Mädchenkram - Supernatural

Days of Dogs and Thunder

aus Barrys Tagebuch

Ich stecke schon wieder fest. Verdammtes Buch.

Ich hätte nie mit dieser Science-Fiction-Schiene anfangen sollen. Ich kann keine Science Fiction. Hätte mir mal auffallen sollen, bevor ich mich in der Mitte des Buchs in eine Ecke geschrieben habe.
Jetzt würde ich gerne was erschießen. Klar, sehr hilfreich. Totschlag als Heilmittel gegen Schreibblockade. Sollte ich ins TB schreiben.

Stattdessen hab ich schon wieder zehn Ideen für eine Gruselgeschichte in der Plastikvorstadt. Die hab ich aber jedes Mal nach einem Elternabend, und meine Kinder sollen hier noch eine Weile zur Schule gehen. Also fällt das aufgrund der Ähnlichkeiten der fiktiven Vorstadtzombies mit den nicht-fiktiven Leuten aus dem Ort hier aus.

Hab ein paar Zettel mit alten Notizen gefunden. Donnervogel… da war was. Hab ich das schon irgendwo aufgeschrieben? Nein? Gut. Dann mach ich das.

Okay, Leute. Das ist vor zwei oder drei Jahren passiert, danach war Ehekrise und noch ein paar andere Sachen, also kann es sein, dass ich das nicht mehr recht zusammenkriege. Aber ich schreibe das ja eh nur, um überhaupt irgendwas zu schreiben. Muss ja keiner lesen.

Das Ganze fing mit Carla an, bzw. mit ihrem Bruder Chelton. Die beiden sind Cousins von mir, und er machte sich Sorgen. Sie spielte zu diesem Zeitpunkt in einer Native-American-Punkband, Red Scare. Ich glaube, das bekannteste Ding von denen ist immer noch das Interview mit dem Leadsänger. Punk ist aber eh nicht mein Ding. Jedenfalls hatte Carla ein Stipendium bei einer renommierten Musikuni sausen lassen, um mit den Typen herumzutingeln. Chelton fand, ich solle mal mit ihr reden, von wegen „Großvater ist ja nicht mehr da“ und so. Er hatte es schon versucht, aber… er wollte nicht so richtig sagen, was da passiert war. Murmelte was von harten Drogen und einer Abtreibung. Also hab ich mich auf den Weg gemacht. Portland ist ja quasi um die Ecke.
(Ich glaube, abgesehen von Cheltons Bitte wollte ich einfach nur mal wieder unterwegs sein. Das war kurz nach der Geschichte mit diesem chinesischen Vampir-Dings, das Tam unbedingt jagen musste. Ich war damals total genervt, weil sie fast zwei Monate weg war, ohne einen Ton zu sagen – klar, wenn man auf irgendeinem Seelenverkäufer in Richtung China tuckert, hat man nicht viel Empfang. Trotzdem. Wir hatten da echt keine gute Zeit. Vergesst „Danach war Ehekrise“, da waren wir schon mitten drin.)

Portland. Ich traf Carla und die anderen Typen aus ihrer Band – D-Girl, John, Fatso und Kyle – in einem Hotel. Andere Hotelgäste? Jo und Aiden. Die wollten sich mal eine indianische Band anhören, weil Aiden ja Gitarre spielt und vielleicht außer Monster jagen noch mal was anderes in seinem Leben machen wollte. Jo verstand vermutlich gar nicht, was das denn sollte.
Noch mehr Hotelgäste? Amanda Vayne. Ja, genau, die Amanda Vayne. Ich hab nur eine vage Ahnung, warum die überhaupt berühmt ist, aber das weiß ich bei Kim Kardashian auch nicht so recht. Offenbar war ihr langweilig, jedenfalls landeten wir von der Hotellobby aus alle in einer Bar, wo die Mitglieder der Band sich munter volllaufen ließen. Amanda auch, denke ich. Aiden trinkt nicht und schaute sich das Gelage relativ verkniffen an.

