Mädchenkram - Supernatural

Demonology and heartache

A very trickster valentine

Am I being too cryptic?
Am I being too obscure?
Love kills, romance is dead
And I don’t even trust myself
But I love you

(Atreyu – Demonology and heartache)

“Cariña!” Oliveiro sah auf, als Lucie die Werkstatt betrat. Er stand auf und küsste sie zur Begrüßung auf die Wange. “Gut siehst du aus. Sehr gut sogar.” Als sie nicht antwortete, sondern einfach nur rot wurde und lächelte, begann er zu grinsen. “The luck of the Irish. Ich wusste es!” Sie lächelte immer noch, während sie den Helm auf die Seite legte und die Lederjacke auszog. “Sagen wir es so. Ich denke, die Ehe kann als vollzogen betrachtet werden”, meinte sie, was ihr einen erhobenen Zeigefinger von Oliveiro einbrachte, aber mit einem Augenzwinkern. “Sehr gut. Das war ja nicht mehr mit anzusehen, wie du hier rumgeschlichen bist, seit du aus Arizona zurück warst.” Sie öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, aber er hob wieder die Hand. “Du warst zu lange alleine. Das tut niemandem gut. Ich hab’ mir schon Sorgen gemacht.” “Ja, Papa.” Immer noch lächelnd, nahm sie Platz. Oliveiro setzte sich ebenfalls wieder und sah sie jetzt ernster an als zuvor. “Cariña, nicht, dass wir uns falsch verstehen. Solange ich diesen Typen nicht mit eigenen Augen gesehen habe, traue ich ihm nicht weiter als bis zur Türschwelle, aber er scheint dir gut zu tun. Und das ist wichtig.” Er sammelte die Papiere, die auf dem Tisch lagen, zusammen. “Und jetzt erzähl. Konntest du McKenzie helfen?” Lucie verdrehte die Augen. “Der ist wieder drauf, glaube ich. Erst hat er mich vollgeheult, aber dann wusste er angeblich von nichts mehr.” Oliveiro fluchte auf spanisch, als er das hörte, aber dann ließ er das Thema wieder fallen. Es gab wichtigeres, wie beispielsweise das Liebesleben seiner Ziehtochter. “Aber was war es sonst? Wie kam es, dass du diesmal nicht weggelaufen bist?” Sie lächelte. “Trickstermagie. Simple Trickstermagie, lieber Duarte.”

Vor zwei Wochen, in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort

“Du musst mir helfen, Luce!” Dave McKenzie hatte beinahe angefangen zu heulen, als er Lucy angerufen hatte. Verflucht. Sie war einfach zu gutherzig. Aber er war der Mann, der die Kontakte gehabt hatte, um die Bonneville über die Grenze nach Michigan zu bringen. Also konnte sie ihn nicht einfach hängen lassen. “Was brauchst du?” fragte sie, und bereute ihre Frage im gleichen Moment. Dave begann ihr wortreich von einem japanischen Schwert zu erzählen und beschrieb es in allen Einzelheiten. Himmel, hatte der Mann noch nie von Fotos und dem Internet gehört? Aber sie sagte nichts, sondern machte sich Notizen, während sie immer wieder ein “Mhm” von sich gab. Minnesota also. Warum nicht. Musste sie sich dick anziehen, aber irgendwas war ja immer.

Doch entgegen aller Befürchtungen war es in Eden Valley, Minnesota, sehr warm. Viel zu warm für diese Jahreszeit. Überall schienen schon die Blumen zu blühen, Vögel zwitscherten, und die Sonne wärmte merkwürdige Szenerien. Anscheinend hatte Eden Valley Paris als Hauptstadt der Liebe abgelöst. Überall auf den Straßen sah sie Paare, Dreiergruppen, ja sogar Vierergruppen, in allen möglichen und eher obskuren Kombinationen. Schob der Typ da eine Sexpuppe durch die Gegend? Und da, war der junge Mann nicht ein wenig zu jung für die alte Dame mit der rosa Häkelmütze? Lucie schüttelte den Kopf. Etwas fiel aus ihren Haaren zu Boden, und neugierig sah sie nach. Ein Herzchen lag auf dem Gehweg, daneben plötzlich noch eins, und noch eins. Es regnet Herzchen. Ok. Geistige Notiz: Hier stimmt etwas nicht. Lucie seufzte. Eine Stadt voller Verliebter. Hoffentlich tauchte jetzt nicht auch noch Nick auf.

Ein Stück weiter war ein großer Platz, auf dem Cafés ihre Außenbereiche aufgebaut hatten. Nicht weit entfernt befand sich ein kleiner Markt, dessen Blumenstände wahrscheinlich Rekordumsätze verbuchten. Lucie steuerte eines der Cafés an, als sie plötzlich eine ihr wohlbekannte Gestalt sah. Nick Morrissey saß an einem der Tische, ihm gegenüber ein rothaariges Mädchen, das ihn traurig ansah. In der Hand hielt sie eine Rose. Beide wirkten sehr vertraut, und Lucie spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Das wolltest du doch. Er sollte dich vergessen. Blöd, wenn man Gefühle nicht kontrollieren kann, nicht wahr? Sie überlegte, ob sie ihn einfach ignorieren sollte, aber es nagte an ihr. Was willst du eigentlich? Er bleibt doch seinem Beuteschema treu. Hübsche rothaarige Frauen. Nur dass diese sicher fast zehn Jahre jünger als du ist. Tja, keine 30 und schon aufs Abstellgleis geschoben. So schnell geht das.

Sie spürte, wie sich ihre Beine in Richtung des Tisches begaben, scheinbar ohne ihr aktives Zutun. “Hi”, sagte sie und musterte die Rothaarige. Süß war sie, keine Frage, aber eher noch ein Mädchen als schon wirklich Frau. In ein oder zwei Jahren würde sie eine echte Schönheit werden. “Oh, hallo Lucie”, begrüßte Nick sie. Er sah zu dem Mädchen hinüber und schien zu überlegen, wie er sie vorstellte. “Amüsierst du dich gut?” hörte sie sich fragen. Verdammt. Lass ihn und das Mädchen alleine, und in zwei Wochen ist Nick Morrissey Geschichte. Aber sie spürte deutlich, dass sie das nicht konnte. Nick setzte jetzt an, um der Rothaarigen und seiner… Ehefrau eine Ausrede zu präsentieren. “Ich weiß jetzt nicht, wie legal das war…” Wollte er jetzt ernsthaft dem Mädchen erzählen, dass ein Kobold sie getraut hatte, damit sie seine Feenwelt verlassen konnten? Das konnte er viel schneller und ohne heißen Brei haben. “Du bist erwachsen, ich bin erwachsen, ich würde sagen, wir sind verheiratet.” Die Augen der Rothaarigen wurden groß, und für einen kurzen Moment hatte Lucie fast so etwas wie Mitleid mit ihr. Aber dann betrachtete sie sie noch einmal von oben bis unten. Sie war wirklich ein Hingucker, und Lucie fand, dass es besser war, wenn zwischen ihr und Nick ein Abstand von mindestens zwei Bundesstaaten bestand. Das schien die Rothaarige auch so zu sehen, eine Entschuldigung murmelnd, stand sie auf und ging.

