Mädchenkram - Supernatural

Zimmer 1408

Klaustrophobische Verhältnisse

Klack. Die Tür zu Zimmer Nummer 1408, President’s Hotel, Toronto, fällt ins Schloss. Augenblicklich wird mir unwohl. Noch unwohler. Das war ein Fehler, Barry, denke ich. Warum habe ich noch einen Schritt in den Raum gemacht, statt gleich umzudrehen und das Weite zu suchen? Mir gegenüber steht der große böse Wolf, ein EMR-Gerät in der Hand, seine Brauen schießen kurz nach oben, ziehen sich dann zusammen, während Barry ungerührt das Zimmer betritt. “Fisher.”
“Wenn ihr beide da seid, dann kann ich ja gehen”, haspelt der Wolf eilig und macht ein paar große Schritte an mir vorbei zur Tür. Ich ziehe unwillkürlich die Schultern hoch. Die bekannte Wolke aus kaltem Rauch umgibt ihn. Trotzdem. Oder gerade deswegen. Mein Magen ballt sich zusammen, während ich das Unausweichliche beobachte, die Szenerie vor mir irgendwie surreal und schrecklich langsam, weil ich sie vorausahnen konnte, kaum, dass ich ihn sah. Seine Hand packt den Türknauf, dreht, rüttelt, dreht noch weiter, rüttelt stärker. Keine Chance. Wir sind eingesperrt. Kälte durchläuft meine Blutbahnen. Gefangen.
Meine Phobie gaukelt mir das Gefühl von Felswänden rings um mich herum vor, die gebleckten Zähne, das Kläffen und Knurren. Ich haste in die Mitte dessen, was das Wohnzimmer der altmodischen Suite darstellt, um die Erinnerung abzuschütteln, mir zu beweisen, dass ich nicht eingeengt bin, genug Platz habe, um mich zu verteidigen. Meine Waffe ist geladen, ich bin wehrhaft. Ich bin nur in einem Hotelzimmer, kein Grund zur Beunruhigung. Die beiden Raubtiere hier sind menschliche Jäger, kein Grund zur Panik. Nur nicht direkt ansehen, nicht reizen. Ruhig atmen. Langsam ein, Luft kurz anhalten, langsam aus. Wiederholen.
Während ich das antrainierte Programm abspule, nehme ich die Umgebung in mich auf. Distanzen bis zu den Wänden, Fluchtwege (Fenster), Laufwege (Schlafzimmer, Bad), Deckung (Trennwände mit eingelassenen Regalen, Sofa, Sessel), bis mein Blick wieder bei Cal landet. So wie er mich ansieht, könnte man meinen, dass ich die Schlange bin und er das Kaninchen. Ein Kaninchen, das jetzt eine Pistole zieht, immer noch so alptraumhaft langsam. Meine eigene Hand findet ebenfalls ganz automatisch den Weg zur Browning. Er sieht mehr an mir vorbei als in meine Augen, als er die Waffe am Lauf greift und mir hinhält. Friede? Für den Moment? Eine schwache Geste. Wenn seine Stimmung umschlägt, wird er jede Menge andere Möglichkeiten finden, Barry und mich dem Spuk des Zimmers zu opfern, wenn das die Chance mit sich bringt, dass er sich selbst befreien kann. Vorsichtig schließe ich meine Hand um den Griff, frage mich, ob er mir ansieht, dass ich mir vorstelle, seine eigene Waffe gegen ihn zu richten, halte sie einen Moment zu lang so fest, stecke sie in meinen Hosenbund. Gefährlich, aber ich muss spüren können, dass das Ding bei mir ist. Die Geste wirkt. Ich atme noch einmal tief ein.
Barry beobachtet unser Schauspiel. Dem würde ich das Schießeisen am liebsten auch gleich wegnehmen. Er hatte die Pistole schon gezogen, als ich die Türe aufschloss. Und obwohl ich darauf hinwies, dass wir wahrscheinlich jemanden vom Selbstmord abhalten müssen, denn soviel wussten wir über das Zimmer, in dem sich einer der bekannteren und ziemlich fähigen Jäger umgebracht hatte, senkte er sie lediglich zögernd, statt sie wegzustecken. Er war schon gegenüber dem hilflosen Weibchen an der Rezeption so auf Krawall gebürstet, dass sie ihm den Ersatzschlüssel gegeben hat, nur weil sie von ihm ein paar Sekunden böse angestarrt wurde. Ich hätte eher so lange Geldscheine vor sie hingeblättert, bis ihr klar geworden wäre, dass ich nicht lockerlasse. Und ich habe auch so eine Idee, warum die andere so verheulte Augen hatte. Es war ja nicht Cal, der die Suite angemietet hat, sondern Barry.
Wenigstens fragt er nicht. Das mag ich an der Zusammenarbeit mit Jackson, dass man in seiner Nähe in aller Ruhe ein psychisches Wrack sein kann, ohne mit Fragen oder, schlimmer noch, guten Ratschlägen behelligt zu werden. Trotzdem wünschte ich, Ethan hätte selbst fahren können. Dann wäre jetzt ein bedachter Mensch mit den beiden eingeschlossen. Egoistisch, ich weiß, aber angesichts all des Ballasts zwischen uns und der Unfähigkeit meines Gehirns, seine Arbeit ordentlich zu verrichten, wenn ich weiß, dass ich keinen Ausweg habe, nur vernünftig. Ich muss mich zusammenreißen. Ethan wäre gegenüber Menschen, denen er auf Teufelkommraus vertrauen möchte, zu unvorsichtig. Ich muss da durch. Wahrscheinlich überleben wir diesen Ort nicht. Ich will hier raus. Atmen.

