Mädchenkram - Supernatural

Ring of Fire

aus Barrys Tagebuch

Ich habe Beth Taylor umgebracht.
Endlich.

…jetzt habe ich wieder Zeit für meine Aufzeichnungen. Gut, ich muss immer noch das Ende schreiben und wenigstens einmal kurz drüber schauen, bevor ich das Manuskript einreiche, aber Beths Tod war der Höhepunkt. Ich brauche eine Pause.

Und die verbringe ich damit, zu schreiben. Sehr gut, Jackson. Sehr entspannend.

Ich bin bei meinen Aufzeichnungen an einer konfusen Stelle stehen geblieben, weil nebenher so viel passiert ist (oder gerade nicht passiert ist): Clive, der Vampirkönig, die Fast-Apokalypse in Wyoming, die Windpockenplage hier zu Hause. Aber ich glaube, das sortiere ich woanders. Das ist kompliziert, nicht nur chronologisch, sondern auch… emotional, irgendwie. Ich nenne das Ding dann Gefühlsduselei in B-Moll oder so.

Jetzt geht es aber erst mal um die Sache in Idaho. (Ich sehe schon die Fragezeichen vor mir: Idaho? Was soll schon in Idaho passieren? Wo ist Idaho noch mal genau?)

Es fing mit meinem Dad an. Beim letzten Telefonat erzählte er mir beiläufig, er hätte Rusty neulich getroffen. Rusty Cage, von Our World First, einer Umweltorganisation. Hauptsächlich mit Wäldern befasst. Ich kannte Rusty schon seit… keine Ahnung, dreißig Jahren? War ein alter Freund von Dad. Hatte mir mal ein Schaukelpferd gebaut.
Jedenfalls hatte Rusty ein Problem und brauchte einen Privatdetektiv. Nämlich mich. Ich zögerte ein wenig, weil ich eigentlich nicht schon wieder los wollte, aber Dad bequatschte mich. Schaukelpferd, Umweltschutz und so weiter.

Also flog ich nach Boise, Idaho. Traf mich mit Rusty. Versuchte, über seine Reaktion auf meinen Haken hinwegzusehen. War eine Weile her, dass wir uns das letzte Mal getroffen hatten.
Nach anfänglichem Zögern taute er auf und erzählte mir wort- und gestenreich vom Sawtooth National Forest in der Nähe von Hailey. Vor drei Jahren hatte es dort einen Großbrand gegeben, der im August mehr als drei Wochen wütete. Seither kam es dort immer mal wieder zu kleineren Feuern, bei denen ein paar Leute ums Leben gekommen waren. Rusty vermutete Brandstiftung – er hatte diverse Ideen, wer dahinterstecken könnte, die mir alle nicht sonderlich realistisch vorkamen, aber gut. Ich würde mir die Sache mal anschauen.

Ich war nicht der einzige, den Rusty kontaktiert hatte – es gab da noch eine Reporterin, die er auf die Geschichte gestoßen hatte und die jetzt auch recherchieren sollte. Chloe Bush. Ich rief sie an und verabredete mich mit ihr in einem Kaffeeladen in Hailey.
Sie war nicht allein unterwegs: Irgendwo hatte sie Cal Fisher ausgegraben. Von dem hatte ich nun schon viel gehört – von Sunny, von Ethan – ihn aber noch nie getroffen. Sah aus wie ein hartgesottener Typ. Gefährlich. Kein netter Kerl.

Außerdem war Niels Heckler in dem Kaffeeladen. Was für ein Zufall. Immerhin kannte der sowohl Cal als auch mich. Machte das Gespräch einfacher. Chloe hatte Cal über Irene angeheuert – sie wusste nicht, meinte sie, dass ich auch Jäger bin. Ich sagte leise, Privatdetektiv, aber ich glaube, das hörte keiner. (Beim nächsten Mal sage ich Dichter. Die Gesichter will ich sehen.)
Niels meinte, er wäre ja eigentlich nur zum Zeichnen hier. Ich zuckte die Schultern. Du musst selbst wissen, ob du mitwillst, sagte ich ihm. Er schaute nicht ganz glücklich, aber er blieb da.