Mehr oder minder besoffen und mehr oder minder glücklich schwankten wir schließlich zurück von der Bar in Richtung Hotel. Ich weiß echt nicht mehr, ob ich auch besoffen war. Vermutlich nicht, zu viele Leute mit Waffen in meiner Nähe. Obwohl, allzu klar weiß ich die folgenden Sachen nicht mehr. Könnte also sein.
Ich weiß aber noch – dank meiner Notizen – dass wir unterwegs angegriffen wurden. Aus einem fahrenden Auto, klassischer Drive-By. Irgendein Typ hat Aiden einen heftigen Elektroschock verpasst, und jemand hat in dem Auto eine Decke mit einem Donnervogel-Symbol drauf gesehen. Vermutlich Jo. Soweit ich mich erinnere, haben wir das Auto aber nicht erwischt.

Danach saßen wir mit Amanda herum und haben auf den Krankenwagen gewartet. Ich weiß nicht mehr, ob sie auch verletzt worden ist oder ob wir nur wegen Aiden gewartet haben.
Jo fing prompt wieder an, zu recherchieren. Nach dem Donnervogel. Und ihr Zauberkasten sagte ihr brav, dass es in der Nähe eine Höhlenmalerei mit diesem Donnervogel gibt.

Cool. Also machten wir vier – Jo, Aiden, Amanda und ich – uns am nächsten Tag auf den Weg zum Chinook-Reservat, um uns dort umzuhören. Wir vier? Hat sich so ergeben. Immerhin waren wir alle von den komischen Typen beschossen worden.
Auf dem Reservat haben wir erst mal von einer alten Frau erfahren, dass sie so eine Decke für einen Typ namens Steve gemacht hat. Meine Notizen behaupten, Steve wäre ein Hillbillie mit Donnervogel-Connections. Das kam mir damals genauso komisch vor wie heute, aber wir haben nie genau herausgefunden, warum der Donnervogel so gut mit diesen Hillbillies klar kam.

Als nächstes wollten wir mit Ed, dem Heiligen Mann der Chinooks, sprechen. Die alte Frau hatte uns gesagt, wir sollten ihm was von seinen Freunden Johnny, Jack oder Jim mitbringen, aber da hat sich Aiden auf die Hinterbeine gestellt: Alkohol ist schlecht, und er würde sowas nicht verschenken, schon gar nicht hier, und so weiter, und so fort.
Okay. Kann ich nachvollziehen. Ich hab genug Alkoholwracks auf der Santee-Rez gesehen. Aber Aidens Sermon ging mir trotzdem auf die Nerven. Ich glaube, wir haben uns dann schließlich auf eine Stange Zigaretten als Mitbringsel geeinigt.
Ed war damit einigermaßen zufrieden und erzählte uns, dass es hier in der Gegend Geschichten über die Feindschaft von Donnervogel und Kojote gibt. Die konnten sich nicht leiden und haben öfter mal versucht, das über verbündete Menschen auszutragen. Amanda fiel dazu sofort ein, dass Kyle, der gutaussehende Leadsänger der Band, eine Kojote-Tätowierung hatte.

Danach kriegte ich mich erst mal mit Jo in die Haare, weil die sofort davon anfing, wie schlimm und schlecht und böse alle Geister wären, und als echter Hunter müsste man die am besten ausrotten. Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass die Geister nun mal zu dieser Welt gehören, und dass die auch nicht alle böse sind – gefährlich halt, das sind mächtige Wesen gerne mal, aber nein, weiterhin Gezeter und „was nicht so ist wie wir, muss ausgelöscht werden“-Gefasel.