“Irgendein Schicksalsgott kann uns wirklich nicht leiden.”
Cal zuckt mit den Schultern. “Überrascht dich das?”
“Nein. Ich wüsste nur langsam gerne, welcher, oder womit wir das ausgelöst haben.”
Reden. Reden ist gut. Der kurze Austausch löst meine Anspannung soweit, dass ich mich noch einmal genauer umsehen kann, mit Augen für die andere Gefahr. Das Zimmer wurde, dem Stil nach, seit der Eröffnung des Hotels im Jahr 1911 baulich kaum verändert. Bereits eine Woche nach Inbetriebnahme des Ladens ist hier der Erste aus dem Fenster gesprungen. Ein erfolgreicher Geschäftsmann. Kein erkennbarer Grund.
An den Wänden hängen Bilder, wie ich sie von zuhause kenne. Eine Fregatte bei sanftem Wellengang, ein Familienporträt, Jäger hoch zu Ross, die von Hunden umtollt werden. Einige Einrichtungsgegenstände sind neuer. Die festen Installationen altmodischer, als es ein Fünf-Sterne-Haus erlauben sollte.
Mit leicht belegter Stimme informiert uns Cal, dass die EMR-Ausschläge im ganzen Zimmer gleich hoch sind. Es ist definitiv Strahlung vorhanden, aber gleichmäßig verteilt, mehr wie Hintergrundrauschen.

Ein Geräusch aus dem Bad unterbricht ihn. Sein Kopf zuckt zur Tür. Barry und er gehen nachsehen, während ich mir einen Moment gönne, um Salz aus meinem Rucksack zu fischen und einen Kreis zu ziehen, in dem wir uns alle drei niederlassen können, Kriegsrat halten. Aus der geöffneten Badezimmertür dringt Dampf. Einige Sekunden, nachdem die beiden hineingegangen sind, endet das Geräusch laufenden Wassers. Noch während ich die letzten Körner auf den Teppich rieseln lasse, schreitet ein Mann im eleganten grauen Anzug mit verzweifelt-entschlossenem Ausdruck an mir vorbei.
“Hier ist ein Geist”, teile ich den beiden mit. Ich bemühe mich, nicht beunruhigt zu klingen, aber ich bin beunruhigt. Ich bin eingesperrt. Ich will hier raus. Sollen sich andere Leute um das verdammte Zimmer kümmern. Nur die Angst davor, offen Schwäche zu zeigen, hält mich davon ab, an der Tür zu rütteln wie verrückt oder so lange darauf zu schießen, bis nur noch Späne davon übrig sind. Der halbdurchsichtige Anzugträger öffnet das Fenster, atmet tief ein und stürzt sich vor unseren Augen mit einem Seufzer hinaus.

Cal sieht ihm nach, heftet den Blick einen Moment lang auf eine Stelle weit unten und zuckt zusammen, als ihm das Schiebefenster wie eine Guillotine auf die Finger kracht. Mit einem Fluch befreit er seine Hand, hält sie erst einmal fest, atmet zwischen den Zähnen hindurch, untersucht, ob etwas gebrochen ist. Ich weiß, ich sollte helfen, aber ich kann nicht. Meine Beine weigern sich, den Kreis zu verlassen, und über meine Lippen kommt keiner der Sätze, die in meinem Kopf Karussell fahren. Geschieht dir recht. Alles noch heil? Lass mal sehen. Bleib mir vom Leib! Habt Ihr gemerkt, dass da draußen Nacht ist? Es sollte doch Mittag sein.

Angekündigt von einem kurzen elektronischen Knistern, tönt plötzlich Rockmusik aus dem Schlafzimmer. Dort steht ein altmodisches Bett, daneben ein Radiowecker mit roten LED-Zahlen, die gerade auf einen Timer springen 59:59. Das Lied ist irgendeines dieser ikonischen Werke aus den Sechzigern, deren unerträgliche Fröhlichkeit im eklatanten Gegensatz zum Text stehen. Cal reißt den Wecker vom Nachttisch, wirft ihn auf den Boden und macht ihm mit zwei kräftigen Tritten den Garaus. Ich sehe dem Apparat beim Sterben zu, werfe dann einen Blick auf meine eigene Uhr und merke mir die Uhrzeit. Irgendetwas wird in einer Stunde passieren. Und es wäre besser, wir hätten den genauen Zeitpunkt auf dem Radar.
Auf dem Kopfkissen liegen drei Schokoladentäfelchen, die ich vorher sicher nicht dort gesehen habe. Drei. In einem Doppelbettzimmer. Auch meinen Mitgefangenen fallen sie zum ersten Mal auf. Ich will die beiden nicht weiter beunruhigen, erkläre aber auf Nachfrage meine Theorie: “Nahrung.” Alle Opfer der Suite, die sich hier umgebracht haben, taten dies innerhalb der ersten Stunde nach dem Check-In. Wahrscheinlich war es nur für die Außenwelt eine Stunde. “Damit wir nicht verhungern?”

