Mädchenkram - Supernatural

Der Pessach-Tisch-Dämon

aus Flann's Sprachnotizen

Flann Breugadair’s Diary über den Pessach-Tisch-Dämon

Lautes Rascheln, Motorengeräusche, im Hintergrund läuft Rock-Musik über einen Satelitenradiosender, der problemlos in den ganzen USA zu empfangen ist.

„Also gut, dann wollen wir mal. Ich bin gerade auf dem Weg von New York nach Boston. Hatte ein sehr interessantes Wochenende und versuche jetzt die wichtigsten Eckdaten festzuhalten, um später weiterhin alle Geschichten überblicken zu können.
Bin Gestern am frühen Morgen südlich von New York gewesen, als ich in einem Lokalsender plötzlich Nachrichten über verrückte Vorkommnisse in Brooklyn hörte. Es gab offensichtlich Begebenheiten, die den ersten 4 der 10 biblischen Plagen sehr ähnelten. Mein Monstertrigger ist sofort umgesprungen und ich habe einen Abstecher nach Brooklyn gemacht, mich in einem kleinen Motel eingemietet und mir die nötigsten Dinge, wie Mückenspray und Gummi-Handschuhe, besorgt, bevor ich mich zu Fuß zu einem der möglichen Ursprünge der Vorkommnisse bewegt habe. Hatte inzwischen bereits erfahren, dass einher mit diesen biblischen Plagen auch eine Mordserie gestartet war, die ihren Ursprung in Borough Park hatte.
Wie es der Zufall wollte stolperte ich vor einem Antiquitätenhändler direkt in zwei Jäger, wovon ich zumindest eine der beiden Personen schon kannte: Irene Hooper-Winslow, eine attraktive Blondine mit englischem Akzent und gewinnendem lächeln, die ich auf Mitte bis Ende 30 schätzen würde. Hatte sie vor ein paar Wochen in einem Roadhouse in North Carolina gesehen, wie sie sich mit einem anderen Jäger über seltsame Vorkommnisse unterhielt, in die Engel verwickelt sein sollten.
Muss gestehen, dass ich durch sie einen kurzen Moment abgelenkt war, denn ich bemerkte erst nach unserer kurzen und verständlicherweise sehr förmlichen Begrüßung, dass sie nicht alleine war, sondern von einem weiteren, sehr viel jüngerem Jäger Namens Lyle Winters begleitet wurde. Er machte auf mich eher den Eindruck eines verlorenen Jungen, als den eines Jägers, zuckte aber im Verlauf der späteren Ermittlungen mit keiner Wimper. Außerdem hat er eine schnelle Auffassungsgabe. Vielleicht sollte ich ihn mal in eine meiner Aktionen einbeziehen. Vorher muss ich aber noch mehr über ihn in Erfahrung bringen.“

Geräusch vom Schlürfen eines Getränks, danach scharfes Einatmen.

