Mädchenkram - Supernatural

Engelstränen

Supernatural 3.7.2012:

Amerika treibt schon interessante Blüten. Da gibt es diesen Friedhof bei San Francisco, der eine ganze Stadt mit 1.5Mio Toten ist. Oder besser die Stadt die ein einziger Friedhof ist, mit ein paar Leuten, die von den Toten leben. Nein, nur im wirtschaftlichen Sinne. Soweit ich erkennen konnte jedenfalls. Weil Frisco keine Friedhöfe auf dem Stadtgebiet haben will, werden sämtliche Leichen der Stadt nach Colma ausgelagert.
Es ist ein beeindruckender Anblick. Gräber aller Couleur und Konfession so weit das Auge reicht.
Mich hat es hierher getrieben, wegen des angeblichen Wunders der weinenden Statue. Ein Klassiker. Engelsstatue weint Blut. Ein junger Mann (Ben Carson) wird von Krebs geheilt. Die Zeitungen berichten darüber. Leute fangen an, zu einem Grab zu pilgern.
Zusätzlich gab es noch zwei Leichen. Blutleere Mädchen mit Schnitten an den Schlagadern. Die Leute neben mir am Frühstücktisch witzeln herum, dass es sich um einen Vampir handelt und wollen mit dem Blutsaugerthema gar nicht mehr aufhören. Ihr Humor wird zunehmend niveauloser. Wenigstens gehören sie nicht zu den Vampirromantikern.
Ich habe genug gehört und suche die Bibliothek auf, um ein wenig in der übernatürlichen Geschichte der Stadt zu stöbern. Das ist eine Bibliothek? Ein Trauerspiel. Wie schafft es die Bibliothekarin trotz allem überarbeitet zu wirken?

Ich finde einen interessanten Artikel über einen Hexenprozess vor mehreren hundert Jahren, als es unter dem Tisch ein Klicken gibt, das ich ungern höre, wenn es nicht von meiner Waffe kommt. Der Jäger von dem Zwischenfall mit den Ghulen sitzt mir gegenüber. Der behauptet hat, Marcus wäre sein Partner. Name, Name,… Cal. Hat sich offenbar nochmal durch den Kopf gehen lassen, dass er mir das Horn doch nicht überlassen will. Er schlägt mir, unfreundlich aber bestimmt, einen Ausflug auf den Friedhof vor. Wohin auch sonst? Um zu sehen, wie geladen er wirklich ist, kopiere ich noch eben in aller Seelenruhe den Artikel. Naja, Seelenruhe. Ich brauche die Zeit, um mir über mögliche Auswege Gedanken zu machen und mich auf eine Art von Gespräch vorzubereiten, die ich einfach nicht gutheißen kann. Körperlich ist er mir mit hoher Wahrscheinlichkeit über. Ich habe aber schon beobachtet, dass er über ein Gewissen verfügt. Und wenn er mich umbringt, erfährt er nicht, wo das Horn ist. Allerdings sollte er auch nicht erfahren, dass er da wo es ist, nicht rankommen wird, sonst bringt er mich womöglich doch um. Ich will nicht durch die Hand eines Jägers sterben. Mein Abgang sollte schon etwas mehr von Blitz und Donner begleitet sein.