Barry geht zur Mini-Bar und macht eine Bestandsaufnahme vom Inhalt. Echter Champagner, akzeptabler Sekt, Whiskey, Gin, Wodka, mehrere Sorten Bier, französisches Wasser, Bitter Lemon, Cola, Orangensaft. “Immerhin können wir uns besaufen.” Ich bin mir nicht sicher, ob er versucht, zu scherzen. Ein bisschen Angst mit Alkohol wegspülen kommt mir gar nicht so verkehrt vor, doch Cal schüttelt den Kopf. “Normalerweise jederzeit, aber jetzt möchte ich erstmal nichts zu mir nehmen, was dieses Zimmer anbietet.”
Verdammt, er hat recht. Hat er kurz gezögert, als er die Erklärung ablieferte? Saufen ist auch nicht gut für ihn. Er sagte, es gibt nur noch gut für ihn. Ist es schon umgeschlagen? Vorsichtig mustere ich ihn von der Seite. Wenn er sich wenigstens eine Kippe anstecken würde, dann wüsste ich, mit welchem Cal wir es gerade zu tun haben. Rücksicht oder Egoismus? Das Gesicht, das er zieht, drückt mehr Sorge als Kalkül aus. Ich hoffe, dass wir noch möglichst lange von der anderen Seite verschont bleiben. Bedeutet diese Hoffnung, dass ich mich schon mit dem Gedanken an einen längeren Aufenthalt abfinde? Nein, nein, so nicht. Nicht mit mir. Ich lasse mich nicht einsperren.

Wir müssen etwas tun. Die Quelle der Anomalie muss hier drin sein. Sie muss einfach. Wenn uns etwas von außen eingeschlossen hat, haben wir keine Chance. Den Gedanken weise ich weit von mir. Schlage vor, dass wir jeden Gegenstand hier drin einzeln verbrennen, bis wir den gefunden haben, an dem der Fluch, oder was auch immer, hängt. Barry legt gerade den Telefonhörer beiseite, nickt. Er hat versucht, den Zimmerservice zu rufen. Man kann ja träumen. Dann zückt er sein Mobiltelefon und tippt eine kurze Nachricht, starrt noch kurz mit gerunzelter Stirn aufs Display, ehe er es wieder wegsteckt.

Während wir suchen, sticht uns ins Auge, dass sich die Bilder verändert haben. Die Stirnen der Familienmitglieder zieren Zornesfalten, ihre Münder sind schmal zusammengepresst, das Schiff liegt schräg auf einer Welle der deutlich rauer gewordenen See. Die Hunde auf dem Jagdbild schnappen nacheinander und nach den Beinen der Pferde. Und, mein Herz setzt einen Schlag aus, der Hotelplan zeigt keine anderen Zimmer mehr als unseres. Ruhe bewahren. Atmen.

Ist hier ein ähnlicher Dämon am Werk wie der grauenvolle Weihnachtsengel? Vielleicht. Barry spricht den Gedanken laut aus. Ich nicke. Cal fragt, wovon wir reden, und bekommt von mir einen Minimalbericht über die Ereignisse, die mir inzwischen so weit weg erscheinen. Einen Weltuntergang weit weg. Ein Dämon oder Racheengel, was genau es war, macht keinen Unterschied, der uns in eine eigene höllische Dimension zog und versuchte, uns dort solange mit unseren Schuldgefühlen zu konfrontieren, bis wir aufgaben. Diejenigen, die aufgegeben hatten, waren bei der letzten Konfrontation mit ihrer Schuld gestorben. Die unangenehmen Details erspare ich uns. Er weiß wahrscheinlich sowieso, womit ich mich dort herumgeschlagen habe. War oft genug unser Thema.
Immerhin, meint Barry, würde das Zimmer uns noch keine falschen Gefühle einpflanzen, oder? Ich kann nicht anders, ich muss auflachen. Es klingt etwas schrill. Als wenn das nötig wäre! Er braucht uns doch nur anzusehen. Offensichtlich dringt die Erkenntnis bei ihm auch langsam durch, denn er legt die Stirn in Falten und zieht die Schultern etwas weiter hoch.

