehst zauberhaft aus.” Lord Alfred kam aus dem Obergeschoss und betrat das Wohnzimmer, wo Felicity gerade vor dem Spiegel stand. Niels fragte sich zum wiederholten Male, warum seine Cousine unbedingt jemanden heiraten wollte, der aussah wie der jüngere Bruder von Prinz Charles. Alfred war wie immer tadellos gekleidet, die Bügelfalte an seiner Hose war so akkurat, dass sie fast messerscharf wirkte, seine Schuhe waren blank gewienert, und seine zurückweichenden Haare hatte er sich in einen Scheitel gelegt, der aussah, als habe er ihn mit dem Lineal gezogen. Niels sah auf seine Vans hinunter, die er am Vortag in die Waschmaschine geworfen hatte, und überlegte, ob er die Ärmel des Hemdes hochkrempeln sollte. “Niels Aaron Heckler, wage es nicht!” Zum wiederholten Male fragte Niels sich, ob seine Cousine auch im Hinterkopf Augen hatte. “Meinst Du, deine Großeltern und deine Mutter haben noch nie einen Tätowierten gesehen?” fragte er und streckte ihr die Zunge heraus. Felicity drehte sich um und kam auf ihn zu. “Natürlich haben sie das. Aber Großvater ist etwas… konservativ. Bitte, Niels. Sei lieb.” Sie sah ihn mit großen Augen an, und er konnte nicht anders, als breit zu grinsen. “Ja, Neil, Sie sollten sich den Gepflogenheiten anpassen,” mischte sich jetzt Alfred ein, der es offenbar genoß, dem jungen Mann vor Augen zu führen, als wie anders er ihn wahrnahm. Niels’ Grinsen verschwand, und er bedachte ihn mit einem langen Blick aus seinen dunkelblauen Augen. Bevor er jedoch etwas sagen konnte, klopfte es an der Tür.

Felicity rannte in den Flur und öffnete. Eine große dunkelhaarige Frau um die Fünfzig betrat das Haus, von Kopf bis Fuß in schwarz gehüllt: Ein schwarzes Hütchen, eine schwarze Sonnenbrille, ein schwarzes Kostüm und schmucklose schwarze Pumps. An ihrem Arm untergehakt ging eine alte Frau mit weißen Locken, sie trug ein sommerliches Kleid und eine helle Strickjacke und lächelte fröhlich, als sie Felicity sah. Ihnen folgte ein großer weißhaariger Mann von etwa 80; er trug einen grauen Anzug und bewegte sich mit Hilfe eines Spazierstocks fort. Als Felicity das sah, schlug sie kurz entsetzt die Hände vor den Mund. “Großvater! Was ist passiert?” Cedric Jameson lachte nur, während er seine Enkelin begrüßte. “Lizzy-Kind, dein alter Großvater ist eben nicht mehr der Jüngste.”

Niels war während der Jameson-Heckler’schen Begrüßung im Hintergrund geblieben, er war hier genauso wie die Jamesons nur ein Gast.

Felicitys Großvater mochte er jedoch sofort, nachdem der alte Jameson erst Alfred kräftig die Hand geschüttelt hatte und ihn mit einem “Na, Sie sind aber mutig, eine Irin zu heiraten,” begrüsst hatte, was Alfred mit einem schmallippigen Lächeln quittiert hatte. Jetzt kam er auf Niels zu. “Ah, der junge Heckler. Nach der Beschreibung meiner Enkelin habe ich eigentlich erwartet, dass Sie aussehen wie ein afrikanischer Stammeskrieger.” Er lächelte dabei, und Niels konnte nicht umhin, ebenfalls zu grinsen. “Ich arbeite daran, Sir,” antwortete er, was ihm ein Schulterklopfen des alten Mannes einbrachte. “Sehr gut, Mr Heckler. Weitermachen!” Er lachte kehlig, und Niels lächelte.

Jetzt schob Jameson seine Frau nach vorne, die Niels lächelnd ansah. “Séamus?” fragte sie dann und reichte ihm die Hand. Niels zuckte kurz, er verstand nicht, was sie meinte. Dann korrigierte sie sich. “Ach, entschuldigen Sie. Ich habe Sie mit Lizzies Vater verwechselt.” Sie lächelte immer noch, und Niels beschloß, dass er trotz der Verwechsung auch Deidre Jameson sehr sympathisch fand. Ihr Mann trat an sie heran und flüsterte: “Liebes, das ist Niels, Jacobs Neffe.” An Niels gewandt fügte er hinzu: “Entschuldigen Sie, meine Frau hat Jacob immer auf gälisch angesprochen, deswegen der Name.” Niels nickte nur, dann schob sich auch schon Delia Heckler in sein Gesichtsfeld, und er spürte, wie er blass wurde.