In einer schlechter einsehbaren Ecke des Friedhofs findet er schnell klar Worte. Wie vermutet, will er das Horn wieder. Ob wir das vernünftig regeln können, oder ob es die harte Tour sein muss. Filmreifer Spruch. Sehr amerikanisch. Natürlich glaubt er mir nicht, dass ich es nicht mehr habe. Die Nuance zwischen Besitz und Eigentum entging ihm. Also lasse ich mich auf einen Faustkampf mit ihm ein. Ausweichen. Müde machen. Vielleicht auch nicht. Der Mann ist gut trainiert.
“Hey, nimm deine Deckung hoch!” Eine Frau mit lateinamerikanischen Zügen, die an einem Grabstein lehnt und auffällig gut ins Hunterprofil passt, mischt sich ein. Ich bin abgelenkt. Mein Angreifer nicht. Der Schlag raubt mir den Atem und lässt mich überdenken, dass ich die Auseinandersetzung ja auch schneller beenden kann. Meine Hand wandert zur Waffe. Doch das war’s fürs erste. Cal macht einen Schritt zurück. Gibt der Frau ein bißchen contra. Sie sagt, sie sucht einen Kautionsflüchtling, dessen Foto sie uns zeigt. Ich denke, ich habe ihn vor zwei, drei Tagen in einem Roadhouse gesehen. Er wirkte leicht panisch. Wir sollen uns bei ihr melden, wenn wir ihn sehen. Auf ihrer Karte steht “Telakhon Investigation.” Sie geht. Ich würde nicht wenig Geld darauf wetten, dass sie außer gewöhnlichen Verbrechern auch noch ganz anderes Ungeziefer jagt. Und meine Vermutung geht stark in die Richtung, dass sie in uns auch Jäger erkannt hat.
Cal gibt immer noch Ruhe. Ich biete ihm an, dass er das Horn haben kann, wenn ich weiß, dass es harmlos (sprich, wertlos für mich) ist. Er murmelt etwas von “war sowieso ne blöde Idee” und scheint allen Ernstes aufzugeben. So leicht? Was ist denn das für ein Kampfgeist? Habe ich es doch nur mit einem dieser Gelegenheitsjäger zu tun, die irgend so eine persönliche Tragödie ins Geschäft gebracht hat? Bin ich zu gut geworden? Oder vergleiche ich alle Jäger gewohnheitsmäßig nur noch mit Cousin Ian, dem Gnadenlosen? Ich dachte, Cal wäre ein echter Kerl. So geht das doch nicht. Erst entführt er mich…
“Hey, warum kämpfen Sie nicht darum?”
“Willst du jetzt endlich mit den albernen Tanzschritten aufhören?”
“Können Sie etwa nicht tanzen?” Hmmm. Von der Seite habe ich den Mann noch gar nicht betrachtet. So ein alleinstehender Jäger könnte sich doch ganz leicht um den Finger wickeln lassen, wenn ich den richtigen Tonfall treffe. Lassen Sie uns Frieden schließen, Mr. Fisher. Der Zölibat wird eh gerade langweilig.
Die Ohrfeige trifft mich härter als der Schlag in die Magengrube. Was für ein Mädchen! Seid Ihr Yankees eigentlich alle solche prüden Fanatiker? Meine Güte, dann war es eben der falsche Tonfall. Pffff.

“Das war voll cool, ey, die hat krass Blut geweint. Voll die religiöse Erfahrung, Mann!”
Ach ja, da war was. Das Wunder von Colma. Schon witzig, wie man Jäger quasi auf Knopfdruck umschalten kann. Cal und ich bewegen uns wie auf ein Zeichen auf die Jugendlichen zu, die sich gerade intensiv über die weinende Statue austauschen.
Nicht lange danach stehen wir vor dem Grab der “heiligen Helen”, wie eine schon relativ extatische Menschenmasse nicht müde wird, zu betonen. Vor allem deren Vorprediger, den sich zu meiner Erleichterung Cal vornimmt. Mir tut beim Anblick von so viel Religion spontan wieder die Narbe weh, mit der mich Marcus ausgestattet hat. Aber nicht lange. Irgendwas liegt in der Luft. Meine Wange, die vor Sekunden noch gepocht hat, stellt den Protest ein. Ich fühle mich innerhalb kürzester Zeit erholt, heiter und, wie soll ich das jetzt sagen? Rosig. Keine Spur mehr von Ärger über Cals Auftritt. Gleich halte ich noch freiwillig die andere Wange hin. Normal ist das nicht. Ich spreche mit dem Priester, der mit zweifelhaftem Erfolg versucht, die Menge in Zaum zu halten. Scheinbar ist der ganz froh, dass er sich über sein Wunder bei jemandem ausweinen kann. Viel erfahren wir hier allerdings nicht. Die verstorbene Helen soll schon zu Lebzeiten einen gar engelsgleichen Charakter an den Tag gelegt haben. Bei weiterem Nachbohren gibt der Pater jedoch auch zu, dass sie ein recht undiplomatisches Wesen hatte. An wen erinnert mich das nochmal?
Ich lasse meinen geübten Jägerblick weiter über die Menge schweifen und entdecke… Kitty Munroe. Jippie. Jetzt lande ich gleich wieder in der Mutterrolle. Die Kleine hat mich im selben Augenblick erspäht und winkt erfreut. Sie weiß natürlich auch schon von dem Wunder und einen Hauch mehr über die Mordopfer. Nach viel Gefasel ihrerseits bringt uns ihre Anwesenheit wenigstens eine Probe des Blutes von der Statue auf einem Wattepad ein.
Cal wird dazu verdonnert, uns mit in die Stadt zu nehmen. Irgendwie hat diese harmonische Atmosphäre dazu geführt, dass wir automatisch zusammenarbeiten wollen. Vielleicht ist es auch nur der Jagdinstinkt, der uns jedenVorteil aufgreifen lässt, der sich uns bietet. Ganz so harmonisch ist die Atmosphäre dann auch doch nicht gewesen. Kaum, dass Cal darauf hinwies, hat sich die überschwappende Euphorie der Gläubigen in einer kurzen Prügelei entladen.
Wir verlassen diesen überaus gesegneten Ort um ein anderes Heiligtum aufzusuchen. Die Polzeistation. Wenn die weinende Statue und die Morde miteinander zu tun haben, dann würden wir doch gerne wissen, ob es sich bei den blutigen Tränen nicht am Ende um das Blut der toten Mädchen handelt. Wer weiß, was Hexen oder sonstige übernatürlichen Ärgernisse hier an widerlichem Ritualzeug durchführen. Vielleicht hat auch das Blut erst etwas Übernatürliches geweckt. Wir brauchen mehr Informationen, um die Möglichkeiten einzugrenzen.