Der einhändige Jäger erzählt, er sei einmal in einem Gefängnis für Geister gewesen. Damals hätte einfach ein Schutzsymbol diese festgehalten. Vielleicht sollten wir einmal unter dem Teppichboden nachsehen, ob es so simpel ist. Oder unter der Tapete.
Bevor wir überhaupt anfangen können, den Raum ernsthaft zu verwüsten, taucht eine weibliche Gestalt in der typischen Mode der Fünfziger auf. Auch sie bewegt sich auf das Fenster zu. Jackson scheint sie entweder aufhalten zu wollen, oder er möchte mit ihr sprechen, genau wird es mir nicht klar, denn es geht zu schnell. Sie nimmt ihn überhaupt nicht wahr, kommt nicht einmal ins Stocken, als sie durch ihn hindurchläuft. Er krümmt sich und stößt eine weiße Atemwolke aus. Scheußliches Gefühl, ich kenne das. Auch die Frau springt in den Tod. Nur diesmal, sagt der Privatdetektiv, der ihr nachspäht, liegt unten keine Leiche. Ich bilde mir ein, der Ausblick sei vorhin weiter gewesen. Bis zu Häusern auf der anderen Straßenseite. Vielleicht ist es auch nur die Dunkelheit, gepaart mit meiner Klaustrophobie.

Ich sehe auf die Uhr. Wir sind erst eine halbe Stunde da und haben bereits zwei Selbstmorde beobachtet. Wenn auch nur ein Drittel der Leute zu Geistern geworden ist, haben wir noch einige vor uns. Weiter jetzt mit dem Vandalismus, ehe ich genauer darüber nachdenken kann, wie lange wir noch hierbleiben müssen. Wir könnten schneller vorankommen, wenn ich mich überwinden würde, eines meiner Bowiemesser an Cal abzugeben, der mit einem halb so großen Taschenmesser arbeitet, das die Kunstfasern schnell stumpf werden lassen. Doch er dreht mir den Rücken zu. Gut. So ist es mir auch lieber. Unter dem Teppich finden sich keine Ritualkreise.
Als ich gerade den letzten Streifen Bodenbelag fallen lasse und mir beim Aufsehen den Schweiß aus der Stirn wische, tut sich vor mir nicht das Schlafzimmer auf, sondern der Garten von Winslow Manor. Mein Vater sitzt auf der Terrasse, im Rollstuhl, mit leerem Blick, seine Wangen sind noch voller als jetzt. Mutter zieht ihn in den Schatten. Ich kann mich nicht an den genauen Tag erinnern. Das war kurz bevor ich Großbritannien verlassen habe, um mich von ebendiesen frustrierenden Nachmittagen abzulenken, an denen wir uns gegenseitig versichert haben, dass uns zwar gerade die Ideen ausgegangen sind, aber uns bestimmt bald etwas einfällt, um Vaters Zustand zu verbessern, was wir mit unserem und seinem Gewissen vereinbaren können. Gleich kommt Ian dazu und verdirbt allen noch mehr die Laune. Ja, da ist er schon, und sein verächtlicher Blick trifft eine jüngere Irene. Eine, die noch nichts davon weiß, dass sie nicht davonlaufen kann, um Seelenfrieden zu finden, sondern dass es ein paar Jahre später erst richtig losgeht… Ich wende mich ab.
Keine Lust, Fragen der beiden Männer zu provozieren, mich zu erklären. Mein halb zu Boden gerichteter Blick streift Cals Hände, die sich eben zu Fäusten ballen. Es ist besser, wenn ich mich nicht noch einmal umdrehe, um zu sehen, was ihm die Erscheinung über mich verrät. Warum hat das Zimmer genau diesen Tag herausgepickt? Es muss der Moment gewesen sein, wo ich entschieden habe, England zu entfliehen. Es macht sich über mich lustig. Du kannst nicht davonlaufen, will es mir sagen. Wir werden sehen. Ich lasse mich nicht einsperren.

Einsperren. Zusperren. Abschließen. Meine Augen bleiben an einem Knauf hängen. Er gehört zu einer Tür, einer schmalen Tür im Durchgang zum Schlafzimmer. Nicht die Schlafzimmertür, sondern eine Art Schranktür in der schmalen Seite der Wand. Einer Wand, die breit genug gebaut ist, dass ein ganzer Mensch hineinpassen könnte. Die Breite und Bauart hat mich schon die ganze Zeit irritiert, ich konnte nur den Finger nicht darauf legen, warum mir die Optik des Durchgangs aufstößt. Mit einem Schnauben fasse ich den Türknauf und zerre heftig daran. Nichts rührt sich. Ich ziehe das Messer und hebele an den schwächsten Stellen oberhalb und unterhalb des Schlosses herum. Keine Regung, kein Splittern. Das war zu erwarten. Aber es bringt mich genug auf, um meine Wut an der Tür auszulassen. Dahinter muss etwas sein. Und wenn ich es in die Finger bekomme… Die Spiegelscheibe der Tür zerbirst unter meinem Faustschlag, und Blut spritzt in alle Richtungen. Ich habe einen tiefen Schnitt in der Hand. Nur die Tür zeigt sich unbeeindruckt. Trotz des gesprungenen Glases sitzt sie fest, als wäre sie nur eine aufgemalte Attrappe. Mein Blut tropft auf den Boden. Ich gehe mit meinem Verbandszeug ins Bad, bevor ich etwas noch Dümmeres tue.