Sie blieb kurz stehen und musterte ihn von Kopf bis Fuß. Es kam Niels vor wie eine Ewigkeit, dass Felicitys Mutter ihn so ausführlich betrachtete. Dann erlöste sie ihn, indem sie ihm lächelnd die Hand reichte. “Entschuldigen Sie, es ist nur… die Ähnlichkeit…”

Ich sehe aus wie Onkel Jacob?

Er hatte einmal ein Foto von seinem Onkel gesehen, Felicity hatte es in ihrem Schlafzimmer stehen. Damals war ihm keine besondere Familienähnlichkeit aufgefallen, Jacob war ebenfalls dunkelblond wie er, und er hatte blaue Augen, stahlblau wie Angelika. Wenn er sich überhaupt an einen anderen Heckler erinnert gefühlt hatte, dann an seine Schwester. Felicity hatte nie erwähnt, dass er sie an ihren Vater erinnerte, aber nun war Delia innerhalb kürzester Zeit die zweite Person, die die Ähnlichkeit bemerkte, also musste doch etwas dran sein.

Er atmete tief durch und erwiderte Delias Lächeln. “Niels Heckler, Ma’am.” Delia hielt einen Augenblick irritiert inne, dann setzte sie wieder ihr New York-Lächeln auf. “Natürlich. Delia Jameson. Ich bin dann wohl Ihre… Tante.” Sie machte eine kurze Pause. “Nennen Sie… nenn mich Delia. Wir sind doch eine Familie.” Jetzt war ihr Lächeln aufrichtig, und Niels spürte, wie ihm ein Stein vom Herzen fiel.

Felicity forderte jetzt ihre Gäste auf, ins Wohnzimmer zu gehen. Das Ehepaar Jameson ging voran, gefolgt von einem immer noch sauertöpfisch dreinblickenden Alfie, dann kam Delia. Niels wartete kurz, bis Felicity zu ihm kam. “Hast du es ihr gesagt?” fragte er nur, und seine Cousine nickte. “Natürlich. Glaubst du, ich lasse sie und dich ins offene Messer rennen? Du hast gerade ein weiteres neues Familienmitglied bekommen, Großer.” Niels umarmte seine Cousine spontan. Als er sie wieder freigab, sah Felicity ihn lächelnd an. “Und wenn ich es mir richtig überlege, Niels, dann haben Ma und Grandma recht. Du bist wirklich wie mein Vater.”

Der Rest des Tages verbrachte Niels entspannt im Kreis von Felicitys Familie, die, wie er sich immer wieder in Erinnerung rief, nun auch seine Familie war. Es war spät, als er ins Bett ging, aber er war sich sicher, dass er sich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt hatte. Sein Kopf war voll mit neuen Eindrücken und Gedanken, aber sie waren nicht unbedingt negativ. Doch jetzt war er müde, und er wollte nur noch schlafen. Kaum hatte er sich ausgezogen und ins Bett gelegt, war er auch schon eingeschlafen.

”Hallo, Junge.” Er steht in einer dunklen Gasse, irgendeine Grossstadt, es ist Nacht, es ist kalt. Ist er wieder in Chicago? Er hält Ausschau nach Joe, aber er kann nichts erkennen. Nein, halt, da ist jemand. Ein Mann, ungefähr Mitte 40. Er trägt eine dunkle Lederkombi wie ein Motorradfahrer, seine stahlblauen Augen und das verschmitzte Lächeln verraten sofort die Familienzugehörigkeit.

“Onkel Jacob?” Niels geht auf seinen Onkel zu. Jetzt hat er das Gefühl, in einen Spiegel zu sehen. Verdammt, sie sehen sich wirklich ähnlich. War das der Grund…?

“Vielleicht. Vielleicht hat er uns auch einfach nur abgelehnt, weil wir anders waren als er.”

“Wo bin ich?”

“Das ist der Ort, wo ich gestorben bin. Wo ich in eine Falle gelockt wurde.”

“Aber was tue ich hier?”

“Du bist ein Heckler, Niels Aaron. Ein Jäger. Kannst du es dir nicht denken?”

Sein Onkel legt ihm eine Hand auf die Schulter. Sie fühlt sich schwer an, väterlich. Echt.

“Aber warum denn ich? Was ist mit Felicity, deiner Tochter?” Niels weiß, dass seine Cousine ihm jagdtechnisch kaum in etwas nachsteht.

“Weil du genau wie sie mein Fleisch und Blut bist.”

Niels schüttelt den Kopf. “Wie meinst du das?”

“Wie ich es sage. Außerdem.. du hast jetzt meine Winchester, Junge.” Jetzt grinst Jacob Heckler, und Niels hat für einen kurzen Moment das Gefühl, Benedikt anzusehen.