Cal zieht den allseits beliebten Trick mit der FBI-Jacke durch. Ich bin etwas genervt davon, dass mir dieser Weg dank meines Akzents vermutlich auf ewig verschlossen bleibt und beruhige mein angeschlagenes Ego mit Shoppen. Diverse Chemikalien und alles mögliche Labormaterial für Miss Munroe, Munition für mich und ordentliche englische Zigarillos für Cal, die ich ihm unterjubeln will, damit ich in seinem Wagen nicht noch Asthma entwickle. Wenn ich das Zeug rieche, dass der Typ raucht, möchte ich Charles auf Knien danken, dass er mich zum Aufhören bewogen hat.
Als ich zurückkehre, kann ich gerade noch verhindern, dass der Mann Miss Munroe umbringt. Sie hat sein Auto geputzt – lobenswert – seiner kleinen Töle einen Lippenstift zu fressen gegeben – leichtsinnig- und versucht soeben, irgendwelche Symbole an den Autotüren zu beseitigen – lebensmüde. Ich falle ihr in den Arm. Keinen Schimmer, was das ist, aber wenn es ein Jäger an sein Auto schmiert, dann hat er Gründe. Dummes, dummes kleines Kind!
Der hartgesottene Jäger. Riecht. Anders. Miss Munroe, Sie spielen wirklich mit ihrem Leben. Himmel, die ganze Schrottkarre riecht nach ihrem Deo. So wie Cal. Ich würde lachen, wenn ich mich nicht gleich wieder da rein setzen müsste. Pink Flamingo. So entwickelt man lebenslange Traumata.
Im Hotel soll die Kleine das Blut untersuchen. Daraus wird nichts. Eine ziemlich verstörte Miss Munroe hält uns einen strahlend sauberen Wattepad hin. Doch eine Illusion? Ich will, dass sie ihn trotzdem nach Spuren untersucht.
Cal klappert derweil die Eltern der toten Mädchen ab und bringt Nachricht von einem Ex-Freund einer der beiden. Brian. Verzeihung, Bryan. Vermutlich ist das der junge Mann, der laut Polizeiakten zusammen mit beiden bei einem Goth-Club gesichtet wurde. Nicht, dass die Beschreibung eines langhaarigen Typen in schwarzer Kleidung und mit spitzen Stiefeln auf so wenige Goths zutreffen würde. Es ist ein Anfang. So wie die Leichen aufgefunden wurden (mit tief aufgeschnittenen Pulsadern und einer roten Rose auf der Brust) passt jedenfalls auch die Vorstellung von einem Emo, der etwas zu emo wurde. Ich mag aber nicht an einen Serienmörder glauben. Warum und wohin sollte der das ganze Blut verschwinden lassen, wenn es nicht etwas rituelles ist?