Lucie ließ sich auf den freien Platz fallen. Nick sah sie an und lächelte, dann zog er eine weitere Rose aus seinem Ärmel. Himmel, wie hatte er das gemacht? Das musste doch unglaublich unbequem sein. Aber sie hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, denn er reichte ihr die Rose mit einem Lächeln. Lucie beschloss, ihn zu ignorieren. Dieser ganze Rosa-Herzchen-Scheiß ging ihr unglaublich auf die Nerven. “Was machst du hier?” wollte sie wissen. Wenn er jetzt wieder behauptete, dass es ihretwegen war, würde sie ihm eine reinhauen. “Ich suche etwas… ein Artefakt. Für einen Kontaktmann.” Aha, das klang schon mal besser als sein übliches Süßholzgeraspel. “Ich suche ein japanisches Schwert”, erklärte sie ihm, doch anstatt etwas zu sagen, nickte er nur. Sie fühlte sich bestätigt, ihm jetzt alles zu erzählen, doch als sie fertig war, merkte sie, dass er ihr gegenüber jetzt einen Informationsvorsprung hatte. Er hatte nämlich nicht mit einem Wort erwähnt, was er suchte. Wunderbar, Beauchene. Du solltest wirklich dafür sorgen, dass du den Kerl los wirst. Du wirst nicht nur weich, sondern auch nachlässig. Aber bevor sie sich weiter für ihre Unachtsamkeit schelten konnte, stand Nick auf. “Es ist so ein herrlicher Tag, meine Liebe. Und ich sollte meine Ehefrau doch ein wenig ausführen.” Sie zog nur die Augenbraue hoch, sagte aber nichts. Es hatte doch alles keinen Zweck. Nick zahlte, dann gingen sie los.

Die Stadt war überall frühlingshaft und voller Liebe, die Bäume und Blumen standen in voller Blüte. Eine leichte Brise ging, die den Geruch der blühenden Pflanzen mit sich trug und verspielt eine Strähne von Lucies Haaren, die sich aus dem Zopf gelöst hatte, verwehte. Etwas kitzelte ihre Nase, und sie musste niesen. Sofort reichte ein junger Mann ihr unaufgefordert ein Taschentuch, mit einem Lächeln ging er weiter. Die junge Frau, die neben ihm ging, wirkte auch nicht im geringsten eifersüchtig, nein, sie lächelte ebenfalls. Wow, was immer hier vorging, das war doch mit Sicherheit nicht normal. Ob das wohl etwas mit dem Schwert zu tun hatte? Aber McKenzie hatte nicht erwähnt, dass es irgendwelchen Einfluß auf das Wetter hatte. Was also ging hier vor? Sie sah sich um und auf einmal spürte sie, wie etwas ihren linken Arm festhielt. Was…? Hielt sie gerade wirklich Händchen mit Nick? Ach du meine Güte. Wir sind doch keine Teenager.

Die Straße führte sie schließlich in einen Park. Auf den Rasenflächen waren wie überall kleine Gruppen und Paare zu sehen, der Blütengeruch war unverändert stark. In der Mitte des Parks stand ein weißer Holz-Pavillon, in dem Lucie einen jungen Mann sitzen sah, offensichtlich ein Indianer. Immer wieder betraten Menschen den Pavillon, doch Lucie fiel auf, dass der junge Mann sie alle fortschickte. Aber war hier nicht die neue Hauptstadt der Liebe? Verwundert sah sie, dass diese Tatsache auch Nick aufgefallen war. Er zog sie mit sich und betrat den Pavillon. Hatte die merkwürdige Stimmung ihn etwa angesteckt? “Was hast du vor?” wollte sie wissen, doch er antwortete nicht.
Der Indianer sah hoch und betrachtete Nick und Lucie neugierig. Dann jedoch schüttelte er den Kopf. “Ich will nur mit dir reden”, erklärte Nick, “ich habe keinerlei Absichten in Sachen Liebe.” Der Indianer lächelte versonnen, dann meinte er: “Mein Herz gehört auch schon einer anderen.” Lucie verstand jetzt gar nichts mehr. Wer war der Typ, und warum schienen alle auf ihn so abzufahren? Natürlich, er sah gut aus, aber sie hatte eigentlich anderes zu tun. Eigentlich auch anderes, als mit Nick Morrissey Händchen zu halten. Und für einen Dreier war sie schon gar nicht zu haben.
Nick war derweil in ein Gespräch mit dem jungen Mann vertieft, aber er schien nicht überzeugt zu sein von dem, was der Indianer sagte. Der lächelte jedoch nur weiter versonnen, dann griff er nach ihrer beider Hände und drückte sie. “Ihr seid so ein schönes Paar.” Sind wir? Wir sind noch nicht mal ein Paar, wir sind nur verheiratet. “Ich würde eine Ausnahme für euch machen, aber Liebe ist etwas so wundervolles.” Sein Lächeln wurde breiter, und Lucie hatte für einen Moment den Eindruck, dass er versuchte, Nick zu kopieren. Sie wollte nur weg von diesem seltsamen Typen, und so verabschiedete sie sich schnell. Nick folgte ihr und blieb neben ihr stehen. “Wer zur Hölle war das?” wollte sie wissen. “Coyote”, flüsterte Nick nur. Lucie verstand ihn nicht, was für ein Kojote? Er bemerkte ihren irritierten Blick. “Coyote. Ein Trickster. Und ich glaube, er ist schuld an dem Ganzen hier.” Das war tatsächlich eine sehr glaubhafte Erklärung für dieses Gefühlschaos hier. Sie nickte, doch dann fiel ihr wieder etwas ein. “Hättest du das Angebot angenommen?” wollte sie wissen. Er sah sie für einen Moment überrascht an. “Angebot?” “Hättest du mit dem Indianer geschlafen?” Er machte eine Pause, und Lucie fiel auf, dass sie einen Moment zu lang war. Interessant. “Nein”, beeilte er sich dann zu sagen, “natürlich nicht!” Natürlich nicht.

Sie gingen ein Stück weiter, Lucie in Gedanken bei dem Schwert, das sie für McKenzie besorgen sollte. Plötzlich klingelte Nicks Handy. Er sah irritiert auf das Display, meldete sich dann aber. “Morrissey?” Jemand schien auf ihn einzureden, er nickte nur und machte gelegentlich “Mhm” und “Aha” während des Telefonats. Schließlich beendete er das Telefonat und sah Lucie ernst an. “Das war Kyle”, sagte er, als müsse sie genau wissen, wer das war. Sie zuckte mit den Achseln, einen Kyle kannte sie nicht. “Na, der Typ aus dem Pavillon”, meinte Nick dann. Warum rief der denn Nick an? Wollte er ihn bitten, dass er es sich noch einmal anders überlegte und doch mit ihm schlief? Anscheinend stand ihr genau diese Frage ins Gesicht geschrieben, denn Nick schüttelte jetzt den Kopf. “Er wollte mir mitteilen, dass das, was wir suchen, sich in einem Hotel befindet.” Gut, es schien wohl um das Schwert zu gehen, und nicht um irgendwelche amourösen Verwicklungen. “Und hat Kyle dir auch verraten, in welchem Hotel?” Herrje, musste sie ihm alles aus der Nase ziehen?
Nick seufzte, natürlich hatte Kyle ihm auch das verraten. Während Lucie überlegte, wie sie vorgehen sollten, schlug Nick vor, dass sie vielleicht erst einmal das Hotel aufsuchten. Sie warf ihm einen bösen Blick zu. Er war so ekelhaft pragmatisch im Moment.