Es gab in Hailey ein Büro von Our World First, in dem wir Rowena Myerson trafen. Dort erfuhren wir, dass es bei dem großen Feuer 2013 zwei Todesopfer unter den Feuerwehrleuten gegeben hatte. Seither hatte es zehnmal gebrannt, und jedes Mal gab es einen Toten. Vom Blitz getroffen, berichtete Rowena. Alle. Möglicherweise waren die Waldbrände dadurch ausgelöst worden.
Kam uns seltsam vor. Chloe stellte einen Haufen Fragen über Gewitter und Wälder (keine Ahnung, ob sie wirklich so wenig wusste oder ob sie Rowena nur zum Reden ermuntern wollte) – keine sonderlich neuen Erkenntnisse, aber die Feuer entzündeten sich alle in derselben Gegend, in der auch das große Feuer seinen Ursprung gehabt hatte. Die meisten Toten waren Wanderer, aber es war auch ein Forstarbeiter dabei. Hätte der nicht wissen müssen, dass Gewitter gefährlich sind? Hm, ja, schon, meinte Rowena. Komisch eigentlich.

Wir gaben ihr den Auftrag, mal im meteorologischen Institut nachzufragen, ob für den jeweiligen Zeitraum wirklich ein Gewitter gemessen wurde. Nur zur Sicherheit. Sie schaute nicht mal überrascht, Chloes Fragen hatten sie so ausgelaugt, dass sie sich über nichts mehr wunderte.

Danach Kriegsrat. Zu viele Leute, die am Blitzschlag gestorben waren, für so ein beschränktes Areal. Das wollten wir uns genauer ansehen. Niels meinte, er wäre in einem Wald aufgewachsen und würde sich auskennen. Okay.
Irgendwann bei diesen Gespräch müssen wir auf das Thema „Familie“ gekommen sein. Niels meinte, Familie wäre scheiße. Die anderen beiden nickten zustimmend. Ich sagte nichts dazu. Wozu auch? Aber meine vage Sympathie für den jungen Deutschen nahm ab.

Wir fuhren mit Niels‘ und Cals Autos zu einem Wanderparkplatz in der Nähe; Chloe und ich waren mit dem Flugzeug gekommen. Als wir an den Wagen unsere Ausrüstung einpackten, sah ich in Cals Kofferraum Waffen: Gewehre. Pistolen. Äxte. Messer. Granaten. Eine Landmine. Nicht schlecht. Ich fragte mich, wo er das Zeug herhatte. An so was kam man nicht so leicht ran.
War aber nicht so wichtig. Unter Niels‘ Führung folgten wir dem Beaver Creek Trail, einem schmalen, naturbelassenen Wanderweg, der in das verbrannte Gebiet hineinführte. Um zu dem Ort zu kommen, wo der Forstarbeiter vor zwei Wochen gestorben war, mussten wir den Pfad verlassen, aber wir fanden das Gebiet schnell. In der Luft hing noch ein vager Brandgeruch, der Ruß war so frisch, dass er stellenweise noch an unseren Kleidern hängenblieb.
Dort, wo der letzte Brand begonnen hatte, stand ein Baum mit einer seltsamen Verdickung. Sah fast aus wie… Köpfe? Tierköpfe? Chloe betrachtete die Gebilde durch den Sucher ihrer Kamera – meinte dann, es wären Bärenköpfe, ein jüngerer, ein älterer.

Ich ging nicht weiter auf ihre Kamera ein. Brian hatte auch mal so ein ähnliches Gerät, aber das hat er irgendwann zerstört. Sollte wohl nur aufpassen, dass Chloe keine Fotos von mir macht. Schien sie aber auch nicht vorzuhaben.

Bärenköpfe, hm? Ich konzentrierte mich auf mein rechtes Ohr – irgendwas… ja. Ich hörte etwas. Schreie. Schmerzensschreie, und das Prasseln von Feuer. Wo kam das her? Vorsichtig ging ich in eine Richtung. Kam zu einem anderen Baum. Sah vage menschlich aus, die Äste ausgestreckt wie Arme, die Wurzeln verknotet wie langgestreckte Füße.
Aber das war nicht alles. Das war nicht nur ein Schrei. Ich suchte weiter, fand noch zwei andere Bäume, die mit ein bisschen Fantasie menschlich aussahen. Wieder das Geräusch von Feuer unter den gequälten Rufen, bei beiden. Chloe sah durch ihre Kamera, sagte, in jedem Baum wäre eine Frau: Eine junge, eine alte und eine irgendwo dazwischen.
Alle Brände hatten ihren Ursprung im Dreieck zwischen diesen Bäumen. Außerdem lag nicht nur der ersten Baum mit den beiden Bärenköpfen darin, sondern wir fanden noch einen weiteren mit einem Bärenkopf, laut Chloe weder jung noch alt. Genau wie die Frauen. Als ich mein Ohr an den Baum legte, hörte ich den Bär brüllen: Wut, Verzweiflung, Schmerz.