“Sprich mit Cedric. Er weiß, was zu tun ist.”

Niels nickt, obwohl er verwirrt ist. Das sind gerade zu viele Informationen für ihn, aber er will alles tun, was sein Onkel möchte. Nicht umsonst ist Jacob sein großes Vorbild.

“Mach’ ich, Onkel Jacob.”

“Du bist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ich, mein Junge.” Jacob Heckler sieht Niels durchdringend an. Der Heckler-Blick. Natürlich, auch er beherrscht ihn. Dann wendet er sich um, um zu gehen, doch er dreht sich noch einmal um.

“Niels? Sag Lizzie, dass ich sie liebe, und dass ich will, dass sie glücklich ist.”

Als Niels aufwachte, hörte er bereits hektisches Geklapper aus dem Untergeschoss, und der Geruch von frischen Backwaren, Spiegelei und Speck sowie Kaffee zog durchs Haus. Er stand auf, zog sich an und ging nach unten.

Der Tisch war gedeckt, und alle saßen bereits daran – sogar Alfred. “Sie sind spät auf, Neil,” bemerkte der Engländer süffisant, aber Niels ignorierte ihn. Ihm steckte noch der Traum von letzter Nacht in den Knochen, und er hatte keine Lust, mit dem spiessigen Lord irgend etwas zu diskutieren. Stattdessen bedachte er ihn mit einem langen Blick und schob das Zungenpiercing zwischen die Lippen. Der Barbell erfüllte seine Wirkung, ertappt und pikiert sah Alfred in die andere Richtung und schmierte sich weiter Marmite auf sein Brot.
Niels schenkte sich Kaffee ein und packte Bacon und Eier auf seinen Teller, schweigend aß er. Plötzlich nahm er aus den Augenwinkeln wahr, dass ihn jemand beobachtete. Als sein Blick in die Richtung ging, stellte er fest, dass es Cedric Jameson war, der ihn, gestützt auf seinen Stock, unverwandt ansah.

Sprich mit Cedric.

Niels setzte sich gerade hin und erwiderte den Blick von Felicitys Großvater. Cedric Jameson entspannte sich ebenfalls ein wenig, sagte aber nichts. Schweigend setzten die beiden Männer ihr Frühstückt fort.

Als Felicity die Tafel aufhob, wollte Niels wieder nach oben gehen. Er wollte seine Ruhe, doch da hielt Cedric ihn auf. “Ich möchte Sie gerne unter vier Augen sprechen, Niels. Gibt es hier einen Ort, wo wir ungestört sind?” Niels überlegte, sein Zimmer war zwar nicht groß, und aufgeräumt war es auch nicht, da er es meistens als Durchgangslager nutzte, aber ungestört waren sie dort sicher. Aber mit einem Blick auf den Gehstock des alten Mannes schlug er lieber Felicitys Arbeitszimmer vor.

Cedric folgte ihm in das kleine Zimmer, wo er in einem Sessel Platz nahm. Niels zog sich den Schreibtischstuhl heran. Als er Felicitys Großvater gegenüber saß, wurde ihm bewusst, dass er nur ein T-Shirt zu seinen verschlissenen Jeans trug. Nervös fuhr er sich durch die Haare und zog sich dann am T-Shirt-Ärmel. “Interessante Motive,” bemerkte Cedric jetzt mit einem Schmunzeln, und Niels ließ überrascht seinen Ärmel los. “Ich… entschuldigen Sie. Felicity sagte… “ Cedric winkte ab. “Junger Mann, ich bin vielleicht alt, aber nicht weltfremd. Abgesehen davon wollte ich mit Ihnen nicht über Ihren Körperschmuck sprechen.”

Niels seufzte, was ihm ein erneutes Schmunzeln einbrachte. “Ich sage Ihnen was, Niels. Sie mögen noch jung und ungestüm sein, aber ich erkenne Potenzial, wenn ich es sehe.” Niels wollte den Mund öffnen, doch Jameson winkte ab. “Lassen Sie mich ausreden. Ihre Aufmachung ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber insgesamt erinnern Sie mich sehr an Ihren Onkel.” Jetzt wusste er nicht, ob er sich geschmeichelt fühlen sollte. Er kannte Jacob Heckler nur aus der rosarot verbrämten Sicht von dessen Tochter und der überaus negativen Sicht seines Vaters, der seinen Bruder fast ebenso wie seinen Sohn verabscheut hatte.