Das Hotel war nicht das erste Haus am Platz, aber doch ein komfortables Haus, in dem man Wert darauf legte, dass der Gast sich wohl fühlte. Es hatte nur zwei Etagen und war nicht besonders groß, es sollte also kein Problem sein, das Schwert hier zu finden. Und dann zu verschwinden. Auf Nimmerwiedersehen, Morrissey.
Während sie noch ihren Überlegungen nachhing, ging Nick zur Rezeption und erzählte dem Concierge, dass er vom FBI sei. Dem Concierge entfuhr ein entsetztes “FBI!”, und Lucie schlug sich innerlich vor die Stirn. Noch lauter, und die ganze Stadt wusste davon. Nick ließ sich jedoch nicht beirren Er müsse das Auto eines bestimmten Engländer abschleppen lassen, er wurde terroristischer Aktivitäten verdächtigt. Aha, das war wohl der Typ, der das Schwert hatte. Lucie behielt die Umgebung im Auge und sah sich um. Ihr Blick fiel auf eine ihr bereits bekannte Gestalt, das rothaarige Mädchen, mit dem Nick im Café geflirt… geredet hatte, stand in der Lobby, neben ihr eine kleinere blonde Frau, sie war gut gekleidet, altersmäßig schätzte Lucie sie auf Mitte, Ende Dreißig. Lucie wollte sich die Kleine und ihre blonde Begleiterin näher ansehen, da hatte Nick schon den Concierge überzeugt, dass er das Auto abschleppen ließ und den Engländer anrief, damit er ungestört das Zimmer durchsuchen konnte.

Der Plan ging auf, kurze Zeit, nachdem ein Abschleppunternehmen die schwarze Karosse des Engländers an den Haken genommen hatte, kam der Mann wütend die Treppe herunter und fuhr den Concierge an, was ihm einfiele. Lucie betrachtete den Engländer aus sicherer Entfernung. Er war groß und blond, etwa Ende Dreißig, und seine Züge verrieten ihr, dass er ein Mann war, der gewohnt war zu bekommen, was er wollte. Bekam er es nicht so, nahm er es sich auch einfach mit Gewalt. Dafür war mit Sicherheit der hünenhafte Schwarze mit der Melone hinter ihm zuständig, der stumm und bedrohlich in die Gegend​ sah. Solche Typen wie der Blonde waren ihr schon begegnet, und sie wusste genau, welche Knöpfe sie drücken musste. Das kleine rothaarige Dummchen würde schon ziehen bei einem wie ihm. Hoffentlich wollte er danach nicht mehr, aber sie musste Nick die nötige Zeit verschaffen, falls der Concierge einknickte oder das Abschleppunternehmen nicht schnell genug war. Sie schlich nach draußen und begann mit den Vorbereitungen.

Ok, Beauchene, du kannst das. Eilig löste sie ein paar Schrauben, von denen sie genau wusste, wie sie sie wieder festmachen musste im Notfall, dann war ihr Äußeres dran. Sie fuhr sich durch die Haare, bis sie ausreichend derangiert, aber immer noch sexy aussehen mussten. kniff sich in die Wangen, damit sie mädchenhaft erröteten, und dieses Shirt musste dran glauben, als sie den Ausschnitt ein wenig tiefer legte und ihre Brüste im BH nach oben schob. Es war kein Spiegel zur Hand, so dass sie sich so darauf verlassen musste, dass ihre Maskerade saß. Kräftig mit den Augenlidern schlagen, so dass sie aussah, dass sie ein wenig geweint hatte, und dann auf ins Gefecht.

“Sir, können Sie mir helfen?” Der Blonde drehte sich zu ihr um, sein Gesicht immer noch wutverzerrt. Als er jedoch ihren Aufzug sah, huschte ein raubtierhaftes Grinsen über seine Züge. “Worum geht es?” wollte er wissen, während er dem Hünen hinter sich ein Handzeichen gab. Sie begann, mit einer Haarsträhne zu spielen und erzählte dem Blonden mit vielen Seufzer und leichten Schluchzern, dass ihr Motorrad nicht mehr ansprang, und es sei doch gerade erst in der Werkstatt gewesen, was man denn da machen könne, sie habe ja keine Ahnung… “Ich sehe mir das mal an”, erklärte er jetzt. Lucie wies vor die Tür, und hauchte ein “Danke”, wobei sie ein wenig zu heftig ausatmete. Er grinste wieder, ging dann aber mit ihr nach draußen. Natürlich entdeckte er die losen Schrauben, mit einem “Ach, das haben wir gleich, Mädchen”-Grinsen zog er sie wieder fest. “Oh, vielen, vielen Dank, Sir.” Lucie tat inzwischen das Gesicht weh vom Lächeln und mit den Augenlidern-Klappern, doch wenn sie auf Nummer sicher gehen wollte, musste sie ihn noch ein wenig hinhalten. “Sie sind Engländer, nicht wahr?” fragte sie und hakte sich bei ihm unter, als sie wieder hineingingen. Offenbar war auch er nicht gegen den Charme dieses Ortes gefeilt, er ließ es geschehen und schien jetzt sogar zu lächeln. Hoffentlich wollte er sie jetzt nicht noch zu einem Drink einladen oder mehr. Sowas hatte sie immer nur im äußersten Notfall getan, und das hier war sicher keiner. Zu ihrem Glück beließ der Engländer es jedoch bei ein paar Plattitüden, dann verabschiedete er sich, er wolle jetzt in sein Zimmer. Nein! Nicht!

Lucie zog hastig ihr Telefon aus der Tasche und wählte Nicks Nummer. Er meldete sich mit einem fröhlichen “Hallo, Mrs. Morrissey”, was ihr unter anderen Umständen sehr gefallen hätte, aber jetzt musste er aus dem Zimmer verschwinden. “Raus da, raus!” zischte sie ihn an, dann legte sie auf. Kurze Zeit später piepste ihr Handy, es war eine SMS von Nick.

Zu dritt sind wir schon, magst du nicht die Vierte sein?