Der Goth-Club, den wir wohl oder übel aufsuchen müssen, heißt “Dying Rose.” Wie passend. Miss Munroe ist Feuer und Flamme für ihre Verkleidung als Emo. Die Erwachsenen sind übereingekommen, dass sie Kitty als jugendlichen Star behandeln und ihre Bodyguards spielen. So kommen wir mit einem Minimum an Änderungen aus. Ich trage einen stark taillierten Hosenanzug und eine weiße Rüschenbluse. Mehr Zugeständnisse an die Jugendkultur würden mich wirken lassen, als wäre ich verzweifelt.
Catherine, wie sich Miss Munroe im Club nennt, erspäht Bryan sofort an der Bar und umgarnt ihn bis er sich bereit erklärt, mit ihr zu tanzen. Was man hier so tanzen nennt!
Danach frisst er ihr aus der Hand und erzählt ihr alles über seine “Seelenverwandtschaft” mit der verstorbenen Sadie. Ich eigne mir mittels “Durchsuchung” seinen Autoschlüssel an, ergötze mich noch kurz an Cals Gesichtsausdruck und mache mich dann auf den Weg nach draußen, um einen näheren Blick auf die Besitztümer des Jünglings zu werfen. CDs, Kondome, eine Flasche Absinth. Papier, das mit gräßlichen Gedichten vergewaltigt wurde. “Ich habe Schmerzen in meinem Herzen, wie von tausend Kerzen.” Mit Sicherheit hat der Junge als Kind gelispelt.
Als ich den Wagen umrunde, um mir den Kofferraum vorzunehmen, weckt ein knutschendes Pärchen meine Aufmerksamkeit, das sich irgendwie seltsam benimmt. Gerade am Rande meiner Wahrnehmune stimmt an den Bewegungen des Mannes irgendetwas nicht. Er drängt das Mädchen in ein Auto und wirkt dabei, hm, manisch.
Könnte einfach nur von Drogen kommen, aber mir stehen die Nackenhaare auf, wenn ich ihn ansehe. Mit einer Hand fische ich nach den Kondomen von Bryan, mit der anderen lockere ich meine Browning. Zwei, drei Schritte, dann klopfe ich an die Scheibe des Autos und strahle den Kerl hoffentlich ziemlich dümmlich an. “Bitte, passen sie auf sich auf!” Ich halte ihm die Kondome hin. Er schaut verdutzt, greift danach und schenkt mir damit freie Sicht auf das Messer, dass er sowohl vor meinen als auch den Blicken des Mädchens zu verstecken versucht. Das genügt mir als Anlass, dass ich die Pistole direkt auf ihn richte. Ja. Vampir. Mit übermenschlicher Kraft und Geschwindigkeit stößt er mich mit der Wagentür beiseite und nimmt reißaus.
Ich schieße ihm hinterher. Das Gör auf dem Rücksitz fängt an, hysterisch zu kreischen. Ich kann es ihr nicht verdenken. Habe mich ja nicht als ihre Retterin vorgestellt. Deshalb rufe ich etwas verspätet “Stehenbleiben, FBI!” Das bringt sie wieder halbwegs zum Schweigen. Memo an mich: Diesen Satz mit amerikanischem Akzent üben.
Ich sprinte dem Monster nach und werde von Cal eingeholt, den der Schuß aus dem Club gelockt hat. “Was ist?” – “Vampir.” Das genügt. Leider sind die Macheten viele Schritte weit weg. Mir ist das einerlei. Ich will wissen, wohin der Kerl gerannt ist. Vampire haben Nester, und Vampire in Panik rennen zum Nest. Vampire in Panik hinterlassen auch herrlich tiefe Fußabdrücke. So finden wir seine Spur, die sich quer über den Gottesacker bis hinauf zu einem Parkplatz zieht. Dort steht zwar kein Vampirauto, aber dafür das der “Kopfgeldjägerin,” die darin friedlich schläft. Was für ein netter Zufall. Offenbar hat sie den Vampir davonfahren sehen ohne zu wissen, wer und was er ist. War ja nicht der von ihr Gesuchte. Ein leises Bedauern über die entgangene anderweitige Beute kann man ihr aber doch anmerken. Cal schlägt vor, dass sie den Vampir enthaupten darf, wenn er nochmal zurückkommt und fragt sie, was der Typ, den sie verfolgt, eigentlich getan hat. Eine Reliquie aus einer Kirche gestohlen und dann nicht zu seiner Verhandlung erschienen. Mm-hm. Und sie will natürlich nur das Kopfgeld. Nicht die Reliquie. Miss Munroe platzt gleich mit der Frage heraus, ob es sich bei der Reliquie um ein Horn oder einen Gral handelt. Ich erkläre der Frau, dass die Kleine noch in Ausbildung ist. Zum Glück wird sie nicht zu neugierig.

