Mädchenkram - Supernatural

Die Kinder Ouroboros

Gideons Perspektive

Point Hope, Alaska. Das ist sowas von am Arsch der Welt, da fühlen sich sogar die Karibus einsam. Rettungssanitäter in der Southside zu sein, ist vielleicht nicht der beste Job der Welt, aber wenn ich an die Kerle denke, die hier im hintersten Winkel Alaskas Öl fördern…ich beschwer mich nie wieder, ich schwör‘s. Aber was soll’s, jetzt sind wir hier. Als Irene mir die Stories von angeblichen Bärenangriffen und der Sichtung einer riesigen Schlange erzählt hat, konnte ich wohl schlecht Nein sagen. Wenn wir den Leuten nicht helfen, wer dann? Bestimmt nicht irgendein Sheriff, der eine übernatürliche Kreatur nicht mal dann von einem Eisbären unterscheiden könnte, wenn sie ihm in den Hintern beißt.

Außerdem ist ein Jäger namens Ethan mit von der Partie. Schwer zu sagen, was in ihm vorgeht. Fast fünf Stunden sitzen wir jetzt im Auto, auf dem Weg von Point Hope raus zur Ölforderstelle, und er hat noch keine drei Worte gesprochen. Immerhin packt er mit an, wenn es nötig ist, und er scheint zu wissen was er tut. Aber er ist ein Jäger, und von denen kenne ich genug um zu wissen, wie es bei manchen unter der Oberfläche brodelt. Ich behalte ihn besser im Auge.

Dann haben wir in dem Diner in Point Hope noch diesen Lyle aufgegabelt, ein komischer Kauz, fast noch ein Kind. Er hatte keine Probleme damit, von sich zu erzählen. Was er alles ausgepackt hat, hat mich fast zur Weißglut gebracht. Von irgendwelchen religiösen Fanatikern, bei denen er aufgewachsen ist, von Kindesmissbrauch und Dämonen, und das alles ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Ich hab einfach die Klappe gehalten, hatte genug damit zu tun, nicht die Beherrschung zu verlieren. Hoffentlich schmoren diese Sektenführer alle in der Hölle.

Scheinbar ist ein Mädchen, das Lyle von früher kennt, schon wieder in eine Sekte hineingeraten, die genau hier im hintersten Winkel Alaskas ansässig ist, wo auch diese seltsamen Vorfälle passiert sind. Wenn das Zufall ist, fress ich einen Besen. Ethan ist auch ganz hellhörig geworden, als er von dem Namen dieser Gruppe gehört hat: die Kinder Ouroboros Er meint, das ist in der Mythologie der Name einer Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, das Symbol ewigen Lebens.

Endlich sind wir da, und wir beschließen, den Kindern Ouroboros mal auf den Zahn zu fühlen. Lyle fragt einfach nach seiner Freundin, und schon sind wir alle zum Essen eingeladen und können mit dem Oberhaupt der Sekte reden. Sie nennt sich Abigail und behauptet, sie sei Mitte fünfzig, sieht aber keinen Tag älter als 35 aus, und sie strotzt vor Gesundheit, genau wie alle anderen Mitglieder der Gemeinschaft. Nur dass sich ihre Haut stellenweise ablöst, fast wie bei einer Schlange, die sich häutet. Angeblich wegen Mangelernährung, aber das nehme ich ihr keine Sekunde lang ab. Abigail erzählt uns eine schöne Geschichte über ihre Sekte, die schon seit hunderten von Jahren an diesem Ort besteht, wie glücklich alle hier sind, wie sie im Einklang mit der Natur leben, und dass niemand die Gemeinschaft je wieder verlassen will. Sie verschweigt etwas, das ist ganz offensichtlich.

Als wir auf ihre Nachbarn von der Öl-Gesellschaft zu sprechen kommen, bröckelt ihre Fassade. Sie hält uns einen Vortrag, dass Fracking die Umwelt zerstört, und was sie alles unternommen haben, um die Firma zum Aufgeben der Ölförderung zu bewegen, aber sie bestreitet, etwas mit den Sabotage-Akten zu tun zu haben, und mit den Angriffen auf die Mitarbeiter.