Währenddessen haben Aiden und Amanda auch was getan, die waren nämlich nicht dabei. Die schlichen aber die ganze Zeit schon so komisch umeinander her. Jedenfalls kannten sie sich offenbar schon. Nur Jo kannte Amanda nicht. Wenn ich jetzt so zurückdenke… wer weiß, was da zwischen Aiden und Amanda gelaufen ist, als Jo nicht dabei war. Würde die verkrampfte Atmosphäre erklären.

Als wir schließlich zurückfuhren, hörten wir im Radio Musik: „Haha, ihr versteht’s nicht“ und „Hund besiegt Donner“. Daran kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber es steht in meinen Notizen, also wird es schon so gewesen sein.
Wieder zurück im Hotel fingen Jo und Amanda an, Kyle zu bezirzen. Das klappte soweit auch ganz gut, und als Aiden und ich später dazu kamen, plauderte er auch schon munter über Kojote und machte irgendwelche Andeutungen. Auf jeden Fall, erklärte er, sollten wir morgen dringend zum Konzert kommen. Da würde irgendwas passieren.

Jetzt kommt der Teil, wo ich meine Notizen nicht mehr verstehe: Höhlenmalerei, vier Typen, Speere – Verwirrtheit. Ja, danke, vergangenes Ich. „Verwirrtheit“ ist wohl der richtige Begriff.
Ich erinnere mich vage daran, dass ich diese Höhlenmalerei irgendwo gesehen hatte – hat Kyle uns die gezeigt? Oder war das die, die Jo herausgekramt hatte? Jedenfalls waren vier Menschen mit Speeren drauf, die mit dem Donnervogel kämpften. Die sahen uns auch mehr oder weniger ähnlich; so ähnlich halt, wie Strichmännchen aussehen können. Aber zwei davon hatten gelbe Haare (wie Amanda und Jo), und einer hatte nur eine Hand.
Ich bin ziemlich sicher, dass ich danach keine Lust mehr auf Gesellschaft hatte. Flashbacks nach Tucson waren da ja quasi vorprogrammiert, auch wenn sich das im Nachhinein als überflüssig herausgestellt hat. Die Höhlenmalerei hatte nichts mit Satansrittern oder dem Apokalypsenkult zu tun, aber das wusste ich ja noch nicht.

Amanda ist kichernd mit Kyle verschwunden. Jo und Aiden wollten sich einen romantischen Abend machen (was auch immer die beiden darunter verstehen), und ich bin raus aus dem Hotel und habe ein kleines Ritual gemacht. Oder ich hatte einen Blackout. Nein, ich habe „Ritual“ aufgeschrieben. Vermutlich wollte ich einerseits den schlechten Geschmack von dem Streit mit Jo wegen der Geister loswerden, und andererseits sicher gehen, dass ich nicht genau zum falschen Zeitpunkt Flashbacks hatte.

Am nächsten Abend trafen wir uns zum Konzert wieder. Jo erzählte stolz, dass sie sich extra Schuhe mit Gummisohlen besorgt hatte, weil der Donnervogel und seine Anhänger ja sicher mit Blitzen werfen würden. Aiden hatte allerdings ganz normale Schuhe an. Egal. Ging mich nichts an. Abgesehen davon, dass ich den Cheyenne immer noch irgendwie sympathisch fand – jetzt noch mehr als gestern. Lag vielleicht an dem Ritual, der Kleine hat ja eine Verbindung zu Bär.

Das Konzert fand 75 Meilen von Portland entfernt im Mayer State Park statt. Mitten im Nichts. Erhöhte Bühne, Lichter, ein ganzer Haufen Fans – Indianer, Punks, verwirrte Einheimische von der anderen Seite des Columbia River oder aus dem umliegenden Gehölz und ein paar desorientierte Wandertouristen. War einiges los auf dem Rowena Crest Viewpoint.
Es ging also los, war richtig gut. Wie gesagt, Punk ist nicht meine Ecke, aber die Mitglieder der Band sind aus verschiedenen Stämmen und haben jeweils ihre eigenen Sprachen in die Texte einfließen lassen. Das war cool, zumindest für mich, weil ich mal ein paar direkte Vergleiche hatte. Ein Rosetta-Gegröhl, sozusagen.
Aiden hatte seinen Spaß an der Gitarrenmusik, Amanda hat die Party genossen und Jo… na, die hatte ihre Gummischuhe. Ja, das klingt, als würde ich mich über sie lustig machen, aber natürlich war das total clever von ihr. Dazu gleich mehr.

