Mädchenkram - Supernatural

Ich habe hier schon oft über Dinge geschrieben, die unglaublich sind. Aber was ich diesmal beschreibe, ist so unglaublich, dass ich es selbst nicht richtig glauben kann.
Das macht es aber nicht weniger wahr.
Ich war gerade in Arizona, um Wüstenaufnahmen zu machen, als ich von seltsamen Ereignissen auf einer Casino-Baustelle in der Nähe von Camp Verde las – wer mag, kann den Artikel auf der Webseite der Camp Verde Gazette nachlesen.
Zwei Arbeiter wurden durch einen unbekannten Angreifer getötet. Die Frau wurde zu Tode geprügelt und der Mann starb, als der Büro-Trailer umgeworfen wurde, in den sich die Frau geflüchtet hatte.
Die Polizei schob das Ganze auf Ganger aus L.A., aber wenn das stimmt, was waren dann die seltsamen runden Abdrücke, die man auf dem Gelände fand?
Klang nach einer übernatürlichen Kreatur, wenn ihr mich fragt.
Außerdem hatte der Bauherr eine Belohnung von 10.000 $ für die Erfassung der Täter ausgeschrieben. 10.000 $ sind zwar sehr nett, aber letztlich ist die Wahrheit sich selbst Belohnung genug – und, seien wir mal ehrlich, wann hätte man schon mal ein Übernatürliches Ereignis so belegen können, dass man dafür Geld bekommen könnte?
Mit Hilfe von zwei Freunden und dem Segen des Bauherrn nahmen wir also die Ermittlungen auf. Es gab auch einige Ansätze: Es gibt ein Indianercasino ganz in der Nähe – vielleicht hatte der Bauherr seine Bauarbeiten auf heiligem Boden begonnen und die Indianer hatten ihn verflucht?
Außerdem gab es die Legende des „Roten Geistes“, der schon häufiger gesichtet wurde und häufig Leute zu Tode prügelte oder trampelte. Die erste Sichtung des „Roten Geistes“ erfolgte schon vor 150 Jahren. Geist? Wer weiß, vielleicht war es auch ein Monster.
Unser erster Stopp sollte die Baugrube sein, auf der im Augenblick die Arbeit aufgrund der Morde stillgelegt war. Doch noch auf dem Highway beobachteten wir ein Auto, dass von der Straße abgekommen war. Vielleicht nur ein Unfall – vielleicht auch mehr.
Natürlich war es mehr. Das Auto schien mit großer Wucht gegen etwas geprallt zu sein. Die Fahrerin behauptete, es sei ein großes Tier gewesen. Unter der Motorhaube steckten auch tatsächlich rötliche Haare, die mit einem ekligen Schleim bedeckt waren.
Der perfekte Augenblick, um meinen Glyzer auszuprobieren. Erinnert ihr euch daran? Ich habe vor ein paar Wochen über mein neustes Projekt gebloggt, ein aufgerüstet EMP-Messgerät. Die Bauanleitung findet ihr dort, aber Achtung, ihr solltet schon ein paar Kurse in E-Technik besucht haben, bevor ihr euch daran wagt.
Jedenfalls kann mein Glyzer nicht nur elektro-magnetische Wellen aufspüren, sondern sie auch darstellen. Wir alle wissen, dass Geister elektro-magnetische Impulse aussenden und man sie so finden kann. Und wenn ihr es noch nicht gewusst habt, wisst ihr es jetzt. Ich hoffe, dass ich irgendwann eine Sammlung von Geisterwellen anlegen kann, aus denen man Aussagen über Alter, Art und Stärke einer Geistererscheinung machen kann.
Aber das ist noch Zukunftsmusik.
Ich schaltete also meinen Glyzer an und tatsächlich, dass Ding schlug ordentlich aus. Der „Rote Geist“ musste also ein echter Geist sein. Dann die Enttäuschung: Mein Glyzer zeigte zwei überlappende Wellenlinien an. Das konnte nicht stimmen, oder? Waren es vielleicht zwei Geister, die zusammenarbeiteten?
Ich machte eine Aufnahme der Wellenlinien, um sie später gründlich analysieren zu können.
Außerdem fanden wir die „runden Spuren“ von denen wir schon gehört hatten. Sie sahen aus wie Herzen oder wie Kreise, in denen eine Ecke fehlt.