Da wir nicht dauernd zwischen Hailey und dem Wald hin- und herfahren wollten, beschlossen wir, einen der Bäume zu fällen. Ich gab Niels meine Axt. Der maulte zwar ein bisschen, aber er sah dann doch ein, dass das ein Job für jemanden mit zwei Händen war (okay, vielleicht war das auch nur Sarkasmus. Ich hatte die Ohren voller Schmerzensschreie und war möglicherweise etwas humorbefreit). Außerdem hatte er sowas schon mal gemacht.
Die Axt biss ein paar Mal ins Holz, und die Schreie veränderten sich. Wurden lauter. Wütend. Dann peitschten zwei Äste nach Niels. Um ihre Spitzen loderten blasse Flammen. Chloe rief eine Warnung, ich stellte mich den wild um sich schlagenden Ästen in den Weg. Niels sprang zur Seite, rollte sich ab und zog seine Luger. Cal hatte eine Machete in der Hand und schlug damit probeweise nach den Ästen, ohne einen richtig zu treffen. Aus dem Stamm schälte sich eine rußige, vage weibliche Gestalt. Auf Chloes Versuche, mit ihr zu sprechen, reagierte sie nicht; vielleicht ließen wir ihr auch zu wenig Zeit. Ich nahm die Axt, wollte einen Ast abschlagen, verfehlte. Bewegte mich zu weit nach vorn und stand plötzlich vor der schattigen Gestalt, die nach mir griff und versuchte, mich in eine Umarmung zu ziehen. Auch wenn ich kein Feuer sehen konnte, fühlte es sich trotzdem an, als würde sie in Flammen stehen – sie erwischte Schulter und Rücken, bevor ich aus ihrer Reichweite kam. Schönes Gefühl.

Niels schoss auf den Baum, Holz splitterte, aber sonst kein Effekt. Cal schlug mit der Machete einen Ast ab. Störte den Geist scheinbar nicht. Chloe rief, da ist etwas im Wald, etwas Großes, es kommt auf uns zu. Großartig.
Ich ließ die Axt fallen, benutzte den Haken. Mein Ersatzhaken, ein schweres Ding aus Gußeisen. Immerhin, Eisen hilft gegen Geister, und ich riss einige schattige Fetzen aus der Gestalt. Die Gestalt versuchte erneut, mich zu packen, aber meine schmerzende Schulter motivierte mich, ihr aus dem Weg zu bleiben.
Hinter mir bellte die Luger wieder, und was auch immer Niels für Munition verwendete, sie war effektiv: Das Geschoss durchschlug die Gestalt in der Körpermitte und hinterließ ein großes Loch. Beim Baum entsorgte Cal den zweiten Ast.
Chloes Warnung wurde drängender. Wir hatten keine Zeit mehr. Ich machte wieder ein paar Schritte auf den Geist zu. Jetzt, durch das große Loch, sah ich ein dumpfes Glühen im Brustkasten der Gestalt. Mit dem Haken griff ich danach und riss es heraus. Ein paar Flammen tropften zu Boden, loderten auf, bildeten fast ein Muster. Ich trat sie aus.
Das reichte: Die Gestalt verschwand abrupt. Die näher kommenden Geräusche im Wald brachen ab. Der Baum wehrte sich nicht mehr, als Cal ihn fällte. Dabei fand er zwischen den Wurzeln ein paar Knochen – wir suchten genauer, fanden noch mehr. Anzünden und salzen, und die Schreie, die mir die ganze Zeit im Ohr klangen, hörten auf. Gut.

Nachdem wir den Geist erledigt hatten, frischte der Wind auf, und während wir mit Baum und Knochen beschäftigt waren, zogen sich dunkle Wolken zusammen. Ein Gewitter. Zeit, den Wald fürs erste zu verlassen.

In Hailey setzten wir uns im Diner wieder zusammen, nachdem Niels meine Verbrennungen versorgt hatte. Machte er gut, war wohl auch nicht so schlimm. Der Krähe auf der rechten Schulter war jedenfalls nichts passiert, aber das hätte mich auch gewundert.