…Gustav schwenkt einen Brief mit schwarzem Rand, Niels kann vage eine ausländische Marke erkennen. “Wisst ihr, was das ist?” Er lächelt böse, und sein Sohn weiß, dass dieses Lächeln nie etwas Gutes bedeutet. Gustav Heckler lächelt nicht. Joseph und Benedikt nicken nur, aber Niels ist sich sicher, sie wissen auch nichts, aber sie tun gerne klug. “Das ist ein Brief aus Amerika.” Joseph hustet, und Benedikt zieht eine Grimasse. Niels sieht seine Brüder an. Was ist das Besondere an Amerika? Er weiß, dass das weit weg ist. Soll er fragen? Aber Joseph schüttelt nur unmerklich den Kopf und macht eine Handbewegung. Frag, Aaron, und du bekommst es mit mir zu tun. Also besser nicht fragen.

“Jacob ist tot. Euer Onkel, dieser elende Feigling. Verreckt isser. Das hat die Schixn mir geschrieben, mit der er verheiratet war.”

Niels ist entsetzt. Sollte man so über jemanden reden, der gerade verstorben ist? Er macht den Mund auf und gleich wieder zu, als Benedikt ihm einen Klaps auf den Hinterkopf gibt. Man stört Vaters Predigten nicht.

“Beim Jagen isser umgekommen. Beim Jagen! Ein Heckler!” Jetzt schreit er fast, und Niels bekommt Angst. Die Augen seines Vaters bekommen einen fanatischen Glanz. “Das ist die gerechte Strafe für sein Verhalten! Hat sich abgesetzt wie ein gemeiner Dieb, zur Hure Babylon, hat die Schixn geheiratet und seiner Tochter das Jagen beigebracht! Einer Frau! Widernatürlicher Kretin!” Gustav spuckt aus. Benedikt und Joseph nicken nur, aber Niels versteht kein Wort. Allerdings kann er seinen verstorbenen Onkel in diesem Moment nur bewundern. Sich von Gustav abzusetzen, erfordert Mut und Rückgrat. Er wünscht sich in diesem Moment nichts mehr, als wie sein Onkel zu sein.

“Ihr Onkel war ein guter Mann, ein guter Katholik und ein guter… Jäger. Ja, ich weiß genau, womit Ihre Familie sich ihren Lebensunterhalt verdient.” Cedric machte wieder eine Pause, und Niels fragte sich, worauf Felicitys Großvater hinauswollte. “Und eben weil er gut war, glaube ich, dass sein Tod kein Zufall war.” Jameson stützte sich auf seinen Gehstock und beugte sich vor. “Ich will Ihnen einen Deal vorschlagen, Niels. Ich finanziere Ihr Studium, und Sie finden heraus, wer Jacob umgebracht hat.” Niels schluckte. “Bitte? Ich verstehe nicht… “ “Mein lieber Niels, Sie sind ein Jäger. Ein guter sogar, wie ich gehört habe. Und Sie sind auch ein Künstler und Student. Wenn Sie beides wollen, brauchen Sie Geld. Ich habe Geld und ich bitte Sie dafür um einen winzigen Gefallen. Schlagen Sie ein?”

Niels zögerte. Was konnte er ausrichten, wenn es noch nichtmal der Polizei gelungen war, herauszufinden, wer oder was Jacob Heckler umgebracht hatte? Aber Cedric war nun schon der Zweite, der ihn um diesen Gefallen bat.

Der alte Mann schien zu merken, dass Niels noch überlegte, ob er auf sein Angebot einging. “Sie müssen nicht sofort zusagen. Aber Sie sollten eines wissen. Ich habe Ihren Onkel wie einen Sohn geschätzt. Er kam ganz allein und mittellos nach Amerika, aber er hat nie geklagt, nie gejammert. Als er mich um die Hand meiner Tochter gebeten hat, habe ich keinen Moment gezögert, auch nicht, als er mir alles über Ihre Familie erzählt hat. Er hat meine Tochter geliebt und ihr gut getan. Seit seinem Tod ist Delia immer noch in Trauer. Sie lässt es sich nicht anmerken, aber solange sie nicht weiß, was genau damals in dieser Gasse passiert ist, wird sie niemals nach vorne sehen können.” Sein Blick wurde ernst. “Ich habe Ihnen alles Material zusammenstellen lassen, dass ich finden konnte. Sehen Sie es sich an. Sie haben als Jäger auch ganz andere Kontakte als ich.”

In Niels’ Kopf rasten die Gedanken. Die Aussicht, keine finanziellen Sorgen mehr zu haben, war verlockend, aber er wusste nicht, ob er der Aufgabe gewachsen war.

Sie haben als Jäger auch ganz andere Kontakte als ich.

Niels dachte an Irene Hooper-Winslow und seine neue Freundin Chloe Bush, die Journalistin. Mit Bart Blackwood kannte er außerdem jemanden, der über ein großes theoretisches Wissen verfügte. Immerhin hatte er dem Gelehrten schon vor einigen Wochen von Jacobs Haus erzählt, in dem wohl immer noch Unterlagen seines Onkels lagen. Jetzt bekam das Ganze eine ganz neue Wendung: Was, wenn Felicity ihn damals schon in die gleiche Richtung hatte bringen wollen wie ihr Großvater jetzt?