Sie verdrehte die Augen, das sah ihm ähnlich, aus allem einen Witz zu machen. Ein zweites Piepsen verkündete ihr die Zimmernummer, und mit einem Seufzen machte sie sich auf den Weg nach oben. Sie klopfte an die Tür, wartete jedoch nicht, bis jemand sie hereinbat, sondern trat einfach ein. Nick lümmelte sich auf einem Sessel, während die blonde Frau aus der Eingangshalle und das rothaarige Mädchen, mit dem er vorhin so eifrig geflirtet hatte, auf dem Bett saßen. Lucie zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts, sondern nahm neben Nick auf der Lehne des Sessels Platz. “Vielleicht sollten wir uns erst einmal alle vorstellen”, meinte die Blonde, während sie Lucie musterte. Nick grinste nur, machte dann aber den Anfang. “Mein Name ist Nick Morrissey, ich bin Pokerspieler und neuerdings auch Akquisitor für … Dinge. Das da ist Lucy Morrissey, meine Frau.” Lucie sah an sich herunter, sie wirkte eher wie eine Aushilfs-Schlampe als wie eine brave Ehefrau. Ihr Shirt verriet mehr, als es verhüllte, ihre Wangen waren noch immer gerötet, und ihre Haare waren durcheinander vom Strähne-auf-den-Finger-wickeln. Mehr als ein mattes “Hi!” und ein Winken in die Runde brachte sie gerade nicht zustande, zu peinlich war ihr ihre momentane Aufmachung.
“Mein Name ist Irene Hooper-Winslow, und ich bin die Cousine des Herren nebenan.” Lucie zog eine Augenbraue hoch. Was für eine interessante Enthüllung, und was für eine Art von Familie war das, die sich gegenseitig so behandelte? Sicher hatte die Engländerin sie nicht hier alle versammelt, weil sie ihrem Cousin ein paar Blumen schenken wollte. Doch bevor sie darauf eine Antwort erhielt, meldete das Mädchen sich zu Wort, das bisher ein Eichhörnchen auf ihrer Schulter gestreichelt hatte. “Ich bin Julie, und ich bin hier, weil es hier komisch ist.” Lucie nickte, besser hätte sie es auch nicht formulieren können. Irene sah noch einmal zu Lucie. “Wollen Sie sich vielleicht frisch machen? Da drüben ist das Bad.” Lucie nickte dankbar, dann stand sie auf. “Na, wie lief es denn mit deinem Lover?” wollte Nick wissen, als sie schon beinahe im Badezimmer angekommen war. Sie drehte sich um und sah ihn wütend an. Nichts ist passiert, Morrissey, und das weißt du genau. Während sie die Türklinke ein wenig zu heftig herunterdrückte, glaubte sie, Julie murmeln zu hören “So redet man nicht mit seiner Frau.” Oh doch. Wenn man ein Pokerspieler namens Morrissey ist, für den auch die Ehe nur ein einziges Spiel ist, schon.

Sie warf sich kaltes Wasser ins Gesicht und machte sich einen Pferdeschwanz mit einem Haargummi, dass sie in der Hosentasche gefunden hatte. Dann ging sie wieder ins Zimmer. “Ich glaube übrigens nicht, dass Ihr Cousin einen Verdacht hegt”, erklärte sie Irene. “Ich habe mir große Mühe gegeben, so zu wirken, als sei das Leuchten in meinen Augen das Licht, das zu den Ohren hineinscheint.” “Achja, das kannst du ja gut. Ich denke da an die Gelegenheit, wo du dich als Reporter-Assistentin ausgegeben hast”, meinte Nick. Klang da etwa Anerkennung in seiner Stimme mit? “Wenn Sie dann mal fertig sind mit sich loben, können wir dann weitermachen?” Irene sah ungehalten von Nick zu Lucie. “Sie wollten über das Schwert referieren, Mr. Morrissey.” Nick lächelte in ihre Richtung, doch dann begann er zu erzählen.

Er berichtete, dass er das Schwert – ein weißes Katana – im Auftrag eines Sammlers besorgen sollte, und wie er und Lucie auf den Indianer Kyle getroffen waren. Lucie spürte, dass sie errötete, als Nick erzählte, dass Coyote für sie und Nick eine Ausnahme gemacht hätte. Nanu, Beauchene. Seit wann so prüde?
Nick berichtete weiterhin, dass der Indianer ihn anschließend angerufen hatte, obwohl er ihm nie seine Telefonnummer gegeben hatte, und ihm dann gesagt hatte, dass er das Schwert hier im Hotel finden konnte. Die Tätowierung des Indianers habe ihn außerdem darauf gebracht, dass er entweder mit dem Trickster-Gott Coyote eng verbunden war oder sogar selbst der Trickster war.

Bei der Erwähnung des Tricksters wurde Irene hellhörig. Anscheinend hegte ihr Cousin einen Groll gegen einen Trickster, seit er von einer USA-Reise nach Hause gekommen war und irgendetwas – oder irgendwer – ihn zutiefst gedemütigt hatte. Aber wie passte die dunkelhaarige Frau da hinein, die sie und Julie gesehen haben wollten? War sie vielleicht Japanerin, wo es um ein japanisches Schwert ging? “Ein Fuchsgeist”, überlegte sie. Lucie hatte noch nie von Fuchsgeistern gehört, und McKenzie hatte auch nichts in diese Richtung erwähnt. Allerdings nahm McKenzie auch gerne mal Dinge, die ihn noch ganz andere Dinge sehen ließen.

Irene erzählte, dass Ian mit einer dunkelhaarigen Frau gesprochen hatte, eine Asiatin, vielleicht sogar Japanerin. Sollte sie ihm helfen, den Trickster einzufangen oder sogar umzubringen. Aber das gebe keine gute Trophäe ab. Lucie sah sie verständnislos an, was auch immer die Engländerin damit meinte. Wahrscheinlicher war, dass er Coyote binden und töten wollte.

Sie wollte auch noch mehr über das Schwert herausfinden, daher zückte sie ihr Handy und suchte eine Weile im Internet. Schließlich teilte sie ihre Erkenntnisse mit den anderen: Wenn es sich um einen Fuchsgeist, eine Kitsune, handelte bei der schwarzhaarigen Frau, so war sie auch ein Trickster, aber einer, der sich auch mit Verführung auskannte. Außerdem waren Fuchsgeister Boten der Göttin Inari. Gelegentlich heiratete einer dieser Götterboten auch einen Menschen, aber sobald der Mensch das herausgefunden hatte, musste der Geist ihn verlassen. Eine Legende erzählte von einem Schmied, der einen Fuchsgeist betrogen hatte, als er ein Schwert für den Kaiser schmieden sollte. Der Geist hatte dem Schmied seine Perle gegeben, die jeder Fuchsgeist besaß, und der Schmied hatte ihn daraufhin im Schwert gebannt.

“Kyle hat mir gesagt, dass sein Herz einer anderen gehört”, berichtete Nick jetzt, “aber er würde eine Ausnahme machen.” Natürlich musste er dieses Thema noch einmal auf den Tisch bringen, als ob nicht bereits jeder im Raum wusste, wie unwiderstehlich er war. Konnte es sich bei der Unbekannten um den Fuchsgeist handeln? Und war es sinnvoll, ihn zu warnen, dass er sich nicht mit ihr einließ, und dass alles nur Lug und Trug war, von dem Engländer eingefädelt? “Er hat mich auf die Spur des Schwertes gebracht, und wenn er weiß, wo es ist, dann rechnet er damit, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen”, meinte Nick anschließend. “Entweder geht er davon aus, dass wir es an uns bringen, oder zumindest die Perle entfernen.” Irene schien eine Idee zu haben. “Herrschaften. Interesse an einer Straftat für den guten Zweck?” Nick sah zu Lucie, doch die zuckte nur mit den Achseln. Es würde ihr schon gelingen, die Waffe an sich zu bringen, und von einer Perle hatte McKenzie nichts gesagt. Der wollte ein wertvolles Schwert, und das würde er bekommen. Also nickte sie, und Nick tat es ihr gleich.