Ich hab außerdem „Was is los, Baby? Sachma“ aufgeschrieben. War das jetzt ein Liedtext? Klingt eher nach Aiden. Der hat seine Freundin ständig „Baby“ genannt. Weiß nicht, ob sie das mochte. Kann ich mir nicht vorstellen. Jo hatte immer so eine verbissene Toughness drauf, so ein „ich bin nicht niedlich“-Gehabe… Verständlich, wenn man nur mit Jäger-Machos rumhängt.

Zurück zum Konzert. Nach dem dritten Song tauchten plötzlich ein paar Typen auf und haben Stress gemacht. Um ihre Hände tanzten Blitze, die sie eher ziellos in die Menge warfen. Jos Gummischuhe waren plötzlich nicht mehr so albern.
Die Fans waren am Anfang nicht sicher, ob die Typen nicht zur Show gehörten, aber das lernten sie schnell. Danach herrschte erst mal Chaos, weil ein paar von den verwirrten Einheimischen mit den Punks aneinandergerieten, die Blitztypen ihre elektrischen Ladungen überall hin schleuderten und Jo, Aiden, Amanda und ich in den Nahkampf mit ihnen gingen. Echt clever, Jackson, mit einem Metallhaken am Arm mit diesen Kerlen herumzuringen. Aber ich wollte nicht in die Menge schießen, weil da überall noch Fans waren.

War dann auch nicht so schlimm, weil die Typen außer ihren Blitzen nicht viel drauf hatten. Nach kurzer aktiver Gegenwehr machten die sich schnell wieder vom Acker. Das hielt Kyle für ein gutes Stichwort und fing seinerseits an, zu leuchten. Aber nur kurz, dann sprang Kojote aus ihm heraus und wir vier waren plötzlich woanders.

Ach so. Klar. Passiert ja gern mal. Die anderen drei blieben auch ziemlich cool, sogar Amanda. Die ist nicht so ein Glitzerpüppchen, wie ich erst dachte. Wir schauten uns erst mal um – wir waren noch an derselben Stelle, aber offenbar nicht zur gleichen Zeit: Keine Straße, kein Highway, keine Flugzeuge am Himmel. Außerdem war es Tag.
Wir liefen gerade vom Rowena Crest Viewpoint runter zum Columbia River, als wir zwei Indianer trafen, Ixt und Môkôt. Die erwarteten uns offenbar, weil ihre Weise Frau uns in ihren Visionen gesehen hatte. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir uns mit denen verständigt haben, aber es ging irgendwie. Schade. Dazu hätte ich gern Notizen gehabt, nicht so ein Geschwafel mit undefinierbaren Zitaten oder „Verwirrheit“!

Also besuchten wir die Weise Frau. Die lebte in einem Dorf mit Barrikade, Tarnung und Langhäusern (ich weiß nicht, warum ich das aufgeschrieben habe. War nicht weiter wichtig) und erzählte uns, dass der Donnervogel die Leute hier weg haben will. Im Dorf selbst hatten sie etwas, das sie vor dem Donnervogel schützte, aber sie mussten das Dorf zum Jagen verlassen, und das war schwierig.
Aber kein Problem, jetzt waren wir ja da und würden das hinkriegen. Irgendwo in meinem Kopf fing eine kleine Stimme an, die Titelmelodie vom A-Team zu summen. Herzlichen Glückwunsch, Aiden – du bist Murdock.