Der Anblick erwischt mich kalt. An die Badewanne gelehnt sitzt die Leiche eines Mannes, eine Pistole unter den erschlafften Fingern. Von seinem Kopf ist nicht mehr viel übrig. Auf dem Duschvorhang kleben rote Spritzer und Schlieren. Ich ziehe scharf die Luft ein und trete den Rückzug an, pralle gegen Cal, der mir gefolgt ist, schrecke noch mehr zusammen, entschuldige mich automatisch. Wofür eigentlich? Ich habe ihn nur angerempelt. Doch, dafür. Für meine Panik, dafür, dass ich nicht weiß, wie ich mit seiner Anwesenheit umgehen soll, für alles, was passiert ist. Für alles.
Als ich mich umdrehe, ist der Tote nicht mehr da. Hat Cal ihn gesehen? Oder muss er jetzt glauben, dass ich langsam durchdrehe?
Er streicht kurz über meinen Arm, zieht die Finger sofort wieder weg. Alle Härchen an meinem Körper stellen sich auf.
“Soll ich helfen?”
Ich möchte nichts lieber, als meinen Kopf gegen seine Schulter sinken lassen. Mein Instinkt schreit, lauf weg. Wenn ich das zulasse, geht es mir wie mit der Höhlensache. Konfrontationstherapie ist nötig.
“Ja.”
Gefasst trete ich zurück ins Badezimmer, halte meine Hand umklammert, während er anfängt, mit einer Pinzette kleine Glasstücke zu entfernen. Konzentriere mich nur auf die Wunde, gebe hin und wieder einen sachlichen Kommentar ab, wenn er mehr Desinfektionsmittel verwenden soll, die Bandage zu fest wickelt oder zu locker, kämpfe gegen den Drang an, ihm meine Hand zu entziehen. Ich weiß nicht, ob er es spürt, ob er versucht, meinen Blick zu erhaschen. Ich sehe starr auf den Verband und seine Hände, die meine ein paar Augenblicke zu lang umschließen, nachdem alles sitzt und sicher verklebt ist. Locker nur, so dass ich sie jederzeit wegziehen könnte, was ich unterlasse. Therapie. Ich kann ihm nicht helfen, wenn ich Angst vor ihm habe. Und so vertreibe ich meinen Fluchtinstinkt in den hintersten Winkel meines Bewusstseins, wo er hingehört.
Trotzdem kann ich ihm nicht in die Augen sehen. Es gibt nichts, was ich sagen könnte, denn sowohl das eine als auch das andere würde die jeweils falsche Seite mithören. Also presse ich die Lippen fest aufeinander.
Draußen rüttelt Barry geräuschvoll an der Spiegeltür herum.
Der Moment ist vorbei. Abrupt erhebt er sich aus der Hocke und geht zurück ins Wohnzimmer. Ich folge.

Wir stehen vor der Wand und überlegen, was wir damit anstellen können. Irgendetwas muss da drin sein. Barry kratzt mit seinem Haken an der Tapete herum und reißt ein Stück ab. Dahinter erscheint löchriges Mauerwerk. Und aus den Löchern sickert Blut.
Gut. Wenn es bluten kann, kann man es töten. Ich trete mehrfach gegen die freigelegte Stelle, greife mit den bloßen Fingern der gesunden Hand in eins der Löcher und ziehe einen lockeren Ziegel heraus. Und wie es bluten kann! Der Strahl schießt mir so schnell ins Gesicht, dass ich gerade noch den Mund zuklappen kann und ansonsten voll davon erwischt werde. Hinter mir geben die Männer Unmutslaute von sich. Auch sie kriegen die Dusche ab. Das Blut versiegt, pulst erneut, versiegt, doch etwas habe ich im wahrsten Sinne losgetreten. Die Klimaanlage jault auf und schickt uns einen Schwall warmer Luft entgegen, der heißer und heißer wird. Cal geht zum Fenster, öffnet es und schließt es wieder. Hinter der Scheibe sehe ich nur noch tiefste Schwärze.
Zynisch kommentiert er: “Langsam wird es ungemütlich hier. Da sollten wir jetzt wirklich nicht mehr rausklettern.” Ich schließe mich der Einschätzung an.

Das Blut, das immer noch in trägen Schüben an der Wand herunterläuft wird klumpiger. Bei meinem nächsten Rundumblick ist das Fenster zugemauert. Auf den Bildern befindet sich das Schiff jetzt in einem schweren Sturm, die Familie ist im Begriff sich zu attackieren, und die Jagdgesellschaft zerfetzt sich bereits gegenseitig.
Darauf aufmerksam gemacht, krächzt Barry: “Wir bringen uns jetzt bitte nicht gegenseitig um.”
Cal knurrt leise: “Eher bringe ich mich selbst um.”
“Das tust du nicht!”
Es wird mir erst bewusst, nachdem es heraus ist. Ich habe nicht nur dieselben Worte benutzt wie er in Wyoming, sondern auch den exakt selben Tonfall.
Er antwortet nicht. Richtet nur den Blick ins Wohnzimmer, sinnierend, als müsse er über meinen Einwand erst nachdenken. Schüttelt dann langsam den Kopf.