Ihr Plan war recht einfach: Ian Hooper-Winslow und sein Schatten, der auf den Namen Gallagher hörte, mussten voneinander getrennt und abgelenkt werden. Gallagher sollte vergiftet werden, damit er Durchfall bekam, das würde ihn lange genug von seinem Boss fernhalten. War das Schwert noch bei Ian, würde Lucie es mitnehmen, ansonsten war es an Nick, es Gallagher zu entwenden, sobald der zur Toilette ging. Julie wollte sich als Kellnerin verkleiden und Gallagher das Essen oder Getränk bringen, in dem sich das Abführmittel befand.

Während Lucie das Restaurant etwas eher betrat als die anderen, verkleidet mit einer blonden Perücke, bezogen auch die anderen ihre Posten. Julie verschwand in der Küche, während Irene sich zu ihrem Cousin an den Tisch setzte. Seinem Raubtiergrinsen nach zu urteilen, fühlte er sich seiner Sache sehr sicher, aber auf Irene schien er damit keinen Eindruck zu machen. Die Frau war tough, so ein Typ würde sie nicht so schnell nervös machen.
Julie gelang es derweil, mit einem strahlenden Lächeln den etwas verunsichert dreinblickenden Gallagher davon zu überzeugen, dass er das Getränk nahm, dass sie ihm reichte. Love is in the air, und auch an einem schweigenden Bodyguard ging das nicht spurlos vorüber. Er lächelte ihr zu – zumindest interpretierte Lucie diese Grimasse als Lächeln – und trank. Perfekt!

Julie ging weiter zwischen den Tischen durch, um ihre Kellnerinnen-Maskerade noch ein wenig aufrecht zu erhalten. Lucie beobachtete sie. So, wie das Mädchen sich anstellte, wirkte sie, als habe sie nie etwas anderes gemacht, als sich einfach in ein Restaurant zu schleichen und sich als jemand auszugeben, der sie nicht war. Ach komm, Beauchene. Was hast du denn gemacht? Zugegeben, in ihrem Alter hast du gedacht, dass dein größtes Problem ist, ob Lucas Berrou mit dir nach der Vorlesung einen Kaffee trinken geht. Damals. In der anderen Zeit. Im Davor.
Jetzt kam Julie an Lucies Tisch, und Lucie konnte nicht anders, als ihr ein Kompliment zu machen. “Du bist ein Naturtalent”, meinte sie. Julie lächelte unsicher und ging dann weiter.

Inzwischen war Gallagher Richtung Toiletten verschwunden, sein Boss jedoch schien gerade seinen vermeintlichen Triumph über seine Cousine auszukosten. Lucie stand auf, beiläufig ging sie an dem Tisch vorbei und nahm die Rolle mit dem Schwert von der Stuhllehne. Langsam, um keinen Verdacht zu erregen, ging sie hinaus. Geschafft. Aber warum eigentlich nicht einfach auf die Bonneville steigen und abhauen? Was hatte sie mit Julie zu schaffen, oder mit Irene? Oder Nick… Der Gedanke an Nick versetzte ihr einen kleinen Stich, aber sie kämpfte den Gedanken daran, dass sie ihn betrügen würde, herunter. Sie war bisher immer bestens alleine klar gekommen.

Sie nahm die Perücke ab und wollte sie gerade gegen den Helm tauschen, als sie hinter sich ein Geräusch hörte. “Wo willst du hin?” Nick stand hinter ihr und sah sie ernst an. “Wolltest du etwa mit dem Schwert abhauen?” Sie machte einen Schritt auf ihn zu. Wenn sie das hier durchzog, war diese alberne Scharade, die sich ihre Ehe nannte, endlich Geschichte. “Weißt du was, Morrissey? Ich habe keine Lust mehr, auf andere Rücksicht zu nehmen.” Er schüttelte nur leicht den Kopf, dann meinte er: “Glaubst du nicht, dass der Trickster wütend wird, wenn er seinen Fuchsgeist nicht bekommt?” Was interessierte sie dieser Fuchsgeist? “Warst du schon mal im Knast, Morrissey?” fragte sie ihn jetzt, und er zog erstaunt eine Augenbraue hoch. “Naja, so eine Nacht im Gewahrsam, oder so…”, erklärte er dann. “Ich rede nicht von einer Nacht im Gewahrsam. Ich rede von fünf verdammten Jahren. Da ist man auf sich gestellt, und jeder ist sich selbst der nächste. Ich denke nur noch an mich selbst.” Sein Blick verriet nicht, was er dachte, aber er war offensichtlich nicht gewillt, sie ziehen zu lassen. “Das ist deine Antwort auf alles, einfach abhauen, oder?” Warum nur durchschaute er sie immer wieder? Was machte er mit ihr? “Komm mit, wir gehen ins Hotel zurück. Abgesehen davon, was sollen die anderen denken?” Lucie zögerte. Noch ein Schritt, und sie saß auf der Bonneville. Dann war alles vorbei, für immer. Aber warum zögerst du dann? Warum stehst du immer noch hier, knallst ihm deine Story vor den Latz und gehst nicht einfach? Das ist nicht die Schuld des Tricksters, Beauchene, denn das war schon vorher so. Man nennt das Loyalität. Vertrauen. Liebe. Ekelhafte Dinge, die du nicht brauchen kannst.
“Was ist denn hier los?” Julie sah von Lucie zu Nick und erfasste blitzschnell die Situation. “Meine Frau wollte sich gerade mit dem Schwert absetzen.” Morrissey, du bist wirklich das Allerletzte! Verpfiff er sie gerade? Soviel zu seiner netten Rede und seinem Appell an ihre Loyalität. Jeder ist sich selbst der Nächste.
Lucie wandte sich an Julie. “Du solltest niemals heiraten.” Das Mädchen sah sie überrascht an, anscheinend hatte sie so etwas auch nicht im Sinn gehabt. Sie überlegte kurz, dann meinte sie “Aber jetzt will erstmal keiner mehr mit irgendwelchen Schwertern abhauen, ja? Dann ist ja gut.” Nichts ist gut. Überhaupt nichts.

Aber Lucie hatte keine andere Wahl, sie folgte den anderen zurück ins Hotel. Als sie das Zimmer betraten und Lucie das Schwert auf den Tisch legte, begann das Eichhörnchen auf Julies Schulter zu zetern und zu keckern. “Clover, beruhig dich! Ich lasse nicht zu, dass der Fuchsgeist dir etwas tut!” Lucie beobachtete die seltsame Szenerie, und dann dämmerte es ihr. “Du bist eine Hexe!” entfuhr es ihr. Offensichtlich befürchtete Irene, dass Lucie damit ein Problem hatte, besitzergreifend legte sie dem Mädchen den Arm um die Schulter und erklärte: “Lassen Sie den Flammenwerfer stecken. Das ist meine Hexe.” Julie schien das jedoch nicht so zu sehen. “Ich gehöre immer noch mir selbst”, entgegnete sie ungehalten, “und Clover vielleicht. Und…” Ihre Stimme wurde dünn, und sie brach ab. Oh. Ohoh. Das klang nach handfestem Liebeskummer. The first cut is the deepest. Lucie wusste noch genau, wie weh das tat. Ob Lucas sich noch an sie erinnerte?