Ich wünschte, Du hättest meinen Vater kennengelernt. Er war so ein großartiger Mann. Ihr hättet euch so wunderbar verstanden.

Cedric war inzwischen aufgestanden und ging langsam zur Tür. “Wie gesagt, überlegen Sie es sich,” meinte er noch, als er die Tür öffnete. Niels dachte an Felicitys Worte. Zu seiner eigenen Überraschung hörte er sich sagen: “Mr Jameson? Ich nehme Ihr Angebot an.” Jameson drehte sich wieder um und lächelte zufrieden. “Nichts anderes habe ich erwartet. Fangen Sie sofort an.”

Einige Wochen später, in New York

“Niels, mein Junge. Wie schön, dass du hier bist. Ich muss dir etwas sagen.” Delia Jameson sah ihn ernst an, und Niels befürchtete, dass er etwas ausgefressen hatte, was den Jamesons nicht behagte. Oder war es doch seine Verwandtschaft mit Gustav?” “Hab ich was falsch gemacht?” fragte er besorgt, doch seine Tante schüttelte nur den Kopf. “Es geht um deinen Vater, Niels. Deinen richtigen Vater.” Niels merkte, dass er seinen Mund öffnete und wieder schloss, ohne einen Ton zu sagen. Sein richtiger Vater? Gustav war sein Vater, daran gab es nichts zu rütteln. Man konnte doch sehen, dass er ein Heckler war, er sah seinem Vater so ähnlich…

In diesem Moment setzten sich die Puzzleteile der letzten Wochen zusammen.

Seamus? Entschuldigen Sie, Sie sehen ihm so ähnlich. Sie erinnern mich an Ihren Onkel. Du bist wie mein Vater, Niels. Weil du genau wie sie mein Fleisch und Blut bist.

Jacob. Jacob war nicht sein Onkel, Jacob war sein Vater. Felicity war nicht seine Cousine, Felicity war seine Schwester. Halbschwester. “Jacob?” fragte er nur tonlos, obwohl er die Antwort bereits kannte, seine Stimme gehorchte ihm nicht wirklich. Delia sah ihn lange an, dann nickte sie nur schweigend. “Dann… dann wusstest du es?” fragte er. Sie nickte wieder. Niels’ Gedanken rasten. Jetzt hatte er gerade eine Familie gefunden, würde er sie jetzt auch gleich wieder verlieren? Er könnte es verstehen, wenn Delia Jameson nicht mehr mit dem fleischgewordenen Fehltritt ihres Mannes konfrontiert werden wollte. “Ich habe es geahnt. Es gab diese Zeit vor 22 Jahren, Lizzie war sehr schwierig und oft krank, und Jacob und ich.. wir haben viel gestritten. Eines Tages sagte er, dass er weg müsse, zwei Wochen, wohin, hat er nicht gesagt. Ich habe erst später herausgefunden, dass er in Deutschland war.” Sie sah ihn traurig an, und Niels spürte, dass es ihr nicht leicht fiel, das alles zu erzählen. Sie hatte Jacob sehr geliebt.

“Weiss Felicity, dass..?” Dass ich ihr Bruder bin? Dass ihr Vater ihre Mutter betrogen hat? “Nein. Ich war mir ja lange selbst nicht sicher, bis ich dich zum ersten Mal gesehen habe. Aber du siehst aus wie er, ich kann es nicht bestreiten. Manchmal.. manchmal tut es mir fast weh, dich anzusehen.” Niels sah, dass sie mit den Tränen kämpfte, und er wusste selbst nicht, was in ihm vorging, aber er ging auf sie zu und nahm sie in den Arm. “Tante Delia… Es tut mir so leid,” flüsterte er. Sie löste sich von ihm. “Du kannst doch am allerwenigsten etwas dafür,” antwortete sie unter einem höchst undamenhaften Schniefen.

Ihm kam jetzt ein Gedanke. “Warum..?” Warum hat er mich nicht zu sich geholt? Warum hat er zugelassen, dass Gustav mit mir tut, was er getan hat? “Deine Mutter hatte Angst, dass dein Vater.. dass Gustav herausfindet, dass du nicht sein Sohn bist. Dass sie ihn betrogen hat mit seinem verhassten Bruder.” Als sie Niels’ fragenden Blick bemerkte, fasste sie sich kurz an an die Stirn. “Entschuldige. Ich habe vor kurzem einen Brief von ihr gefunden, er lag noch bei Jacobs Sachen. Ich habe seine Sachen nie angerührt, aber als ich dich bei Felicity gesehen habe, wollte ich Gewissheit. Das hier habe ich mitgenommen.” Sie reichte Niels zwei Briefumschläge. Auf dem einen erkannte er die mädchenhafte Handschrift seiner Mutter, auf dem anderen die kantigen Buchstaben von Gustav. Er zog den Brief seiner Mutter aus dem Umschlag und begann zu lesen.