„Mist… noch zu heiß… Okay, wir unterhielten uns kurz auf der Straße und Irene erklärte, dass sie, bzw. Ihre Firma, vor kurzem ein antikes Möbelstück an diesen Händler verkauft hatte, dessen Fensterfront übrigens ein riesiges Loch aufwies. Irene hatte schon einen Termin mit dem Besitzer ausgemacht und wir wurden in die Wohnung gebeten.
Die Besitzer des Ladens, eine Familie Druker, zeigte sich sichtlich beunruhigt. Sie wussten nicht wirklich, ob die Vorkommnisse in Brooklyn bei Ihnen ihren Ursprung hatten, wurden aber bereits von einer vagen Ahnung beschlichen, dass dies durchaus der Fall sein konnte. In der folgenden Stunde konnten wir folgendes herausfinden: Die Drukers waren praktizierende Juden, sie hatten einen antiken Tisch von Irenes Firma bezogen und diesen in ihren Geschäftsräumen unten im Erdgeschoss aufbewahrt. Sie feierten gerade den Beginn des Pessach-Festes, einem Fest zur Erinnerung an den erfolgreichen Auszug der Juden aus Ägypten, so weit ich dass verstanden habe, als sie von unten, aus den Geschäftsräumen, seltsame Geräusche und eine laute Stimme hörten, die etwas auf einem alten Hebräischen Dialekt sprach. Sie verstanden die Worte >>Es befindet sich Gesäuertes im Haus!<< , die drei mal wiederholt wurden, bevor es ein lautes Klirren gab. Als sie nach unten in den Laden kamen fanden sie ihn leer vor und ihre Frontscheibe war eingeschlagen.
Wir baten die Drukers daraufhin nach mehr Informationen über die alten hebräischen Geschichten, die sich um diesen Pessach-Tisch drehten, während wir ihn selbst einmal in Augenschein nahmen. Lyle erwies sich als sehr findig und entdeckte eine Möglichkeit die Tischplatte zu verschieben und darunter ein fast menschengroßes Fach freizulegen, in dem wir Kräuterspuren und einige Schriftzeichen entdeckten. Solche Schriftzeichen hatte ich bisher noch nicht gesehen, aber Lyle kamen sie als Engelssymbole bekannt vor, mit denen man Engel rufen oder Dämonen binden könne, oder umgekehrt, oder beides. Es war eine ungenaue Deutung, aber immerhin hatten wir damit eine ungefähre Idee, was vorgefallen sein konnte: Ein hebräischer Dämon ist aus dem Tisch Auferstanden, als das Pessach-Fest begann und machte sich von hier aus auf den Weg und brachte andere praktizierende Juden um, die in dieser Gegend lebten.“

Scharfes Bremsgeräusch, gefolgt von Hupen.

„Pass doch auf Du Idiot!“

Geräusch von einem beschleunigenden Motor.

„Wo war ich? Hmm… ah ja: Ben Druker gab uns noch ein altes Werk über hebräische Mythologie, Irene rief ihren Mann in Übersee an, um von ihm mehr Informationen über den Tisch zu erbeten und wir fanden an der Fensterfront noch einige olivgrüne Kräuterspuren, die denen aus dem Tisch ähnelten. Außerdem gab uns Ben noch den Tipp im jüdischen Gemeindezentrum vorbeizuschauen, wenn wir noch mehr Informationen über den jüdischen Glauben und Aberglauben erfahren wollten. Irene bekam dann noch einen Rückruf aus Europa, bei dem man ihr Mitteilte, dass der Tisch damals in die Bestände der Firma(?) aufgenommen worden war, da er in Bezug zu einem Dämon stand, der aber seither nicht wieder aufgetaucht war. Es hatte da wohl einen Vorfall mit diesem Tisch gegeben, aus dem ein Dämon hervorgesprungen kam und die Familie eines Rabbis ermordete, bis der Sohn der Familie diesen mit dem Namen Gottes besiegte, dabei jedoch auch selbst getötet wurde.
Nach Erhalt dieser Nachrichten verabschiedeten wir uns von den Drukers und wollten uns zunächst zur Beratung in ein kleines Restaurant setzen.
Bevor wir uns für etwas entscheiden konnten, erhielt Irene einen Anruf von einem alten Bekannten, der sie spontan in Brooklyn treffen wollte. Sie entschied, dass wir alle ihn zusammen treffen sollten, da er sich ebenfalls mit übernatürlichen Dingen auskannte. Stellte sich als ein Doktor Nelson Akintola vor, der zudem Professor für irgendwas in Seattle war. Der erste schwarze Professor den ich je kennengelernt habe.
Naja, abgesehen davon, dass er überrascht schien Irene nicht für sich alleine zu haben, war er sehr gefasst beim Thema Übernatürliches und erklärte sich bereit das Buch der Drukers einmal querzulesen, während ich mich umzog und für meinen Auftritt als Richard Taylor vorbereitete.
Wir hatten beschlossen zunächst einmal die Tatorte genauer unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, was die Polizei bisher schon herausgefunden hatte. Als ich zurückkam, erfuhr ich, dass Dr. Akintola in dem Buch ein Bild des Dämons finden konnte mit einer kurzen Beschreibung seines Wirkungsfeldes. Offenbar eine Art Rachedämon, der die Gläubigen für ihre Fehler bestrafen sollte.
Diese Erkenntnisse deckten sich dann auch mit den Hinweisen die wir über den Tag noch sammelten: Spuren an den Tatorten, die eindeutig auf den Dämon auf dem Bild wiesen und Hinweise der Polizei, die die Opfer als Juden auf dem Weg zum, oder vom weg zurück vom Gebet beschrieben. Natürlich hatten alle diese Gläubigen irgend etwas falsch gemacht, was sie in den Augen des Dämons zum Ziel seiner Rache werden ließen.
Warum zeitgleich auch die Zehn biblischen Plagen starteten, als der Dämon mit seinem Werk begann, kann ich leider nicht sagen, aber zumindest hatten wir nun die Hoffnung beide Probleme zusammen mit dem Dämon beerdigen zu können.
Dafür mussten wir allerdings erst mal herausfinden, wie man dem Dämon schaden konnte, und da sich dazu leider nichts im schlauen Buch der Drukers befand, machten wir tatsächlich einen Abstecher ins jüdische Gemeindezentrum.“