“Ich… Er hat gesagt, dass es etwas Ernstes ist, und dann hat er sich einfach nicht mehr gemeldet. Er hat mir einen Brief geschrieben, dass es nicht an mir liegt, sondern an ihm…” Aha. Na klar. Lucie nahm Julie in den Arm und hielt sie fest. “Wenn er dir sagt, dass es nicht an dir liegt, sondern an ihm, dann hat er recht, weil er ein verdammtes Arschloch ist.” Julie schniefte und nickte. “Manchmal wäre es schön, das Herz zu beeinflussen”, setzte Lucie hinzu. Julie sah sie aus großen Augen an. “Damit wir uns in die Richtigen verlieben?” Lucie sah zu Nick, der wie selbstverständlich im Sessel saß und gute Laune zu haben schien. “Oder dass es nicht mehr stärker als unser Kopf ist.”

In diesem Moment klatschte Irene in die Hände und unterbrach das Gespräch. Vermutlich hatten Frauen wie sie nie Liebeskummer. Sie sah Lucie auffordernd an, und sie reichte ihr das Schwert. “Sollten wir den Trickster anrufen?” wollte Nick wissen, doch Irene schüttelte den Kopf. “Nein, ich glaube, es ist eine bessere Idee, die rechtmäßige Besitzerin der Perle zu rufen. Der Trickster könnte auf dumme Ideen kommen.” Sie sah zu Julie, die schnell ein Taschentuch verschwinden ließ, und bedeutete ihr, den Fuchsgeist zu rufen. Offenbar konnte das Eichhörnchen ihr dabei helfen, den Namen des Geistes zu rekonstruieren, um ihn zu rufen. Ganz gleich, was es war, plötzlich stand eine dunkelhaarige Frau mit asiatisch anmutenden Gesichtszügen im Zimmer. Sie verbeugte sich in Richtung Julie. “Meister, du hast mich gerufen?” Julie nickte eifrig und wiederholte das Wort, das sie für den Namen gehalten hatte. Die Kitsune lächelte. “Das ist nicht mein Name. Nur eine Formel, um mich zu beschwören.” Julie wurde kurz rot, doch dann fing sie sich wieder. “Wir wollen dir deine Perle zurückgeben.” Der Fuchsgeist legte den Kopf schief und sah Julie misstrauisch an. “Natürlich willst du das, Meister.” Nach einer kurzen Pause überging das Mädchen den Tonfall des Geistes einfach und fragte nach Ian. “Hat dein vorheriger Auftraggeber dir aufgetragen, dich mit dem jungen Mann einzulassen?” Der Fuchsgeist nickte. “Ja, das hat er. Er wollte, dass ich ihn verführe und dass ich ihn in die Höhle bringe, damit er ihn erniedrigen und töten kann.” Jetzt machte sie ihrerseits eine kurze Pause und sah von einem zum anderen. “Ich fühle mich dem jungen Mann – wenn man ihn denn so nennen kann, so jung ist er nicht mehr – durchaus freundschaftlich verbunden.” Irene seufzte. “Wäre es dann möglich, dass du und Coyote euch in eine menschenleere Gegend zurückzieht, damit ihr nicht noch mehr Unheil stiftet und endlich diese überbordenden Liebesgefühl hier in der Stadt aufhören.” Der Fuchsgeist nickte lächelnd in Richtung der beiden Frauen, dann verbeugte sie sich, als ob sie gehen wollte.

“Erinnert du dich noch an deinen vorherigen Meister?” wollte Nick jetzt wissen. Die Kitsune nickte wieder. Morrissey, was hast du vor? “Dann sollte es dir doch ein leichtes sein, ein zweites Schwert anzufertigen.” Er sah zu Lucie, und sie spürte, wie ihr die Luft wegblieb. Hatte er das wirklich eben gefragt? Sie überlegte, ob sie etwas sagte, aber seine Frage hatte ihr die Sprache verschlagen. Hatte sie ihn die ganze Zeit falsch eingeschätzt? Lag ihm am Ende doch etwas an ihr? Sie formte ein tonloses “Danke” in seine Richtung, und er zwinkerte nur.

Irene bat die Kitsune jetzt, dass sie ihren Cousin nicht umbrachte, immerhin sei er Familie, aber der Fuchsgeist lächelte nur ein wenig verschlagen und erklärte ihr, dass umbringen langweilig sei. Auch Julie hatte noch eine Bitte: Der Fuchsgeist möge in Zukunft keine Eichhörnchen mehr fressen, wenn es ihr möglich war. Diese Bitte schien dem Fuchsgeist weniger zu behagen als die von Irene, aber sie sagte sie dennoch zu.

Julie überreichte dem Geist schließlich die Perle, und aus der Frau wurde plötzlich ein neunschwänziger Fuchs. Sie lief in Richtung Fenster, doch bevor sie hinaussprang, drehte sie sich noch einmal um. “Es würde euch allen hier gut tun, wenn ihr das mit den Beziehungen etwas lockerer angehen lasst und ehrlicher zu euch selbst seid.” Lucie hatte das Gefühl, dass die dunklen Augen des Tieres bis auf den Grund ihrer Seele sahen, aber dann wandte die Kitsune sich wieder dem Fenster zu und war verschwunden.

Plötzlich fand sich Lucie mit dem Schwert in der Hand wieder. Offensichtlich war die ganze Sache jetzt vorbei, und sie war die neue Besitzerin der Waffe. Zumindest solange, bis sie McKenzie erreicht hatte. Sie zog ihr Telefon aus der Tasche und rief ihn an. “McKenzie? Ich hab dein Schwert.” “Was für ein Schwert? Wovon redest du? Ich habe keine Ahnung, wovon du redest.” Verdammt, McKenzie. Was auch immer du nimmst, nimm endlich weniger. Oder hör ganz auf. Aber wenn du das nächste Mal drauf bist, bleib weg von einem Telefon. Lucie legte wütend auf und drückte der erstaunten Irene das Schwert in die Hand. “Das können Sie behalten.” Und für dieses Ding habe ich alles riskiert? Sie schüttelte den Kopf. Nein, für McKenzie würde sie mit Sicherheit gar nichts mehr riskieren.

Julie stand ein wenig verloren im Raum und sah durch das offene Fenster der Kitsune nach. “Locker angehen lassen” konnte sie im Moment nichts, Tränen standen ihr in den Augen. Sie sah hilfesuchend zu Irene, doch die hatte es plötzlich sehr eilig. Sie nahm das Schwert und ihre restlichen Sachen und verabschiedete sich hastig. Lucie seufzte. Hatte sie nicht genug mit ihrem eigenen Herz zu kämpfen? Aber wenn sie an ihr Gespräch mit Nick vorhin dachte, war da wahrscheinlich sowieso nichts mehr zu machen. Genau das, was du wolltest. Aber gut anfühlen tut es sich trotzdem nicht.

“Komm, wir gehen nach nebenan”, schlug sie Julie vor, denn Irene hatte ihr noch schnell mitgeteilt, dass sie das Nebenzimmer für sie reserviert hatte. Nick war jetzt aufgestanden und betrachtete die Minibar, er machte keine Anstalten, die beiden Frauen aufzuhalten.