Chloe hatte die Fahrt genutzt und schon einmal die Geschichte der Stadt gegoogelt: Offenbar hatte es da vor ein paar Generationen mal eine Hexenverfolgung gegeben. Chloe wollte wissen, ob es sowas überhaupt gab, und ich erklärte ihr, ja, Hexen gibt es, und vielleicht gibt es auch nette Hexen, aber die können sehr, sehr bösartig werden. Dachte an Coleen und Ethans Fluch. An Malgorzata und ihre Suppe. An die Hexe von Crested Butte und die verschwundenen Kinder.
Niels echauffierte sich dann, sein Vater glaubte ja wohl, dass Hexenverbrennungen auch heutzutage noch eine gute Idee wären. Das wäre ja wie zu Hause hier! Er wolle mit so etwas nichts zu tun haben. Ich sagte ihm, musst du auch nicht. Ist deine Entscheidung. Cal fügte hinzu, er könnte ja auch was anderes machen, solle dann aber dabei bleiben. Niels meinte, na, einer muss es ja machen. Ich sagte ihm, musst ja nicht du sein. Wir kommen auch ohne dich klar. Da ging mir sein Genörgel schon auf die Nerven.
Er sprang erregt auf. Ich bin ein guter Jäger, erklärte er lautstark. Ich kann das! Dann fing er wieder mit dem Gezeter über seinen Vater an. Ich sagte ihm, sei mal leiser hier. Er keifte mich an, ich bin so laut, wie ich will! Das war mir dann doch zu dumm. Auf dem Niveau diskutierte ich mit Pete, aber der war vier. Mein verächtliches Schnauben ging in Chloes Worten unter. Jetzt sei mal nicht so bockig, sagte sie. Klang wie Kate, wenn sie ihren kleinen Bruder zurechtwies.
Mit einem beleidigten Gesichtsausdruck ließ sich Niels wieder auf seinen Stuhl fallen und verschränkte die Arme. Hatte dem eigentlich niemand gesagt, dass er seine Gefühle in seiner Kunst abarbeiten sollte und nicht an anderen Leuten?
Cal fand das ganze Geplänkel scheinbar sehr amüsant. Er lachte. Niels schaute noch beleidigter. Kein Wunder. Ich beherrschte mich und lachte nicht mit.

Am nächsten Morgen trafen wir uns beim Stadtarchiv. Niels war wieder dabei, Cal wirkte… anders als am Vortag. Fokussierter vielleicht. Irgendein Instinkt warnte mich, ihm nicht den Rücken zuzudrehen. Okay. Störte mich nicht.
Das Stadtarchiv war alt, staubig und hatte noch ein Kartenregister. Wir suchten eine Weile, dann ging Cal, um eine zu rauchen. Gute Idee. Ich folgte ihm, bot ihm eine Kippe an. Er nahm sie, obwohl er noch eigene hatte. Wir rauchten schweigend, ungefähr eine Minute, dann tauchte Niels auf. Großartig. Ich bot ihm auch eine an, aber er rauchte nicht.
Tut mir leid wegen gestern, murmelte Niels. Schaute zerknirscht. Warum erzählte er das draußen, und nicht, als Chloe dabei war?
Schon gut, sagte ich. Cal rauchte desinteressiert weiter. Niels stand noch eine Weile herum wie Falschgeld. Erklärte schließlich, er wollte nicht so werden wie sein Alter. Schön für ihn. Ich überlegte kurz – offensichtlich wollte er über seine Vaterkomplexe reden, aber ehrlich gesagt, ich hatte keine Lust, mir das anzuhören. Wollte in Ruhe rauchen, aber das war ja wohl nicht möglich. Also sagte ich ihm, dann lass es, und ging wieder nach drinnen. Der Kleine brauchte einen Therapeuten und keinen… Schriftsteller.

Drinnen hatte Chloe mittlerweile die entscheidenden Informationen gefunden: Vor etwa 150 Jahren hatten am Beaver Creek drei Frauen gewohnt, Valerie, Susan und Theodora Drayper. Waren angeblich Hebammen, hatten zahme Bären. Schließlich überzeugte Thornton Taylor die anderen Einwohner von Hailey, dass die drei Frauen Hexen waren und verbrannt werden mussten. Das war 1866, da zog das Argument noch.

Gegen Mittag meldete sich Rowena von Our World First mit den Ergebnissen der Meteorologen: Ja, es gab ungewöhnlich viele Gewitter im Naturschutzgebiet. Mehr seit dem großen Feuer von 2013. Seltsamerweise hatte es in der Gegend regelmäßig große Brände gegeben: Am 07. August 1964 und am 07. August 1915 waren ebenfalls Feuer ausgebrochen.
Die Mathematik war einfach: Aller 49 Jahre war ein Feuer ausgebrochen, das erste 49 Jahre, nachdem die Hexen verbrannt worden waren. Sieben mal sieben Jahre, und sieben ist für Hexen eine wichtige Zahl. Außerdem hatten wir selbst gesehen, dass in einen der Bäume 2013 ein Blitz eingeschlagen war – vielleicht in die anderen auch? Vielleicht nutzten die Hexen die Blitze, um sich zu stärken? Und jetzt griffen sie Leute an? Warum?