Ich halte das nicht aus. Frustriert packe ich mir die Stehlampe vom Tisch neben dem Fenster und prügle damit auf die Mauer ein. Die Wandlampe gibt nach, kracht herunter, stößt eine Vase um, aus der Kakerlaken über meine Füße laufen. Es knirscht unter meinen Stiefeln. Erinnerungen überfluten mich, an meinen Vater, den Autounfall, wie ich davon hörte, wie mir der Mut abhanden kam, als ich meinen Helden an Schläuche und piepsende Geräte angeschlossen daliegen sah, als wollte er nie mehr aufwachen. Ich werde gegen Ian verlieren, weil mir der Mut fehlt. Alles werde ich verlieren, weil mir der Mut fehlt. Vielleicht sollte ich doch das Messer nehmen? Wie die Frau auf dem Bett? Ihre durchgeschnittene Kehle erinnert mich an deVries… Mexiko. Ich habe geschworen, es nicht noch einmal soweit kommen zu lassen, dass jemand meinetwegen seine Seele verliert. Tot bin ich niemandem eine Hilfe. Ich muss leben. Ich muss einen Weg finden, eine Seele zu retten. Ich muss hier heraus.
Schlag um Schlag vertreibe ich die aufgezwungenen Gedanken und Gefühle.
Die Leiche verschwindet.
An ihrer Statt sehe ich nun plötzlich Barry liegen, eine leere Packung Schlaftabletten und eine halbe Flasche Whisky neben sich. Er liegt ganz ruhig.
“Scheiße!”
Cal wirft ihn vom Bett und macht sich sofort an die Herzmassage, während ich ins Bad rase und eine Handvoll Salz mit Wasser mische, die ich ihm einflöße. Ausgerechnet Barry. Was für ein Idiot! Gerade er müsste doch von uns den größten Überlebensinstinkt haben. Er muss zurückkommen. Was soll ich seiner Frau erzählen, die mich umbringen wird, wenn wir ohne ihn aus dem Hotel kommen? Seinen Kindern? Artie? Oh, bitte Barry, mach keinen Scheiß!
Mit einem Husten kommt er zu sich, würgt und erbricht sich mehrfach heftig. Blass und zittrig, aber eindeutig am Leben, stützt er sich auf den Ellbogen. Ich habe noch nie jemanden an Schlafmittel sterben sehen, aber ich bin mir einigermaßen sicher, dass man die Leute normalerweise nicht so schnell wieder hinbekommt. Die Relikte des Selbstmordversuchs sind verschwunden. Das Ding in der Wand wollte ihn mit dem puren Placeboeffekt ins Jenseits befördern. Der Schock sitzt dennoch tief genug bei mir. Ich muss ihn einfach anschreien.
“Bist du total bescheuert???”
“Hast du das noch nicht gewusst?”
“Du hast sie ja wirklich nicht mehr alle. Mach das nicht nochmal!”

Ein Flackern in der Luft unterbricht uns. Neben uns plärrt wieder der Wecker los. Verdammt, wir haben die Zeit vergessen. Ich könnte mich ohrfeigen. Alle Schäden, die wir angerichtet haben, sind verschwunden. Nur Jacksons Mageninhalt und mein Blut im Durchgang haben sich nicht aufgelöst. Die Bilder sind wieder so friedlich wie am Anfang. Draußen vor dem Fenster sehen wir eine friedliche nächtliche Stadtkulisse. Barry fragt, ob nicht jemand den Wecker erschießen will. Cal zertrampelt das Ding aufs Neue.

Die Vermutung mit der Zeitschleife ist nun vollends bestätigt. Was bringt uns das?
“Vielleicht müssen wir die Tür eine ganze Stunde lang bearbeiten oder zur richtigen Zeit versuchen, durchzukommen? Genau dann, wenn der Wecker auf Null steht?”
Soviel Geduld bringt Cal nicht auf. Er holt eine Whiskeyflasche voll klarer Flüssigkeit hervor und sprüht etwas davon auf die Tür. Es zischelt.
Ausgezeichnet. Ich krame eine Spritze hervor, ziehe etwas von dem Weihwasser darin auf und stochere damit im Schloss herum. Zuerst tut sich gar nichts, dann gibt etwas nach, und Dampf kommt aus der Öffnung. Ich drücke noch etwas mehr Weihwasser an die Stelle. Der Knauf bewegt sich. Ich reiße die Tür auf.