Sie setzten sich auf das Bett, und Julie begann, von dem Mann zu erzählen, der ihr das Herz gebrochen hatte. Charmant sei er gewesen, und er habe sich wirklich um sie bemüht, obwohl er doch ein gutes Stück älter als sie war. Flann hieß er, und er sah natürlich auch gut aus und überhaupt. Er hatte sie nie bedrängt, im Gegenteil, auch wenn Lucie zwischen den Zeilen raushörte, dass sie sich an die klassischen amerikanischen Date-Regeln gehalten hatten. Als er sich eines Tages nicht mehr gemeldet hatte, hatte Julie sich zunächst nichts dabei gedacht. Sie war sowieso mit ein paar Freundinnen unterwegs gewesen. Aber nach diesem Ausflug hatte sie statt der erwarteten Nachricht nur einen Brief bekommen, in dem er sich von ihr verabschiedet hatte und ihr gesagt hatte, dass er noch etwas erledigen musste, und dass es nicht an ihr läge. Lucie schüttelte den Kopf. Das klang nach der klassischen “Ich habe bekommen, was ich wollte”-Masche, aber das sagte sie Julie nicht. Sie musste nicht wissen, dass sie auf einen der ältesten Tricks der Welt hereingefallen war, und wenn Lucie sie so ansah, gleich beim ersten Mal. “Vergiss den Typen”, erklärte sie dem Mädchen. Zu ihrem Erstaunen zog Julie jetzt unter Schniefen und Nasewischen ihr Telefon aus der Tasche und tippte darauf herum, bis sie zu den Fotos kam.
Bei dem Bild eines Mannes mit rotbraunen Haaren hielt sie kurz inne, während Lucie auf das Bild sah und erstarrte. Ihr lächelte ein wohlbekanntes Gesicht entgegen. Hank Williams. Nein, moment, wie hatte Julie ihn genannt? Finn? Flann? Der Schnösel im Anzug aus Seligman. Das war der Kerl, der Julie hatte sitzen lassen? Dieser verdammte Dreckskerl! Aber das sah ihm ähnlich, einem jungen Mädchen das Blaue vom Himmel herunterlügen und sich dann aus dem Staub machen, wenn er bekommen hatte, was er wollte. Verdammt nochmal, hatte er gewusst, dass er der Allererste gewesen war? Wenn nicht, sie würde es ihm gerne beibringen, sollte sie ihn das nächste Mal treffen. Das war ein gutes Stichwort. Solche Typen musste man da treffen, wo es weh tat. Bei ihrer Ehre oder zwischen den Beinen. Häufig war das sowieso ein- und dasselbe.
“Du kennst ihn?” Julie klang ehrlich überrascht. “Allerdings. Er hat sich Hank genannt, in Arizona, und er war in Begleitung eines Zombies unterwegs.” Lucie erinnerte sich an den Gang in dem seltsamen Appartementhaus, an die arrogante Art, mit der der Mann sie versucht hatte, abzubügeln. Plötzlich wurde ihr noch etwas klar. Er hatte sich niemals vorgestellt, dass er “Hank” hieß, wusste sie von Nick. Vielleicht war der Name, den er Julie genannt hatte, auch nicht sein wirklicher Name. Ein Betrüger in jeder Hinsicht.
“Also dann war er in Arizona”, meinte Julie mehr zu sich selbst. Lucie überlegte, ob sie Julie erzählen sollte, wie Hank-Flann-Wie auch immer in dem Haus der Lilywhites reagiert hatte, irgendetwas hatte ihn damals aufgescheucht. Aber Julie ging es schlecht genug, sie brauchte sich nicht noch mehr Sorgen zu machen, und bestimmt nicht um so einen Typen. “Vergiss den Kerl”, sagte sie stattdessen, “der hat dich die ganze Zeit betrogen und liebt nur sich selbst.” Julie nickte und lächelte schief. Lucie jedoch spürte, wie sie unruhig wurde. Arizona. Das Motel. Du wusstest es doch damals schon. Er hätte sich genauso wie dieser Dreckskerl benehmen können, sich einfach nehmen können, was er will, und stattdessen hat er dich einfach nur im Arm gehalten und gewartet, bis du nicht mehr gezittert hast. Glaubst du immer noch, dass das alles ein Spiel ist für ihn, Beauchene?

“Ich… Kann ich dich allein lassen?” wollte sie von Julie wissen. Das Mädchen nickte, und Lucie glaubte, dass das Eichhörnchen, das aus ihren Haaren hervorlugte, ebenfalls nickte. Nein, allein war Julie sowieso nicht, Clover war bei ihr. Sie lächelte, dann stand sie auf und ging nach nebenan.

Nick stand an der Minibar, in der Hand ein Glas mit Bourbon. Zunächst schien er sie gar nicht zu beachten, doch dann drehte er sich um, in seinem Gesicht war keine Regung zu sehen. Sie spürte, wie ihr Mut wieder sank. Es war besser, wenn sie einfach ging und nie wieder zurückkam. “Oh. Ich… Meine Tasche.” Eilig griff Lucie nach der Motorradtasche, die neben dem Sofa stand. Er schwenkte weiter scheinbar unbeteiligt seinen Bourbon und sah ihr zu, wie sie ihre Sachen einpackte. Weg hier. Du hast dich unmöglich gemacht. Gefühle sind was für Leute, die sie sich leisten können. Für die süße Rothaarige nebenan vielleicht, aber nicht für dich. Doch dann blieb sie in der Tür stehen und sah sich noch einmal um. “Es… es tut mir leid.” Nick zog nur eine Augenbraue hoch. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit drehte sich immer noch, es hatte etwas hypnotisches. “Was?” fragte er dann nach einer gefühlten Ewigkeit. “Alles. Was ich vorhin zu dir gesagt habe. Aber… ich weiß nicht, was ich machen soll. Am liebsten würde ich gehen und warten, bis es wieder vorbei ist.” Klingt total durchdacht, Beauchene. Sitz deine Gefühle einfach aus. Millionen unglückliche Paare, die genau das probiert haben, können nicht irren. “Bis was vorbei ist?” Tat er jetzt so unschuldig, oder wusste er wirklich nicht, worum es ging? “Ich…” Du bringst alles durcheinander, Morrissey, alles! Mein Herz, meinen Verstand, alles. “Ich kann das nicht mehr, das alles hier. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Du und ich…” Gibt es überhaupt ein Du und ich, ein Wir, oder ist das eines deiner Spiele? Er sah sie an, lange. Durchdringend. Nicht mehr der fröhliche charismatische Nick, er schien jetzt richtig verstimmt zu sein. Du hast den Bogen überspannt. Er ist nicht schuld an allem, das bist alleine du. “Das hab ich schon gemerkt.” Na bravo. Du hättest es dir auch einfach auf die Stirn tätowieren lassen können – unauffälliger wäre das auch nicht gewesen. “Und jetzt?” Er zuckte mit den Achseln. “Ich bin nicht gut für dich”, setzte sie hinzu. Ich bringe dich in Gefahr, und ich bin alleine besser dran. Sie war drauf und dran, ihm wieder ihre ganze Verzweiflung entgegen zu schleudern, doch dann besann sie sich eines Besseren. Er hatte die Wahrheit verdient. Zumindest einen Teil. “Das mit uns kann einfach nicht gut ausgehen. Ich bringe dich in Gefahr. Meinetwegen ist jetzt auch das FBI hinter dir her.” Zu ihrer Überraschung schmunzelte er jetzt. “Na und? Ich stehe sowieso bei denen auf der Watchlist. Das ist mir ziemlich egal.” Wenn er nicht von selbst gehen wollte, musste sie schwerere Geschütze auffahren. “Was glaubst du, warum ich im Knast war? Warum mich das FBI sucht?” Sie machte eine Pause, als er nicht reagierte, sondern seinem Bourbon mehr Aufmerksamkeit als ihr zu widmen schien. “Ich hab’ wegen Mordes gesessen.” Jetzt ist es raus. Lauf, Morrissey. Deine Frau ist eine kaltblütige brutale Mörderin, zumindest denkt das das FBI. Und die SPVM. “Ich…bin abgehauen, ich bin auf der Flucht.” Sie hatte sich in Rage geredet, und als er zu grinsen begann, wusste sie auch, warum. Der von Oliveiro so mühsam antrainierte kalifornische Akzent war verschwunden, und sie war fast ins Französische zurückgefallen. “Mon dieu! Ich bin noch nichtmal Amerikanerin. Ich bin Kanadierin.” Selbst das schien ihm egal zu sein. “Ich habe den Mord nicht begangen”, erklärte sie jetzt, das California Girl wieder mühsam zurückholend, “ich bin unschuldig.”