“Mein lieber Jacob,

das Baby ist jetzt zwei Tage alt, und ich bin so froh, dass diese Schwangerschaft endlich vorbei ist. Es war so viel schwerer als mit seinen Geschwistern. Wahrscheinlich hat er meine Angst gespürt, die ich hatte, dass Gustav alles herausfindet. Ich habe es überstanden, und er hat ihn als seinen Sohn angenommen. Aaron hat er ihn genannt. Jacob, komm nicht her. Komm nie wieder her. Das ist jetzt sein Kind, und wenn er jemals herausfindet, dass das nicht so ist, wird er uns alle drei umbringen. Bitte, Jacob. Tu es für mich. Tu es für unseren Sohn.

Maria”

Niels spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte. Er hatte seine Mutter oft verachtet dafür, dass sie sich Gustav so untergeordnet hatte, dass sie zugelassen hatte, dass er sein Kind so quälte. Was er jedoch aus diesen Zeilen las, war die pure Angst, und die Liebe zu ihm und zu Jacob. Mit einem lauten Seufzen öffnete er den zweiten Umschlag.

“Jacob,

hast gedacht, ich find’ nicht raus, dass du mir deinen Bastard untergeschoben hast? Hast gedacht, ich weiß nicht, dass du mit meiner Frau rumgehurt hast? Ich hab’ überlegt, ob ich sie totschlage, die Ehebrecherin, sie und das dreckige Balg. Aber ich will nicht, dass nachher jemand hier rumschnüffelt, weil meine Frau nicht mehr auftaucht. Hat ja jeder gesehen, dass sie mit deinem Bastard schwanger war.
Ich hab eine bessere Idee, lieber Bruder. Das ist jetzt mein Kind, mein Sohn. Steht auf dem Wisch, den sie mir auf dem Amt in die Hand gedrückt haben. Und mit meinem Kind kann ich machen, was ich will. Ich werd’ ihn zu einem von uns machen. Ein richtiger Heckler, ein richtiger Jäger. Wie Vater und Onkel Ludwig. Nicht so ein verweichlichter Feigling wie du. Und weißt du, was das beste ist? Du kannst nichts tun! Nichts! Denn du hast keinen Sohn, du verdammter Dreckskerl. Solltet ihr euch jemals begegnen, dann werde ich dafür gesorgt haben, dass Aaron dich hasst, weil ich ihn gelehrt habe, dich so zu hassen, wie ich dich hasse.

Denn der Herr ist mit mir.
G.”

Niels betrachtete beide Schreiben. Auch wenn Delia sich ziemlich sicher zu sein schien, und auch seine Mutter der Meinung gewesen war, dass Jacob sein Vater gewesen war, waren das alles keine Beweise, nur Vermutungen. Delia bemerkte seinen fragenden Blick und deutete auf eine angegilbte Fotokopie, die sich ebenfalls in dem Umschlag von Gustav befand. Niels nahm sie heraus und las sich das Schreiben durch. Es war von einem Institut für Vaterschaftstests in München. “Überprüft wurden der Säugling Aaron Heckler und Herr Gustav Heckler… Konnte nur eine geringe Übereinstimmung festgestellt werden… Mit 99.9% Wahrscheinlichkeit kann eine Vaterschaft von Herrn Gustav Heckler ausgeschlossen werden.”

Jetzt konnte Niels nicht mehr an sich halten, haltlos schluchzend lag er in Delias Armen, die beruhigend auf ihn einredete. In seiner Hand hielt er immer noch Gustavs Brief, schwarz auf weiß die Ankündigung seines Martyriums. Der alte Heckler hatte all die Jahre gewusst, dass Niels nicht sein leiblicher Sohn war, und ihn als Werkzeug der Rache an seinem Bruder aufgezogen. Vorsichtig nahm Delia ihm den Brief aus der Hand und legte ihn beiseite, während sie Niels immer noch im Arm hielt. “Verstehst du ihn jetzt besser?” fragte sie irgendwann leise, “er hatte Angst. Angst um dich und deine Mutter, und vielleicht auch um sich.” Niels nickte nur und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Delia reichte ihm lächelnd ein Taschentuch. “Du hast Glück, dass du kein Mädchen bist. Du siehst furchtbar aus, wenn du weinst,” meinte sie, um ein wenig das Thema zu wechseln. Er nickte, das hatte ihm Philip auch schon gesagt. “Tante Delia… wenn es dir nicht zu unangenehm ist, kannst du mir von Onkel Jacob.. von meinem Vater erzählen?” Er spürte, dass es sich immer noch seltsam anfühlte, Jacob Heckler als das anzusehen, was er war: Seinen Vater. Nicht nur sein Erzeuger, sondern sein Vater. Obwohl er im Moment nicht wusste, ob er ihn für einen riesigen Feigling hielt, der ihn und seine Mutter Gustav ausgeliefert hatte, oder jemanden, der umsichtig genug gewesen war, sich aus dem Leben seines Kindes herauszuhalten. Vielleicht hatte er gehofft, eines Tages noch die Zeit zu haben, sich mit ihm auszusprechen. Gerade stand im Vordergrund, dass er nicht wusste, wer der Mann war, dem er seine Existenz verdankte.