Immerhin geht es Dinah gut, und sie wirkt nicht eingeschüchtert, also können wir nicht viel tun als abzuziehen. Als nächstes fahren wir zum Bohrturm. Irene tritt so selbstbewusst auf, dass ich ihr gern die Führung überlasse. Schließlich hat sie ein paar Jahre mehr Erfahrung als ich, abgesehen davon, dass ich ein ganz miserabler Lügner bin. So glaubwürdig finde ich allerdings ihre Coverstory nicht, aber irgendwie schafft sie es trotzdem, den Vorarbeiter davon zu überzeugen, dass die Firmenbosse uns geschickt haben, um die Vorfälle zu untersuchen. Sogar dass Lyle als Medium beim Team ist, um übernatürliche Phänomene zu ermitteln, schlucken sie.

Als wir über das Gelände gehen, erschüttert ein Beben die Erde, und kurz danach noch einmal, aber viel heftiger. Heilige Scheiße, wenn das vom Fracking kommt, kann ich verstehen, dass alle sich so darüber aufregen. Als Ethan den Vorarbeiter danach fragt, haben wir den Eindruck, dass ihm die Stärke des Bebens selbst nicht ganz geheuer ist. Er sagt auch, dass er die „Hippie-Spinner“ von nebenan für die Sabotage an Maschinen und Geräten für verantwortlich hält.

Wir sprechen mit einem Arbeiter, der eine Schlange gesehen haben will, die so groß war wie der Bohrturm. Ich hatte gehofft, die Gerücht seien übertrieben, aber der Typ scheint es ernst zu meinen. Jeez, was machen wir, wenn sich wirklich so ein Riesenviech hier herumtreibt? Auch einen der Verletzten können wir besuchen. Er hat nicht wirklich gesehen was ihn angegriffen hat, aber wenigstens meint er, es sei nicht größer gewesen als er selbst. Seine Wunden sehen aber beunruhigend aus, fast als hätte ein Blutegel ihm ein Stück Fleisch aus dem Bein gerissen. Haben wir es hier mit Riesenwürmern zu tun? Auf dem Gelände finden wir tatsächlich Spuren, die vermuten lassen, dass sich das Wesen durch die Erde gräbt und dann an die Oberfläche kommt, um anzugreifen. Auch einen Zahn und ein Stück Haut stellen wir sicher.

Als der Vorarbeiter hört, dass wir nachts Patrouille gehen wollen, lässt er sich überreden, uns über Nacht bleiben zu lassen. Um mehr über die Schlange zu erfahren, ruft Irene zuhause in England an. Offenbar hat ihre Familie ein riesiges Archiv mit okkulten Informationen, und ich nehme ihr sofort das Versprechen ab, dass ich bei Gelegenheit mal darin stöbern darf. Ihr Gesprächspartner scheint nicht ganz so kooperativ zu sein, so dass wir erst einmal auf uns allein gestellt sind und ohne die Informationen planen.

Ich bin nicht begeistert davon, dass Lyle den Köder spielen will, und es steht Ethan ins Gesicht geschrieben, dass er dasselbe denkt. Aber wahrscheinlich lässt sich der Junge sowieso nicht davon abbringen, und dann ist es vielleicht am besten, wenn wir ihm den Rücken decken. Ethan benutzt einige der Stromleitungen auf dem Gelände, um daraus eine Falle zu bauen,

Lyle macht seinen Job wirklich gut – zu gut. Er hat noch nie das Nordlicht gesehen und ist so darauf fixiert, dass er nicht rechtzeitig merkt, dass direkt neben ihm ein Wurm aus der Erde bricht. Bevor wir ihm zur Hilfe kommen können, hat das Viech schon einmal zugebissen, aber dann sind wir alle da, um dem Viech den Garaus zu machen. Oder zumindest, es auszuschalten. Denn nachdem jemand die Vermutung geäußert hat, dass es sich bei den Würmern um verwandelte Sektenanhänger handeln könnte, lassen wir die schweren Waffen lieber im Holster, sondern benutzen die weniger tödlichen. Schließlich gelingt es Lyle, den Wurm in die Falle zu locken, und die Kreatur wird von dem elektrischen Schlag bewusstlos.