Immerhin konnte uns die Weise Frau zeigen, wie wir dem Donnervogel eine Falle stellen konnten: Es gibt ein Ritual, das ihn zwingt, menschliche Gestalt anzunehmen. In dieser Gestalt trägt er einen Kopfschmuck, in dem seine Kraft versammelt ist – ohne diesen Kopfschmuck ist er viel schwächer.

Warum machten wir das? Weil wir wieder zurückwollten, weil der Donnervogel uns allen auf den Nerv ging und weil die Leute hier ja auch ganz nett zu sein schienen. Egal, es klang spannend, und nach dem Vortrag, den ich Tam über das „nicht monatelang Fehlen“ gehalten hatte, konnte ich jetzt schlecht jahrelang auf der Suche nach einem Ausweg durch die Vergangenheit wandern… na gut, hätte ich vielleicht schon gekonnt, aber ich wollte ja ohnehin mit irgendwas kämpfen, also worüber beschwerte ich mich eigentlich? Das Hühnchen mit Kojote konnte ich ja noch später rupfen.

Wir kletterten also zurück auf den Rowena Crest Viewpoint und führten das Ritual irgendwann in der Nacht durch. Pünktlich bei Sonnenaufgang war es dann soweit: Der Donnervogel tauchte auf und nahm menschliche Gestalt an. Ich rief ihm etwas weniger Freundliches zu und schoss. Er warf einen Blitz nach mir.
Gut, erste Runde ohne Ergebnis: Mein Schuss hatte zwar getroffen, aber nur ein paar Federn verwirrt; sein Blitz war eindrucksvoll, aber nicht gut gezielt. Das hat er dann aber mit dem zweiten Blitz wettgemacht, mit dem er Jo und mich angesengt hat. Okay, wir zogen uns also ganz nach Plan in Richtung des Waldes zurück. Jo verhöhnte ihn, ich habe ein Spottgedicht angestimmt.
Der Donnervogel wurde ziemlich wütend und setzte uns nach. Gut, denn so konnte Aiden aus der Deckung springen und ihm den Kopfschmuck entreißen. Aber der Donnervogel war so wütend, dass er einfach weiterrannte und schließlich ins Straucheln kam, als ihm Amanda einen Ast in den Weg schob.
Ich blieb stehen. Der Donnervogel hob seinen Kopf und blickte mich mit wutblitzenden Augen an. Im letzten Moment ging ihm auf, dass er in einer denkbar blöden Position stand, dass er das Gleichgewicht verloren hatte und dass er verwundbar war, weil er seinen Kopfschmuck nicht mehr trug. Zu spät. Ich schoss ihm in den Kopf.

Sein Körper zuckte noch ein Weilchen und spuckte hin und wieder elektrische Energie, aber er war definitiv tot.

So, Donnervogel erledigt. Das war… nicht so schwer wie befürchtet. Bis auf ein paar Verbrennungen bei mir und Jo war niemandem etwas passiert. Wir kehrten zunächst zurück ins Dorf. Die Leute da waren halbwegs erleichtert, und die Weise Frau verriet uns ein Ritual, mit dem wir in unsere Welt zurückkehren konnten. Außerdem versprach sie, unsere Heldentat als Höhlenmalerei zu verewigen. Damit war das immerhin geklärt.

Vorher hatten wir noch ein bisschen Zeit, also griff ich mir Aiden. Mit dem wollte ich schon lange mal reden. Er erzählte mir einen Haufen verquere Thesen über Bär. Er kennt den nur wütend. Richtig wütend. Eine Kraft der Zerstörung. Ich bin kein Cheyenne, ich weiß nicht, welches Verhältnis die zu Bär haben – bei uns das ein Großer Geist und kein eindeutiger Zerstörer.
Jedenfalls habe ich ihm nahe gelegt, dass er sich mal mit einem Heiligen Mann oder einer Heiligen Frau seines Stammes unterhalten solle. Dabei kam heraus, dass der Junge noch nicht mal einen indianischen Namen hat. Kein Wunder, dass er mit Bär nicht klar kommt! Ich sagte ihm, dass er auf jeden Fall eine Visionssuche machen soll, sonst nimmt das kein gutes Ende.