Langsam nickte sie. Es würde ihr nicht leicht fallen, aber sie würde es schaffen. Sie hatte ihren Mann verloren, aber irgendwie war ein Teil von ihm wieder zu ihr zurückgekommen, in der Gestalt seines Sohnes.

“Können wir.. können wir es Felicity sagen?” fragte er dann. Delia betrachtete ihn, sie hatte das Gefühl, ihr würde das Herz zerspringen vor Glück und gleichzeitiger Trauer. Glück, weil sie keinen Groll mehr spürte, sie mochte Niels, und sie konnte ihm keinen Vorwurf machen. Der Junge war durch die Hölle gegangen. Trauer, weil er sie so unfassbar an Jacob erinnerte. Nicht nur im Aussehen, sondern in seinem ganzen Verhalten, seiner Art.
Fast automatisch strich sie ihm über die dunkelblonden dichten Haare, wie sie es bei ihrer Tochter so oft getan hatte, als sie noch klein war. Wollte sie Felicity, die frisch verheiratet und glücklich war, sagen, dass sie einen Bruder hatte? Aber sie wusste auch, was Niels ihrer Tochter bedeutete, auf sie hatten sie bereits wie Geschwister gewirkt in ihrem ganzen Verhalten.

“Ruf sie an.”

[..]
Die Tür öffnete sich, und Cedric kam herein. Sein Blick fiel auf Niels, und der versuchte schnell, mit einer Handbewegung seine roten Augen und die laufende Nase zu verbergen. “Mein Junge, Männer weinen nicht. Wenn sie es tun, haben sie meistens einen guten Grund dazu.” Der alte Mann deutete ein Lächeln an, doch der erste Teil hatte Niels sofort wieder in die Küche der Hecklers zurückversetzt, zurück zu den “Lektionen”, die Gustav seinen Söhnen mit seinem Gürtel beigebracht hatte.

Niels spürte, wie er sich versteifte, herausfordernd sah er Cedric an. Der ließ sich nicht von Niels’ dunkelblauen Augen beeindrucken, sondern nahm einen Stuhl und setzte sich. Dann stützte er sich auf seinen Spazierstock und fragte: “Wie fühlst du dich?” Niels zuckte zusammen. “Tante Delia.. Delia.. hat sie.. was hat sie…?” Seine Stimme gehorchte ihm nicht, er fürchtete wieder, dass er nun des Hauses verwiesen wurde. Er war eine Schande für Gustav, er war eine Schande für Jacob.

“Niels, ich habe dir schon mal gesagt, dass ich alt, aber nicht weltfremd bin. Im Gegensatz zu meiner Tochter und meiner Enkelin war mir sofort klar, wer da vor mir stand.” Er lächelte, ein warmherziges, großväterliches Lächeln. “Setz dich zu mir. Ich glaube, du hast einige Fragen, die dir Delia nicht beantworten kann.” Niels nickte. Vor allen Dingen eine Frage lag ihm auf dem Herzen, eine Frage, die er sich nicht getraut hatte, Delia zu stellen. Wortlos reichte er Cedric jedoch zunächst die beiden Briefe. “Junge, mich ehrt dein Vertrauen, aber ich spreche nicht halb so gut Deutsch wie Du, deine Tante oder deine Cou.. deine Schwester.” Er gab die Briefe zurück an Niels, der einen nach dem anderen aus dem Umschlag nahm und mit schwerer Stimme übersetzte, so gut er konnte. Er wollte nicht wieder weinen, diesen letzten Triumph würde er Gustav nicht gönnen.

Als er fertig war, konnte er jedoch nicht anders, als sich noch einmal mit dem Ärmel über das Gesicht zu fahren, was Cedric veranlasste, eine Augenbraue hochzuziehen. “Ich glaube, ich kann deinen Vater.. diesen Gustav.. immer weniger leiden. Nach allem, was ich von ihm gehört habe, scheint er jemand zu sein, zu dem man den größtmöglichen Abstand einhalten sollte. Wissen eure Behörden, was er so treibt?”