Raschelnde Geräusche, ein Abbruch der Tonspur, Wiederbeginn der Aufnahme, Blinkergeräusche.

„Hatte mich im Gemeindezentrum kurzerhand als Romanautor ausgegeben und unser Ansprechpartner dort fraß mir buchstäblich aus der Hand, nachdem ich mir von Ihm das versprechen abringen ließ, ihm zur Korrektur Einblick in das Buch zu gewähren und ihn dafür Namentlich zu erwähnen. Schmeicheleien sind doch immer wieder ein Türöffner.
Wir bekamen daraufhin unsere restlichen Puzzlestücke Freihaus geliefert: Der Tisch wurde dem Rabbi von einem Christen geschenkt, der ihn offenbar mit dem darin verborgenen Dämon vernichten wollte. Es handelte sich wirklich um einen Rachedämon und dieser sei nur mit Hilfe des wahren Namens Gottes zu besiegen, könne aber durch andere heilige Reliquien, wie zum Beispiel das Blasen eines Widderhorns gelähmt werden.
Wir bekamen eine alte Schriftrolle zu sehen, auf der sich der wahre Name Gottes in geschriebener Form fand, fotografierten diesen, um ihn später auf Aufkleber zu kopieren. Außerdem erhielten wir, nach einem kurzen Überredungskunststück von Lyle und mir, ein echtes Widderhorn. Das verrückte war, dass Lyle es sogar spielen konnte. Der Junge musste offensichtlich einige verrückte Sachen machen, bei dieser Sekte, in der er aufgewachsen war.
Gerüstet mit unserem neuen Wissen machten wir uns daran die Aufkleber anzufertigen, noch einen Scheinwerfer von Irene mit dem Schriftzug zu präparieren und die Route des Dämons zu berechnen, so dass wir ihm in der Nacht auflauern konnten.
Der Rest ist dann gute alte Jägerarbeit gewesen. Lyle konnte den Dämon mit einem anscheinend perfekt gespielten Widderhornsignal lähmen und Irene machte ihn mit einem großen Kampfmesser handlungsunfähig, so dass ich ihm einen unserer Aufkleber auf die Stirn pappen konnte, was ihn sofort zu Staub und Kräutern zerfallen ließ. Haben die Kräuter dann noch angezündet, um ganz sicher zu gehen. Doppelt hält besser.“

Blinkergeräusche, leiser werdendes Mototengeräusch, abstellen des Wagens.

„So… hätten wir das also auch mal wieder geschafft. Ach ja, Irene hat zur Nachsorge den Tisch wieder zurückschicken lassen und versprochen mit den Drukers in Kontakt zu bleiben, bis alles geklärt wäre. Wir haben noch unsere Kontaktdaten ausgetauscht und sie wollte sich mal kundig machen, ob es eventuell eine Hexe gäbe, die bereit wäre mir bei meinem Problem zu helfen. Bis das so weit ist, werde ich mich mal hier in Salem aufschlauen. Denke aber, dass ich mit Irene Hooper-Winslow endlich an die Person mit den Richtigen Kontakten in der Jägerszene geraten bin, um mit meinen Nachforschungen weiterzukommen.

Klicken. Ende der Aufnahme.

Der_Tischd_mon_2.jpg

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Timberwere

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