Drom tracks small

Vielleicht hat es einer von euch schon erkannt: Es waren Dromedar-Spuren.
Hört auf zu lachen, ich konnte es auch erst nicht glauben. Ein Geister-Dromedar? So ein Blödsinn!
Wir werden sehen.
Hier beschlossen wir, dass weitere Recherchen nötig waren. Ich setzte mich noch mal in das Archiv, während meine Begleiter mit den Indianern und den Kollegen der Opfer redeten.
Und Tatsache 1856 wurden in Arizona drei Dutzend Dromedare eingeführt, um sie im Krieg gegen die Indianer einzusetzen. Nur leider sind Dromedare ziemlich schlecht gelaunte Viecher, die sich nicht so gut dressieren lasen wie Pferde. Man gab also das Projekt Dromedar auf.
Trotzdem kam es in den folgenden Jahrzehnten immer wieder zu Dromedar-Sichtungen: 1901, 1913 und 1929, als ein Kamel eine Pferdeherde angriff.
Auch Angriffe auf Menschen fand ich zur Genüge. 1883 hörte ein Farmer seine Frau schreien. Als er ihr zur Hilfe eilte, hatte man ihr schon den Schädel eingeschlagen. In der Nähe fanden sich rotes Fell und herzförmige Abdrücke. Im gleichen Jahr wurde das Zelt zweier Minenarbeiter von einem großen Tier mit rotem Fell niedergetrampelt. Von ihnen wurde aber keiner verletzt.
1967 verschwanden zwei neunjährige Pfadfinderinnen mitten in der Nacht aus ihrem Camp. Ihre Leichen wurden in einem Bach gefunden. Allerdings waren ihre Körper von Blutergüssen bedeckt.
Entscheidend war aber ein Artikel: 1893 schoss ein Farmer auf ein Kamel, das sich an seinem Gemüse gütlich tat. Es floh, aber der Farmer hatte den Eindruck, dass auf seinem Rücken etwas festgebunden sei. Als er den Blutspuren folgte, fand er einen menschlichen Schädel, den er dem Stadtarchiv vermachte.
Langsam schälte sich heraus, was in Camp Verde umging, aber noch fehlte eine Information: Jacob Tanner.
Jacob Tanner war ein Soldat in den 1880ern und ein echter Schatz, wenn man sich die Liste seiner Vergehen so durchliest: Diebstahl, Trunkenheit, Körperverletzung, vor allem gegen Frauen. Zuletzt bekamen sie ihn für Desertion und Mord an einer Prostituierten dran. Die Todesstrafe wurde auf eine ganz besondere Art vollstreckt. Er wurde ausgepeitscht und auf den Rücken eines der letzten Dromedare gebunden, die noch übrig waren. Das Kamel jagte man dann in die Wüste hinaus.
Erinnert ihr euch an die überlappenden Wellenlinien? Tanner musste auf dem Kamel gestorben sein. Sein Geist und der des Dromedars vermischten sich, bis sie gemeinsam als „Roter Geist“ Arizona heimsuchten.
Und wie es aussah, hatten sie es vor allem auf Frauen abgesehen. Das hielt mich trotz der erhöhten Gefahr für mich natürlich nicht davon ab, meiner Pflicht nachzugehen und weiter zu forschen.
Bevor ich mit meinem Bericht fortfahre, hier noch mal die Zusammenfassung zu Geistern:

1. Geister sind gefährlich! So richtig gefährlich. Vielleicht gibt es auch liebe und nette Geister, aber bisher haben wir nur die Albtraumversion getroffen. Versucht also nicht, mit dem geisterhaften Bewohner eines Spukhauses zu kommunizieren, das kann nur schief gehen. Und wenn ich „schief gehen“ sage, meine ich „tödlich enden“.
2. Geister sind empfindlich gegen Steinsalz. Salz ist in vielen Kulturen ein Symbol der Reinheit, das unreine Wesen wie Geister abstößt. Wenn ihr also von einem wütenden Geist gejagt werden, schleudert Steinsalz auf es und es lässt euch für ein paar Sekunden in Ruhe. Man kann sogar Schrotpatronen mit Steinsalz füllen (die Anleitung dazu gibt es demnächst!) und mit der Flinte auf Geister schießen.
Last but not least, Geister können Salz nicht überqueren. Zieht ihr einen Salzkreis um euch, kann der Geist nicht mehr an euch ran. ABER… einige Geister, Poltergeister, um genau zu sein, können Dinge durch die Gegend werfen. Die fliegen auch in den Salzkreis, wie ich gelernt habe.
3. Eisen hat eine ähnliche Wirkung auf Geister. Ein Schüreisen ist auch eine praktische Waffe gegen Geister, nur muss man näher ran. NICHT EMPFOHLEN!
4. Geister verschwinden, wenn man ihre sterblichen Überreste beseitigt, indem man sie mit Steinsalz bestreut und verbrennt. Denkt aber dran, dass Knochen nicht innerhalb von zwei Sekunden verbrennen, das braucht etwas.