Mithilfe der FBI-Jacke (ich hasse das Ding!) können wir ausreichend viele Besitzer von Überwachungskameras davon überzeugen, uns mit dem Aufspüren des Vampirs zu helfen. Das Auto ist zu einer alten Scheune gefahren, die förmlich “Vampirnest” schreit. Mehrere von denen zusammen greifen wir sicher nicht nachts an. Also wachen wir. Ungefähr fünf Minuten. Dann stürmt der von uns Verfolgte mit all seinem Reisegepäck heraus und beginnt, den Kofferraum zu beladen. Das macht er solange, bis Cal ihm den ersten Reifen zerschießt.
Wieder flieht er zu Fuß. Wieder verfolgen wir ihn. Diesmal in den Wald. Und jetzt auch mit Macheten und meinem alten Chakram. Ich sollte eigentlich wissen, dass ich zu wenig Übung damit habe, aber ich kann es nicht lassen. Das Chakram frisst sich in einen Baum. Wenigstens ist es nicht ins Nirvana geflogen. Pragmatischer wird die Verfolgung von Cal vereinfacht. Er schießt dem Vampir in die Beine. Der kommt schneller wieder auf selbige, als wir ihn einholen können und greift den Jäger an. Ich zerre ihn von Cals Rücken, will mit der Machete ausholen – und er ist wieder auf und davon. So wird das nichts. Zu diesem Schluß ist auch mein Mitstreiter gekommen, der sich jetzt in den Arm schneidet und den Blutsauger mit dem Geruch nach Nachrung zurücklockt. Das klappt sehr gut. Flugs hängt sich der Entflohene schon wieder an ihn. Au, das muss wirklich weh tun. Und wenn Miss Munroe nicht wie ein aufgescheuchtes Huhn herumhüpfen und auf den Vampir einstochern würde, könnte ich auch vernünftig ausholen, verdammt! Aber sie tritt ihm ordentlich in die Kniekehlen und ich nutze den Moment seines Strauchelns um einen sauberen Treffer zu landen. Der Körper fällt, während der Kopf so fest in Cals Hals verbissen ist, dass er an ihm hängen bleibt wie eine Zecke. Igitt. Das schmatzende Geräusch, mit er sich schließlich löst, als Cal nachhilft, wird mich noch ein paar Tage verfolgen.
Wir sehen aus wie die Metzger. Miss Munroe und ich mit feineren roten Sprenkeln überdeckt, Cal als hätte er eine größer angelegte Blutdusche genommen. Hoffentlich hat er nicht… Er verneint. Gut, sein Gesicht hat wirklich relativ wenig abbekommen. Es hätte mir leid getan, wenn ich ihn jetzt auch einen Kopf kürzer machen müsste. Der Mann kann was. “Ich verlasse mich auf ihr Wort.”
Hätte ich nur nichts gesagt! Jetzt ist Miss Munroe wieder um eine Information reicher, die sie auf ihrem albernen Blog einstellen wird. Im schlimmsten Falle wird sie damit Scharen von Twilight-Fans in die Fänge von Vampiren treiben und eine Mordwelle ungeahnten Ausmaßes auslösen. Gut, aber dagegen gibt es ja Cal. Er geigt ihr so gründlich die Meinung, dass man fast meinen könnte, er sei durchgedrungen. Sie verspricht, nur deutlich darauf hinzuweisen, dass Vampire gefährlich sind. Ja. Genau.
Ich schwöre Ihnen, Miss Munroe, an dem Tag, an dem in ihrem Blog steht, wie Vampire entstehen, suche ich mir einen Hacker, der auch noch die letzte Spur all ihrer Schmierereien beseitigt und ihren Computer in den Selbstmord treibt. Und dann versohle ich Ihnen den Hintern wie noch niemand zuvor. Und wenn das nicht hilft, breche ich Ihnen die Finger. Jedes mal, wenn Sie eine Tastatur auch nur ansehen. Wegen Leuten wie Ihnen, die den Glauben mehr und mehr schüren, werden die Monster in dieser Welt immer zahlreicher. Wegen Leuten wie Ihnen… Oh Mann, ich muss mich abregen. Sie ist ja noch so jung.
Um ihr nicht direkt an die Gurgel zu gehen, greife ich mir die Tasche, die der Vampir auch auf der Flucht an sich gepresst hatte. Sie offenbart den typischen Inhalt, den ich mir bei einem Grufti erwartet habe. Kosmetika, Haargel, ein Tagebuch. Darin elendes Gejammer, wie schrecklich es ist, ein Vampir zu sein und andauernd töten zu müssen. Seitenweise. Und schlußendlich die Erklärung für die hiesigen Morde. Der Blutsauger kam vor wenigen Tagen hier an, weil er hoffte, die Tränen der Statue könnten ihn vom Vampirismus heilen. Armer Irrer.

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patti

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