Nachdem wir uns trennten, verlief ich mich auf der Suche nach dem Dorf prompt ein bisschen im Wald. Kein Problem, aber als ich den Rückweg fand, kam ich an einer Schwitzhütte vorbei, in der sich gerade Amanda und Jo relativ laut unterhielten. Über – natürlich – Aiden. Mädels, so besteht ihr den Bechdel-Test nie.

Aber das ging mich nichts an, und ich hätte das gar nicht hören sollen. Als ich Amanda später traf, gab ich ihr allerdings Sunnys Nummer. Das Mädchen wirkte zu allem entschlossen, aber generell nicht sehr gut vorbereitet. Da konnte es nicht schaden, wenn sie ein paar Kontakte bekam, und das Dying of the Light ist ein sehr gesittetes Roadhouse.

Am nächsten Morgen machten wir unser Ritual und tauchten wieder beim Konzert auf. Das war gerade voll im Gang – Kyle sang munter weiter, als wäre nie ein Kojote aus ihm herausgeschlüpft, das Gerangel zwischen Punks und Einheimischen nahm versöhnlichere Züge an und endete schließlich in einer Mosh Pit und nach ein paar Stunden Rosetta-Gegröhl war es dann fertig.

Wir haben uns Kyle danach nicht zur Brust genommen. Der war kurz nach dem Konzert nämlich schon wieder total breit, genau wie die anderen in der Band. Aiden hatte die Lust verloren, da mitzumachen. Die tranken ihm zu viel.

Irgendwann später sprach ich dann doch mit Carla. Die war genervt, weil Chelton ihr einen Babysitter geschickt hatte, behauptete verkatert, alles im Griff zu haben, und überhaupt wäre sie erwachsen und das ginge weder mich noch ihren Bruder irgendwas an. Ich sagte ihr, das wäre natürlich ihre Entscheidung, aber sie solle nach der Tour gefälligst ihren Bruder und ihre Eltern besuchen. Sonst würde ich sie holen kommen. Sie fing an, mich anzuzetern, was mich das denn anginge. Ich schaute sie nur an. Leute niederstarren? Kann ich. Sie beschloss spontan, sich wieder abzuregen und eingeschüchtert zu nicken. So ganz wohl war mir nicht dabei, als sie mich so ängstlich ansah. Eigentlich will ich gar nicht, dass meine Familie Angst vor mir hat.

Mit einem blöden Gefühl in der Magengrube machte ich mich auf den Weg nach Hause. Da sind mir dann andere Sachen um die Ohren geflogen, und zwar diesmal leider nicht wegen einer Explosion, sondern weil ich Tam nur per SMS Bescheid gesagt hatte, dass ich nach Portland gefahren war. Zugegeben, das war blöd.

Danach wurde alles noch ein bisschen schlechter, aber jetzt ist es wieder besser. Carla hat ihre Eltern und ihren Bruder besucht und tourt gerade mit Red Scare und einem neuen Leadsänger durch Irland.

Jetzt bin ich fertig und sollte langsam mal wieder mit meinem Buch weitermachen. Leider hab ich überhaupt keine Idee, wie ich das wieder auf die Spur bringen soll. Vielleicht schreib ich doch eine Vampirschmonzette für Tam, die liest sowas gern. Mit einem grandios gutaussehenden Vampir mit riesigem Schlong.
…und jetzt erklärt mir mein Hirn, ich sollte doch die Vampirschmonzette mit der grusligen Vorstadt kreuzen. Desperate Housewives meets Interview mit dem Vampir. Hm.

Comments

Marganma

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