Hinter dem geborstenen Spiegel liegt tiefste bodenlose, allumfassende Dunkelheit. Eine greifbare Schwärze wie die der Nephilimtore, die nach mir ruft und an mir zerrt. Ich falle, falle in die Erinnerung. Vor mir formt sich wieder Winslow Manor aus dem Dunkel. Eine Konstante alter Jägertradition, die weitergeführt werden sollte von einer starken Hand, die kein Zögern und keine Verzagtheit kennt. Nicht von meiner. Von Ians Hand. Er hebt den Kopf und sieht mir mit erwartungsvoller Überheblichkeit direkt ins Herz. Seine Mundwinkel verziehen sich. Der vorwurfsvolle Blick meiner Mutter sagt, los, verschwinde schon! Und der Kopf meines Vaters rollt kraftlos zur Seite. Doch vielleicht hat mir einmal zu oft ein boshaftes Wesen die immergleichen Bilder vorgegaukelt. Vielleicht bin ich es auch inzwischen so gewohnt, Widerstand zu leisten gegen die Hoffnungslosigkeit. Ich bin in erster Linie Jägerin, nicht Erbin. Es ist mir schon lange egal, wer am Ende die größte Trophäe anschleppt. Es ist meine Verantwortung, Übel wie diese Schwärze zu bekämpfen. Bevor ich wirklich in die Tiefe kippe, fange ich mich am Türrahmen ab.
Der Knall eines Schusses lässt meine Ohren dröhnen. Das Zimmer zuckt zusammen, verschwimmt kurz. Eine Welle läuft unter meinen Sohlen hindurch. Von brüllend heiß wechselt die Temperatur augenblicklich zu solch arktischer Kälte, dass unsere Gesichter von klirrenden Atemwolken verhüllt werden. Als ich mich umblicke, verändern sich die Szenerien der Bilder im Zeitraffer. Cal schleudert das restliche Weihwasser in die Schwärze. Der Sturm aus dem Bild greift auf den Raum über und tränkt uns mit eisiger Gischt.
Ich stoße die Nadel in die Schwärze, taste, fühle etwas Nachgiebiges, ein Herz, ramme die Spritze mit dem Rest Weihwasser hinein. Es pulsiert wild, aber nicht mehr im einheitlichen Rhythmus. Raureif bildet sich auf meinen Armen. Aus den Gemälden stürmen Gestalten. Vom Seefahrerbild ergießt sich eine Flut von Meerwasser in den Raum.
Barry spricht ganz nah an meinem Ohr: “Ich hab dich gesehen” und schießt in das Herz.
Ein regelrechtes Erdbeben erschüttert das Zimmer. Die Bilder fallen von der Wand, deren Insassen erreichen uns nicht mehr mit ihren Klauen und Zähnen, sie versinken im Meer um uns herum, das sich zurückzieht wie eine Tsunamiwelle nach getanem Zerstörungswerk, die Angreifer zurückschwemmt in ihre Bilder.
Barry schießt noch ein paar Mal in die Kammer. Aus Reflex zähle ich mit. Sieben.

Cal öffnet die Tür nach draußen. Sie geht auf. Noch nie war ich so dankbar, dass mir jemand eine Tür aufgehalten hat. Während ich hinausstürze und mich an der gegenüberliegenden Wand abstütze, dringt leise an mein Bewusstsein, dass durch das Fenster wieder Sonne scheint. Ganz normale Verkehrsgeräusche finden ihren Weg zu uns. Das Zimmer ist immer noch verwüstet. Es gibt keine Anzeichen mehr vom Wassereinbruch und dem übernatürlichen Blut des dunklen Herzens, doch die Spuren, die wir selbst verursacht haben, und die des Erdbebens sind noch da. In der Kammer ist ein herzförmiges Loch in der Wand, sonst nichts, sagen die zwei, als sie nachkommen. Man sollte es vorsichtshalber verschließen, meint Barry. Cal streut noch Salz hinein, ehe wir uns auf den Weg nach unten machen. Ich will es gar nicht sehen. Mich bekommen keine sieben Pferde mehr in diesen Raum. Ich stehe im Flur und fahre mir mit beiden Händen durch die Haare, beobachte die entspannten Gesichter der wenigen Hotelgäste hier oben, die offensichtlich keine Schüsse gehört haben. Barry fragt, ob alles in Ordnung ist, muss sich mit einem knappen, halbwahren “Ja.” begnügen, sieht auf sein Mobiltelefon, atmet hörbar aus, entspannt sich sichtlich.

“Sollen wir weg?”
Barry hat das Zimmer gemietet. Er kann sich schlecht herausreden, wenn der Zustand des Zimmers dem Personal auffällt. Lakonisch meint er, er könnte das Chaos mit seiner emotionalen Schriftstellernatur erklären. Ich weiß schon wieder nicht, ob er das ernst meint.

An der Rezeption ist die Aufregung groß. Für die Leute vom Hotel sind nur zwanzig Minuten vergangen. Ich lache sie aus. Narren.
Barry macht ihnen weis, das Zimmer sei schon verwüstet gewesen, als wir hineingekommen wären.
“Was? Aber… die Zimmermädchen gehen doch auch rein, und da war alles ganz ordentlich.”
“Sie gehen da rein und kommen wieder raus?”
“Einmal die Woche, nur im Team.”
Ich nicke verstehend. “Lassen Sie mich raten, einer hält immer die Tür auf?”
So ist es.