Fragt sich nur, was wir nun damit anfangen. Aber eins nach dem anderen, erstmal kümmere ich mich um Lyles Wunde. Ganz automatisch rede ich beruhigend auf ihn ein, wie ich es immer mit Patienten nach einem Unfall mache, aber das scheint ihn erst richtig aufzuregen. So naiv wie der Kleine sonst ist, er hat wohl eine feine Antenne für Menschen, also lasse ich das Theater bleiben und flicke ihn einfach zusammen.

Jetzt, wo alles vorbei ist, bekommt Irene doch noch eine Information aus England: Scheinbar haben irgendwelche Mönche bestmmte Chemikalien gegen die Würmer eingesetzt, darunter auch welche, die beim Fracking verwendet werden. Vielleicht liegt es also daran, dass die Würmer aggressiv geworden sind.

Währenddessen haben Irene und Ethan den Wurm notdürftig verschnürt und auf den Jeep geladen. Wir beschließen, ihm zu den Kindern Ouroboros zu bringen und ihnen direkt ins Gesicht zu sagen, was wir über sie herausgefunden haben. Als wir auf ihre Bitte hin den Wurm freilassen – sie nennen ihn Franklin – sind sie zumindest bereit zu reden. Jetzt wo die Karten offen auf dem Tisch liegen, erzählen sie uns, dass es tatsächlich eine Riesenschlange gibt, die unter der Erde lebt, und die durch das Fracking in ihrer Existenz bedroht ist.

Wir überzeugen die Sektenmitglieder, dass sie keine Chance haben, die Ölgesellschaft durch Sabotage zu vertreiben, sondern nur noch mehr Aufmerksamkeit erregen würden. Und das wollen sie auf jeden Fall vermeiden. Denn es stellt sich heraus, dass die Kinder Ouroboros von ihrer Mama essen und dadurch nicht nur gesünder und langlebiger werden, sondern sich am Ende ihres Lebens in einen Wurm verwandeln und auf diese Weise weiterhin existieren und Teil des Kollektivs bleiben. Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass manche Leute keine Skrupel hätten, die Schlangenmama auszuschlachten, um mit Langlebigkeits-Mitteln ein Vermögen zu machen. Wir versprechen, das Geheimnis für uns zu behalten, wenn die Sekte sich mitsamt ihrer Mutter einen Ort umsiedelt, an dem keine Konflikte mit anderen Menschen zu befürchten sind, am besten an einem Ort, an dem die Ölgesellschaften schon Probebohrungen vorgenommen haben und das Gebiet als unergiebig eingestuft haben. Irene zieht sogar noch ein paar Fäden, damit die Ölförderung eine Weile stillgelegt wird und die Schlange in Ruhe umgesiedelt werden kann,

Alles in allem haben wir das ganz gut hingekriegt, und das noch ohne großes Blutvergießen. Kein schlechtes Teamwork, für solche schrägen Vögel wie uns. Über ein paar Bierchen in der Kaschemme in Point Hope kommen wir ins Quatschen, und es zeigt sich mal wieder, wie klein die Welt ist. Die anderen Jäger haben jede Menge gemeinsame Bekannte in der Szene, und sie erzählen Stories, bei denen ich froh bin, nicht dabei gewesen zu sein. Hätte ich auch nur einen Funken Verstand, würde ich den Job an den Nagel hängen, bevor ich noch tiefer in diese Welt reingezogen werde.

Wie auch immer, ich habe in den letzten Tagen mehr als genug plattes Land gesehen, es wird Zeit, dass wir wieder nach Hause abdüsen. Irene bietet Lyle an, seinen Flug zu bezahlen, und wir versuchen ihn zu überreden, mit uns zu kommen, aber wenn es um seine Unabhängigkeit geht, steht dem Kleinen sein eigener Stolz im Weg, und je mehr wir auf ihn einreden, desto entschlossener ist er, sich selbst wieder nach Hause durchzuschlagen. Naja, da lässt sich nichts machen. Hoffentlich behält er wenigstens die 50 Dollar, die ich ihm heimlich in die Jackentasche gesteckt habe.

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Timberwere

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