Kurze Nachforschungen brachten uns darauf, dass die Leute, die vom Blitz getroffen worden waren, alle hier aus der Gegend stammten. Nachfahren derjenigen, die die Hexen damals verbrannt hatten, vielleicht. Also Rache? Klang plausibel. Klang nach Hexen. Wenn die jemals wohlwollend gewesen waren, jetzt waren sie es nicht mehr.

Chloe wollte trotzdem mit ihnen reden. Für den Fall, dass das nichts brachte, schlug Cal vor, die Bäume mit Plastiksprengstoff zu verdrahten und in die Luft zu sprengen. War einfacher, als sie zu fällen. Gefiel mir. Ich bin von Brian schon gewohnt, dass Dinge in die Luft gesprengt werden. Niemand fragte, wo Cal den Sprengstoff her hatte.
Allerdings sagte ich Niels, er solle mal darauf achten, ob noch Wanderer im Wald waren. Kollateralschaden musste nicht sein. Warf nur unangenehme Fragen auf.

Zurück im Wald sprach Chloe zunächst die alte Frau an. Euch ist Unrecht geschehen, erklärte sie. Fragte mich ja, was sie so sicher machte, aber die Alte reagierte. Ich war der einzige, der ihre Stimme hörte, also sprachen wir über ein paar Ecken miteinander. Theodora Drayper wollte hauptsächlich Frieden (das zeigte sie wohl dadurch, dass sie willkürlich Leute ermordete, aber das erwähnte ich nicht), Taylor sollte Abbitte leisten. Der war nun leider schon tot, aber Chloe überzeugte sie, dass ihr ein Begräbnis auch Frieden bringen würde. Fein, sie ließ uns also die Knochen ausgraben, und weiter ging es zur nächsten Hexe.
Da gab es eine kleine Verwirrung wegen des Namens, Niels übernahm die Gesprächsführung, aber im Grunde lief es auf das gleiche hinaus: Wir würden ihnen Frieden bringen. Niels erwähnte etwas von geweihter Erde, und wir gruben auch diese Knochen aus.

Fuhren ein Stück den Beaver Creek entlang, weg von dem Baumdreieck. Hoben eine flache Grube aus, um die Knochen zu salzen und abzufackeln. Chloe runzelte die Stirn, meinte, sie hätte gedacht, Jäger würden ihr Wort halten. Wir hätten doch ein Begräbnis versprochen.
Cal zuckte die Achseln. Dem war das egal, der wollte hier nur fertig werden. Ich sagte Chloe, dass die Hexen so am ehesten ihren Frieden finden würden. In den Himmel kämen sie nach den ganzen Morden sowieso nicht. Sie schaute unzufrieden, aber sie ließ uns machen.

Nachdem die Knochen verbrannt waren, hörten die Schreie auf. Auch die der Bären. Deren Geister waren ebenfalls aus den Bäumen verschwunden. Vielleicht waren sie jetzt frei von den Hexen. (Meine Bereitschaft, Hexen nur als verfolgte Frauen anzusehen, hatte seit der Geschichte mit Malgorzata stark abgenommen. Merkt man vermutlich.)

Danach blieb nur noch, einen Bericht für Our World First zu schreiben. Chloe fand eine halbwegs plausibel klingende Erklärung: Brandlöcher durch die häufigen Blitzschläge, die sich immer wieder entzündeten. Keine Brandstiftung, keine Verschwörung, alles ganz natürlich. Ich rief Brian an, um herauszufinden, ob das jemanden mit einem wissenschaftlichen Hintergrund überzeugen würde, und er meinte, ja, das könne schon passieren. Theoretisch zumindest. Alles klar, damit musste Rusty leben. Der grummelte zwar, aber insgesamt war er zufrieden.

Cal verschwand direkt nach der Einäscherung, aber Niels und Chloe beschlossen, noch ein bisschen zu bleiben und zu zeichnen oder zu fotographieren. Großartig. Dann konnten sich die beiden ja gleich über ihre gräßlichen Familien austauschen.
Ich stieg am Friedman Memorial Airport in ein Flugzeug nach Salt Lake City, dann nach Denver, dann nach Little Rock. Fliegen ist gräßlich, und ich hätte den Umstieg in Salt Lake City fast verpasst, aber ich kam nach Hause. Zu meiner Frau, zu meinen Kindern. Zu meiner Familie.

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Timberwere

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