Der Blick des Richters ist unerbittlich, als er das Urteil verkündet. ”Lucienne Beauchene, ich verurteile Sie wegen heimtückischen Mordes an Thierry und Hélène Beauchene zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Die Strafe tritt sofort in Kraft”.
“Ich war das nicht! Ich habe meine Großeltern nicht umgebracht! Glauben Sie mir doch, bitte!” Der Richter beachtet sie nicht, bedeutet den Polizisten, sie aus dem Saal zu bringen. Sie legen ihr Handschellen ab und führen sie ab. Wie eine Verbrecherin. Ihr Leben in wenigen Sätzen ausgelöscht. Sie wehrt sich nicht weiter. Es hat keinen Zweck mehr. Es ist vorbei. Für immer.

Er trank jetzt einen Schluck, sagte aber immer noch nichts. Himmel, was brachte diesen Mann eigentlich aus der Ruhe? “Stehst du auf meiner Seite, oder gehen wir getrennte Wege?” Jetzt war es raus. Glaubte er ihr? Glaubte er, dass sie nicht wie all die anderen war, die neben ihr ihr Dasein gefristet hatten und behauptet hatten, dass sie unschuldig waren?
Nick machte einen Schritt auf sie zu. “Du bist diejenige, die immer abhaut. Ich habe nie irgendwelche Anstalten gemacht, wegzugehen.” Lucies Herz machte einen Satz. “Und wenn wir uns sowieso immer wieder über den Weg laufen, kann ich auch bei dir bleiben.” Jetzt lächelte er, das Nick-Lächeln, das sie am Anfang so gehasst hatte, und von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es einmal so vermissen würde. Mit einem leisen Seufzen fiel sie ihm um den Hals, und er erwiderte die Umarmung.

Geh. Nie. Wieder. Weg.

Es war viel später an diesem Abend, als sie wieder aufwachte. Von irgendwoher hörte sie leises Schluchzen. Nick? Nein, das war eindeutig eine weibliche Stimme. Julie! Lucie löste sich aus Nicks Umarmung. Sie waren irgendwann Arm in Arm in dem Hotelbett eingeschlafen, ohne weiter zu reden, denn im Moment bedurfte es keiner Worte, um das auszudrücken, was sie fühlten und dachten. Ich bin auch eine tolle Freundin. Erst der Kleinen erzählen, dass Hank ein großes Arschloch ist – Lucie spürte, wie wieder die Wut in ihr auf den arroganten Jäger hochstieg – und sie dann in ihrem Kummer allein lassen. Sie stand auf und sah auf den schlafenden Nick. Wenn ich jetzt gehe, denkst du dann, dass ich wieder abgehauen bin? Weggelaufen, weil du hinter die Fassade geguckt hast? Weil du weißt, wie ich mich fühle, was ich für dich fühle? Ich komme wieder. Dieses Mal laufe ich nicht weg.

Leise, um ihn nicht aufzuwecken, schlüpfte sie aus dem Zimmer, hinüber zu Julie. Das Eichhörnchen saß auf ihrem Kopfkissen und sah sie aus großen Augen an, doch wenn es etwas sagte, Lucie konnte es nicht verstehen. “Hey”, meinte sie nur und setzte sich auf die Bettkante, “hey. Alles wird gut.” Julie blinzelte sie unter Tränen an. “Aber… “ “Nichts aber. Der Kerl ist das Allerletzte. Und sollte ich ihm noch einmal begegnen, sag’ ich ihm das auch genauso.” Gleich nachdem seine Kronjuwelen Bekanntschaft mit meinen Knien gemacht haben. Julie versuchte ein Lächeln. “Versprochen?” Lucie nahm ihre Hand und drückte sie. “Versprochen.” Julie schniefte. “Bleibst du bei mir?” wollte sie dann wissen. Lucie überlegte kurz. Was, wenn Nick aufwachte? Noch war alles neu und fragil, und sie wollte sein Vertrauen nicht gleich wieder missbrauchen. Aber Julie brauchte jetzt Trost, sie war noch lange nicht über das hinweg, was Flann ihr angetan hatte. Sie fischte ihr Telefon aus der Hosentasche und schickte ihm eine Nachricht.

Bin bei Julie, ihr gings nicht gut. Ich bin wirklich geblieben. Sehe dich morgen früh. L.

Hoffentlich las er sie rechtzeitig, aber das hier war jetzt wichtiger. Julie rutschte zur Zeit und griff nach der Fernbedienung. “Wir können ein bisschen fernsehen”, schlug sie vorsichtig vor, und Lucie nickte. Ihr war gerade so merkwürdig warm. War das die Nachwirkung des Tricksters? Oder vielleicht das Bewusstsein, dass sie zum ersten Mal seit sie so alt wie Julie gewesen war, endlich wieder ein Stück Normalität hatte? Du wirst weich, Beauchene. Ja, und es macht leider verdammt viel Spaß.

Sie erwachte vom Schlagen der Türen auf dem Gang. Wo war sie? Ihr Blick fiel auf die schlafende Julie, das Eichhörnchen neben ihr, sein Schwanz ringelte sich wie ein roter Plüschschal um ihren Hals, so dass man nicht sehen konnte, wo Julies Haare endeten und Clovers Fell begann. Lucie ging auf Zehenspitzen wieder nach nebenan, doch das Zimmer war leer. Für einen Moment hatte sie die schreckliche Befürchtung, dass er gegangen sein könnte, dass er sie diesmal verlassen hatte. Reiß dich zusammen, Beauchene. Ein Blick aus dem Fenster verriet ihr, dass die Corvette immer noch da stand, wo sie hingehörte. Er ist noch hier, und du wirst ihn finden.

Hastig zog sie sich Schuhe an und lief in den Speisesaal. Tatsächlich, da saß er und trank Kaffee. Als sie näherkam, blickte er auf, seine ganze Körperhaltung verriet sein Erstaunen. “Guten Morgen, Mrs Morrissey”, begrüßte er sie. “Ich bin noch da”, sagte sie lächelnd und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. “Und ich habe nicht vor, das so schnell zu ändern.”

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Niniane

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