Wir brachten also die nötige Ausrüstung mit und machten uns auf zur Baustelle. Erster Halt war der Bürotrailer. Spuren ließen sich keine mehr finden, aber sowohl eine Digitalkamera wie auch ein Laptop.
Auf der Kamera waren Bilder eines Tierskeletts und auf dem Laptop ließen sich E-Mails von einem der Opfer finden, in dem sie vom Fund des Skeletts berichtete… abgeschickt am Tag ihres Todes.
Obwohl es schon mitten in der Nacht war, kletterten wir in die Grube hinunter. Mit Hilfe des Glyzers fahndete ich nach den Überresten… Ihr dürft raten, was passierte. Das Geisterkamel, Jacob Tanner auf seinen Rücken gebunden, tauchte auf. Der „Rote Geist“ war etwa zweieinhalb Meter groß, sicher eine Tonne schwer und hatte, wie der Name schon sagt, rotes Fell.
Ihr dürft wieder raten. Als Frau war ich sein Primärziel. Ich sage euch, das ist kein Spaß, wenn so ein Riesentier auf einen zurast. Und Kamele stinken. Zum Glück konnten meine Begleiter, die mit Steinsalz-Flinten bewaffnet waren, die Kreatur abhalten, bis wir die Überresten entdeckt hatten.
Um sie in Ruhe verbrennen zu können, zogen wir einen Salzkreis um das Skelett. Während meine Begleiter dem Geist trotzen, rannte ich hinüber zu meiner Ausrüstung und holte meine Kamera. Gefährlich, sicher, denn kaum hatte ich meinen Fuß außerhalb des Kreises gesetzt, stürmte das Kamel auf mich zu. Mit letzter Kraft schaffte ich es zurück in den Kreis.
Immerhin kann ich euch diese Aufnahmen präsentieren:

Dromedar youtube

Das ist der „Rote Geist“, wie er uns umkreist und uns angreifen will. Die Stelle in der Mitte, als die Aufnahme kurz verwackelt und ihr mich schreien hört, da wurde der Kreis unterbrochen und der „Rote Geist“ konnte uns angreifen. Das war echt knapp!
Am Ende hatten wir aber Erfolg. Da die Möglichkeit bestand, dass so verbundene Geister sich gegenseitig im Diesseits festhalten konnten und Jacob Tanners Schädel fehlte, trennten wir die Skelette und verbrannten jedes für sich. Das ist die Pyro-Show am Ende des Clips: Das Kamel löst sich in Luft auf.

Jetzt mussten wir nur noch den Schädel verbrennen. Er befand sich, wie gesagt, im Stadtarchiv, wo wir ihn nach einiger Mühe fanden.
Jacob Tanner fand nicht gut, was wir da taten und manifestierte sich. Leider gibt es davon keine Aufnahmen, weil die Konfrontation mit dem Soldatengeist zu hitzig war und ich keine Möglichkeit hatte, sie zu filmen. Nächstes Mal bringe ich eine kleine Kamera mit, die ich mir umschnallen kann.
Jacob Tanners Wut gegen Frauen konnte ich gegen ihn verwenden: Ich lenkte ihn ab, als er meinen Begleiter angreifen wollte, der gerade mit dem Schädel nach draußen lief und konnte ihn lange genug beschäftigen, bis der Schädel beseitigt war.
In so einer Situation will ich nicht noch mal enden. Spaß war das keiner, kann ich euch nur sagen.
Der Soldat verbrannte nicht, wie es das Kamel getan hatte, sondern es war, als würden geisterhafte Frauenhände aus dem Boden greifen, seine Beine umschlingen und ihn zu sich in die Hölle ziehen.

Ich hoffe, Jacob Tanners Opfer konnten so etwas Genugtuung erfahren und der Rote Geist ist auf immer aus Arizona verschwunden.


Private E-Mail an Hellskitty:

Hi Kitty,

alles klar bei dir? Das war was in Arizona! Geisterkamel, ich glaube es nicht. Ich hätte dich da echt gebrauchen können, das war alles ultra-unheimlich und gefährlich. Immerhin konnte ich ein paar Aufnahmen machen.
Ich habe auch ein paar von diesen Jägertypen kennengelernt, von denen du erzählt hast. Zitter Von denen will ich keinem im Dunkeln begegnen. Der eine hieß Bartholomäus und war ganz OK. Eher ein ruhiger Typ. Der andere heißt Barry und ich bin mir ziemlich sicher, dass er der Grund für die Hookman-Legende ist. Hinterher haben sie mich in ein „Roadhouse“ mitgenommen, wo sich noch mehr von der Sorte rumtreiben… Mann, die haben alle einen an der Klatsche und das meine ich in der Manson-Variante. Suuupeeer creeeepy. Wenn man so komisch sein muss, um Monster zu jagen, halte ich mich lieber an Filmaufnahmen.
Aber na ja. Vielleicht kann ich denen vom Computer aus helfen, wir hören ja immer mal was. Dann muss ich nicht mit ihnen reden. Pass bloß auf, wenn du mit denen rumhängst, nicht, dass dir was passiert! Einige haben mich angeschaut, als hätten sie seit Monaten kein Mädchen mehr gesehen. Bäh!
Indirekte Kommunikation ist viiieeel besser. Mal sehen, vielleicht treffen wir bald welche im TrueBelievers-Forum.

Jetzt muss ich noch meine Wüstenblumen-Aufgabe für die Filmklasse fertig machen. Kommst du morgen zu Professor Janistons Journalistik-Vorlesung?

Byebybe,

Ally

Comments

Nocturama

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