Der Manager will mit uns sprechen, da man uns schon so gut wie tot glaubte, nachdem wir das verfluchte Zimmer betreten haben. Er wirkt extrem erleichtert, dass wir wieder draußen und wohlauf sind. Damit hat er nicht gerechnet. Sieht auch aus, als sei er in den letzten zwanzig Minuten tausend Tode gestorben, weil es ihm nicht gelungen ist, uns aufzuhalten.
Er bietet uns Getränke an, würde gern noch einmal mit uns hochgehen, aber ich hebe sofort abwehrend die Hände. Keiner von uns hat ein Bedürfnis, auch nur das Stockwerk erneut zu betreten.
Barry weist ihn an, ihm eine Rechnung über Miete und Reparaturen zu schicken. Ich erkläre mich bereit, mich an den Kosten zu beteiligen, wenn es nötig wird.
Der Hotelier kann es immer noch nicht fassen. Er stammelt, es habe noch nie jemand länger als eine Stunde in dem Zimmer überlebt. Barry macht ihm Vorwürfe, dass er das Zimmer trotzdem vermietet, auch wenn er wüsste, dass es Leute umgebracht hat, muss sich im Gegenzug sagen lassen, dass er, der lange genug mit Paragraphen um sich geworfen hat, der Erste seit dreißig Jahren sei, dem man es nicht hätte abschlagen können. Das Zimmer sei böse, davon sei er überzeugt.
Ich habe keine Lust mehr auf die kleinliche Streiterei. Ich will an die frische Luft. “Vielleicht war das Zimmer böse, aber jetzt ist es tot.”
Meiner Meinung nach können sie es jetzt wieder vermieten, Cal verzieht zweifelnd das Gesicht, als ich das sage. Ob sie sich das getrauen, ist die andere Frage.

Als wir endlich draußen sind, schlägt Barry Kaffee vor. Ich sage zu, ehe mir aufgeht, dass er damit meint, ob wir uns gemeinsam irgendwo hinsetzen und miteinander sprechen wollen. Das wird jetzt bestimmt interessant.

Hauptsächlich reden er und Cal. Wir sollten das im Auge behalten, findet Barry. Nicht, dass dieses Herz eine Art Haustier des Managers war. Ich bin mir zwar sicher, dass das Ding tot ist und tot bleibt, und selbst wenn der Hotelier der brillante Lügner war, für den ihn Jackson halten will, dass er dann so schnell kein zweites Spielzeug dieser Art herbeischaffen wird, aber wenn der Detektiv unbedingt paranoid sein will, dann soll er eben. Mich drückt der nachlassende Adrenalinpegel in die Kissen. Recht viel mehr als ein paar desinteressierte “Hmms” sind von mir nicht zu erwarten.
Nach und nach versandet auch das Gespräch zwischen den beiden Männern. Und als wir uns lange genug angeschwiegen haben, genügt es, dass ich meinen Geldbeutel ziehe, um sie auch zum Aufbruch zu bewegen.

Auf dem Parkplatz räuspert sich Cal ein paarmal, sagt dann, “Irene.”
Ich bleibe stehen. Hier draußen gelingt es mir, ihm in die Augen zu sehen. Dafür fällt es ihm schwer.
“Was ich da in der Hütte gemacht habe, es tut mir leid. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass das nicht ich selbst war. Aber das wäre gelogen.” Er atmet durch. “Also, falls wir uns nicht mehr sehen, weißt du das jetzt.”
Ich verdaue noch die unerwartete Entschuldigung, da dreht er sich schon um und haut ab. Keine Ahnung, was ich damit jetzt anfangen soll.
“Mir auch,” murmele ich.

Ich stehe noch herum wie bestellt und nicht abgeholt, frage mich, ob Cal jetzt irgendwie erwartet, dass ich ihm hinterherlaufe, oder ob er wirklich glaubt, dass das Schicksal uns einmal Luft holen lässt, bevor es uns wieder aufeinanderwirft, da kommt auch noch Barry, erzählt irgendetwas davon, dass er meint, wir könnten nicht mehr miteinander reden. Ich muss ihn anstarren wie ein Mondkalb. Was will er denn jetzt mit seinen Luxusproblemen? Ich kehre die Handflächen nach außen.
“Was soll ich darauf jetzt sagen?” Offenbar weiß er das auch nicht. “Das tut mir auch leid?”
Vielleicht war das jetzt wieder das Falsche, vielleicht gibt es keine richtige Antwort. Jedenfalls dreht auch er sich weg und schleicht davon. Und weil ich nicht einmal weiß, ob ich hysterisch lachen oder weinen möchte, tue ich es ihm nach einem vorwurfsvollen Blick in den Himmel gleich.

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patti

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