Du musst ihn anzeigen, Niels. Das ist Kindesmisshandlung und Körperverletzung. Er hat dich beinahe umgebracht. Hast du deinen Rücken mal gesehen? Nein? Ich aber! Und deine bescheuerten Brüder kannst du gleich mit anzeigen. Sowas jemandem anzutun, nur weil er nicht so lebt wie sie. Die sind doch völlig wahnsinnig!
Halt endlich den Mund, Philip. Halt bitte einfach den Mund. Du hast doch keine Ahnung.

Niels schüttelte nur den Kopf. Eine Anzeige hätte Gustav nur noch wütender gemacht. Er hatte Philip niemals erzählt, dass einer seiner wiederkehrenden Albträume gewesen war, dass Gustav, Joseph und Benedikt in ihre Wohnung in München einbrachen, Philip umbrachten und ihn zurück schleppten. Vielleicht wäre einiges anders gelaufen, wenn er es getan hatte, aber jetzt war es müssig, darüber nachzudenken.

“War Jacob wirklich ein Feigling?” platzte es jetzt aus ihm heraus, das hatte ihn seit Delias Enthüllung beschäftigt. Cedric sah ihn nur kurz irritiert an, doch dann schien er zu verstehen, was Niels meinte. “Was denkst du?” fragte er nur, und Niels überlegte. Jacob hatte den Mut besessen, sich gegen seine Familie zu stellen, aber er hatte nicht den Mut besessen, Gustav seinen Sohn zu entreißen. “Ich will wissen, ob er aus reiner Bequemlichkeit nicht zurückgekommen ist. Ob er mich nicht wollte. Verdammt nochmal, ich bin sein Sohn!” Aufgebracht stand Niels auf, mit erhobener Faust stand er vor der Wand und überlegte, ob er zuschlagen sollte. “Was wäre denn die Konsequenz gewesen, hätte er dich mitgenommen? Abgesehen davon, dass du offiziell das Kind seines Bruders warst und er sich dem deutschen Gesetz nach strafbar gemacht hätte, was hätte Gustav getan?” Niels schluckte und ließ den Arm wieder sinken. Er kannte die Antwort. Gustav hätte nicht mit der Wimper gezuckt und sie alle drei umgebracht. Seinen verhassten Bruder, seine ehebrechischere Frau und ihr gemeinsames Kind.

“Aber.. meine Mutter.” Er war noch immer nicht überzeugt. “Deine Mutter ist eine kluge Frau. Sie hat dich beschützt, indem sie dich als Gustavs Kind ausgegeben hat. Abgesehen davon, sie hatte noch drei andere Kinder. Glaubst du, sie hätte deine Brüder und deine Schwester im Stich gelassen?” Cedric wurde jetzt etwas ungehaltener. “Und sie wusste genau, dass Jacob verheiratet ist und bereits ein Kind hat.” Er beugte sich vor und sah Niels direkt in die Augen. “Junge, sie haben das Beste für dich getan. Was daraus geworden ist, konnten sie beide nicht ahnen.” Niels wusste, dass der alte Mann recht hatte, und er wusste auch, dass seine Mutter nichts davon geahnt hatte, dass ihr Ehemann ihr auf die Schliche gekommen war. Eines Tages musste er mit ihr reden und ihr alles erzählen, die letzte Nacht, und dass er jetzt langsam eine Ahnung bekam, wer er war. Ein Heckler, ein Jäger, und zwar ein guter. Der Sohn von Jacob und Maria.

“Wie geht es jetzt weiter?” wollte er von Cedric wissen. “Wie soll es schon weitergehen? Du wirst versuchen, herauszufinden, wer deinen Vater auf dem Gewissen hat, und ich freue mich, seinen Sohn dabei zu unterstützen.” Jetzt lächelte Cedric wieder, und Niels wusste, warum er Felicitys Großvater so mochte. “Ihr werft mich nicht raus?” fragte er ungläubig, was ihm jedoch ein amüsiertes Schnauben von Seiten Cedrics einbrachte. “Warum? Sicher, wir müssen uns alle erstmal an die veränderten Familienverhältnisse gewöhnen, aber das kriegen wir hin. Vielleicht ist es auch ganz gut, wenn Delias Heiligenbild von deinem Vater.. von Jacob etwas angekratzt ist, sie hebt ihn sehr auf einen Sockel. Aber verrat ihr nicht, dass ich das gesagt habe.” Er lächelte verschmitzt. “Ansonsten.. Willkommen zuhause, Niels Heckler.”

Comments

Niniane

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